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Wenn Branchenvertreter malenTuesday, August 31. 2010
Im Online-Standard wird berichtet, dass sich Minderjährige ab sofort nicht mehr im Solarium bräunen dürfen. Zitat aus dem Artikel:
"Während Ärzte die Vorgangsweise enthusiastisch begrüßen, malen Branchenvertreter den Teufel an die Wand: Ausbaden müsse die Neuregelung das Solarium-Personal, meinte Solariumsbesitzer Johann Arsenovic. Vor allem in qualitativ hochwertigen und somit personalintensiven Studios werde es zu Kündigungen kommen. Gut geschulte Fachkräfte, die kompetent informieren, müssten um ihren Arbeitsplatz bangen." Ist sicher vom Standard zugespitzt formuliert, trotzdem hier meine Assoziation: Abschaffung der Todesstrafe: Während Menschenrechtler die Vorgangsweise enthusiastisch begrüßen, malen Branchenvertreter den Teufel an die Wand: Ausbaden müsse die Neuregelung das Exekutionspersonal, so Guillotinenservice-Betreiber Hanko Hasenreißer. Vor allem in qualitativ hochwertigen Betrieben werde es zu Kündigungen kommen. Gut geschulte Fachkräfte, die kompetent killen, müssten um ihren Arbeitsplatz bangen. Bei der gegenwärtigen Lage auf dem Arbeitsmarkt könne nur ein Teil des Personals umgeschult werden; neue Betätigungsfelder für die Henker seien vor allem Fleischhauer, Schwertkämpfer und Türsteher. Beim HühnerarztThursday, July 29. 2010
Wenn wir ihnen das Futter brachten, machten unsere Hühner einen schrecklichen Lärm. Als es immer schlimmer wurde, nahmen wir die lauteste Henne und gingen mit ihr zum Ornithopäden.
Der Arzt betrachtete das Tier mit einem Galloskop, machte ein Ornithogramm und diagnostizierte schließlich eine nicht pathologische Megalophonie. Vielmehr sei das Tier in hohem Maß phagophil, und dazu komme eine akute Ovulationseuphorie. Obwohl eine gewisse Ansteckungsgefahr bestehe, könnten wir es wieder bedenkenlos in unser Gallodrom lassen. Erleichtert verließen wir den Kotoiater. Das heikle RegulierungsgleichgewichtMonday, July 26. 2010
Heute zwei Ausführungen, die mit dem Thema der staatlichen Regulierung zu tun haben.
Das Erfolgsrezept der freien Demokratien Das „Erfolgsrezept“ der freien Demokratien gegenüber autoritären, korrupten oder sonstwie misslungenen Staaten ist, dass sie sich die wilde Urkraft des Individuums zunutze machen, nämlich seine Gier. Dazu braucht es ein perfekt ausgewogenes Staatskonstrukt als Regulativ. Dieser Staat muss ohne zu stören die Rahmenbedingungen dafür setzen, dass die Gier sich auf nützliche Weise entfaltet und dabei keine Individuen auf der Strecke bleiben. Jeder muss die Gelegenheit haben mitzumachen (keine wirtschaftlichen Einstiegsbarrieren, weder als Arbeitgeber noch als Arbeitnehmer), und auch diejenigen, die hauptsächlich oder ausschließlich als Konsumenten mitmachen, sollen auf ihre Rechnung kommen. Nimmt sich der Staat als Regulator zuviel heraus, ist er überautoritär, und die Sache tendiert in Richtung des Kommunismus, wie wir ihn aus der Praxis kennen. Lässt der Staat die „Gier“ sich unkontrolliert ausbreiten (laissez-faire), kommt es zu Raubtierkapitalismus, Oligopolen, Ausgrenzung von Gesellschaftsschichten. Beide unausgewogenen Spielarten sind suboptimal und tendieren in Richtung Ungleichheit und Armut. Die Mitte zu finden, ist eine heikle Sache. Man kann sich die Situation vielleicht am besten als ein chemisches Experiment vorstellen, bei dem eine bestimmte Abweichung in der Dosierung einer bestimmten Komponente das Ganze in die Luft gehen lässt. Unter- und Überregulierung Immer wieder gibt es Fälle, dass ein tapferer Amtstierarzt Tiere beschlagnahmt, weil sie unter schlechten Bedingungen gehalten werden. Neulich war wieder ein Pferd betroffen, das nicht nur ausgehungert war, sondern dessen Hufe auch schon so lange nicht geschnitten worden waren, dass es nicht mehr stehen konnte. Mittlerweile haben wir in Österreich endlich ein brauchbares Tierschutzgesetz, das für fast alle üblichen Haus- und Nutztiere eindeutig festschreibt, wie sie gehalten werden müssen. Bleibt nur das Problem, dass fast alle Tiere von irgendwem – also Personen ohne notwendige Qualifikation – irgendwie – also ohne faktische Kontrolle – gehalten werden können. Im Fall von privater Tierhaltung schreitet der Amtstierarzt normalerweise nur dann ein, wenn der Halter angezeigt wird, meist vom Nachbarn. Ich finde aber, die Kontrolle der Tierhaltungsgesetze sollte nicht hauptsächlich auf Denunziation beruhen, sondern, ähnlich wie beim Pickerl fürs Auto, regelmäßig von öffentlicher Seite (idealerweise den Ländern) vollzogen werden. Für Großtiere auch im privaten Bereich flächendeckend, also der komplette registrierte Bestand von zB Pferden innerhalb von 2-3 Jahren, für Hunde stichprobenartig. Und auch bei den Kleintieren sollte es zumindest eine Anzeigepflicht für die Haltung geben. Eine solche Leistung wird klassischerweise über Haltungsabgaben finanziert. Wieso aber hier zusätzliche Regulierung einführen, wo der Trend doch zur Deregulierung gehen sollte? Deregulierung darf nicht zum reinen Dogma werden, man muss schon differenzieren: Heute werden viel mehr Tiere gehalten als früher, und von viel weniger qualifizierten Personen. Nicht nur gibt es viel mehr Hunde, sondern auch sehr viel mehr Pferde. Pferdehaltung war früher fast ausnahmslos entweder Aufgabe der professionellen Landwirte (die ja dafür qualifiziert waren), oder es handelte sich bei den Tieren um Sportpferde, die auch, da sie sozusagen Wertgegenstände darstellten, einigermaßen gepflegt wurden. Heute können Sie über willhaben.at ein Pferd privat kaufen, es sich liefern lassen und daheim damit tun und lassen, was Sie wollen, solange Sie kein Nachbar anzeigt. Sie können langsam dem Alkoholismus verfallen und das Pferd dabei nur sporadisch füttern, es anbinden, schinden und verwildern lassen, und keine öffentliche Stelle interessiert sich von sich aus dafür. Ein Kraftfahrzeug hinterlässt bei den Behörden zeit seiner Existenz weitaus mehr Spuren. Die Tierhaltung ist eines der seltenen Beispiele für Unterregulierung. Parallel dazu haben wir aber auch eine massive staatliche Überregulierung. Das weiteste Feld dabei ist das Gewerberecht. Nach der Revolution von 1848 herrschte weitgehend Gewerbefreiheit, aber nach und nach wurde diese wieder abgeschafft. Dafür gibt es einen guten und einen dummen Grund: Der gute Grund: Schutz der Bürger vor Pfuschern. Deshalb darf sich nicht jeder ohne entsprechende staatlich anerkannte Qualifikation zum Arzt erklären. Desgleichen gilt für Apotheker. Auch Betreiber oder Verkäufer von technischen Einrichtungen müssen Normen erfüllen und dafür Prüfungen nachweisen. Dann kommen die Nahrungsmittelhersteller und -verabreicher (Gastronomen) sowie Elektriker, Installateure udgl. Letztere sind aber nicht in anderen Ländern so reguliert wie bei uns. Der Schutz vor Pfuschern soll ja eigentlich nur Leib und Leben schützen – das gilt zB teilweise beim Elektriker, und beim Installateur – na ja. Das führt uns gleich zum zweiten Grund für Gewerbebeschränkungen: Der dumme Grund. Dahinter steht der reine Egoismus von Berufsgruppenvertretern oder ein ähnlicher Unfug. Wer mühsam sein Handwerk gelernt hat und nun möglichst viel Geld damit verdienen will, strebt oft danach, im Geiste der mittelalterlichen Gilden sein Berufsfeld nach außen zu schützen und drumherum Barrieren aufzubauen. Schließlich liebt man keine Emporkömmlinge, die einem als plötzliche Konkurrenten nicht nur den Umsatz rauben, sondern dabei vielleicht auch noch schlechtere Qualität liefern (was uns ein wunderbares Argument für die Verteidigung der Gewerbebarrieren gibt). Was tut eigentlich unsere Berufsvertretung? Die muss das bekämpfen. Aus diesem Grund haben wir heute so unvernünftige Sachen wie das geschützte Gewerbe der Fotografen, obwohl das Schlimmste, was durch Pfusch dabei passieren kann, ist, dass die Hochzeitsfotos nix werden. Leib und Leben sind dadurch wohl kaum bedroht. Und: So transparent ist der Markt allemal, dass man als Konsument im Vorfeld herausfinden kann, welcher Fotograf schlecht und welcher gut ist. Das Pfuscherphänomen ist sicher ein Problem für den Staat, aber auch dieses muss man etwas kritischer durchleuchten, als es die Politik zu tun pflegt. Gemeinhin versteht man unter einem Pfuscher irgendeinen bösen Arbeiter, der einen arglosen Bürger in den Erwerb von Leistungen hineintrickst und diese dann ganz schlecht erbringt, weil er ja keine Gewährleistung gibt, und der Bürger das erst im Nachhinein merkt, wenn das Haus zusammengestürzt ist. Warum aber werden Pfuscher derart massiv beschäftigt? Erstens weil sie niedrigere Preise haben, und zwar v.a. um den Steuer- und Abgabenanteil niedrigere. Deswegen gilt der Trend: Je höher die Abgabenbelastung auf Handwerksleistungen ist, desto höher ist auch der Pfuschanteil in der Wirtschaft. Wenn ein Handwerker regulär 15.000 Euro verlangt, aber im Pfusch nur 6000, sollte das dem Gesetzgeber zu denken geben (weniger in Richtung mehr Kontrolle, sondern in Richtung Senkung der Abgabenquote). Erspart man sich als Privatperson bei einer Renovierung durch einen Pfuscher 9000 Euro, sind die Bedenken bezüglich Gewährleistungsausfall schnell vergessen. Die 9000 Euro zusätzlicher Spielraum sind die überzeugendste „Gewährleistung“. Aber es gibt auch noch ein zweites, immer wichtigeres Argument für den Pfusch: Die Nichtanwendbarkeit der im obigen Sinn „dummen“ Gewerbebeschränkungen. Der Tischler darf die Küche aufbauen plus E-Herd und Geschirrspüler anschließen plus eine Nische zumauern, verputzen und verfliesen. Der Betriebskonsulent macht die Hochzeitsfotos. Der Netzwerktechniker zieht eine Trennwand zum Serverkammerl auf. Und der Programmierer darf sich seine Kenntnisse über elektrische Schaltungen zunutze machen, indem er die Steckdosen in der Gartenhütte verkabelt. Wohlgemerkt, jede einzelne der dafür offiziell erforderlichen Ausbildungen dauert ca. 3 Jahre plus eventuelle Praktika und kostet eine Menge Geld. Unternehmenskonstrukte, bei denen all diese Handwerker unter einem Dach arbeiten und anbieten (zB ein „Küchenstudio“) sind eine gute Alternative, aber erfordern, wie alle etwas größeren Unternehmen, viel Kapital und Zeit für den Aufbau, und müssen natürlich die beträchtlichen Kosten an die Kunden weitergeben. (Im Fall von Ärzten sind Gemeinschaftspraxen aus einem anderen Grund de facto unmöglich, nämlich weil die Krankenkassa ihre Verträge ausschließlich an einzelne Ärzte vergibt.) Probleme bei der Umschulung durch das Arbeitsamt. In diesem Zusammenhang finde ich es auch absurd, dass man Arbeitslose zwangsläufig immer nur in die wenig oder nicht beschränkten Gewerbebereiche umschult. Das führt zu einem überdimensionalen Aufkommen von immer neuem Büropersonal oder „neuen Handwerkern“, also Programmierern oder Grafikdesignern (das sind neuere, „ungeschützte“ Gewerbe, die also noch nicht unter den Schutzmantel einer Standesvertretung schlüpfen konnten). Die Nachfrage nach klassischen Handwerkern kann hingegen kaum befriedigt werden, geschweige denn dass es unter ihnen eine ernsthafte Konkurrenz im positiven Sinn gibt – aufgrund der Gewerbebarrieren kann ja auch kaum ein 45-Jähriger „auf Installateur umsatteln“. Dann lieber gleich eine Schellack ritzen lassenSunday, July 18. 2010
Ein Brief, den ich an Ö1 geschickt habe. Die genannten Sendungen sind übrigens wirkliche Hammer - die Gesprächspartner waren anscheinend wegen der Hitze besonders enthemmt. Sollte das jemand lesen, der sich den Luxus eines Ö1-Downloadabos leistet, seien sie ihm ans Herz gelegt.
Sehr geehrte Damen und Herren! Zuerst Lob: Am Freitagnachmittag gab es in Ö1 zwei hervorragende, ebenso interessante wie humorvoll präsentierte Sendungen, nämlich "Von Tag zu Tag" mit Adolf Holl und "Da capo: Im Gespräch" mit Elia Bragagna. Ich war begeistert! Diese Sendungen wollte ich gerne auf MP3 oder CD haben, auch um sie meine Frau hören zu lassen. Jetzt bitterer Tadel: Ich musste feststellen, dass die Downloads nur im "Jahresabo" um 40 Euro erhältlich sind. In früheren Zeiten konnte man sich über telefonische Kontaktaufnahme mit dem Hörfunk eine Sendung auf Schellack ritzen und mit der Post zusenden lassen, was 7500 Schilling kostete (ich übertreibe). Leider unterscheidet sich der Status quo noch nicht wesentlich davon! Deshalb bitte ich Sie dringend, meinen folgenden Kundenwunsch an die entsprechende Stelle weiterzuleiten: Heutzutage ist es üblich, kommerzielle Musikstücke um 1 Euro pro Stück, gänzlich ohne Aboverpflichtung, online zu erwerben. Sollen es bei einer Ö1-Interviewsendung von mir aus 3 Euro sein. Auf jeden Fall müsste sie einzeln zu erwerben sein. Obwohl: Wir zahlen ja gerade wegen der qualitätsvollen Inhalte die ORF-Gebühr (meine Frau und ich sogar 2x für Wohnung und Haus, plus nicht unbeträchtliche wiewohl dubiose Summen für Digital-Decoderkarten). Das legitimiert uns aber noch immer nicht zum Download von Ö1-Radiosendungen. Was wir hingegen ständig kostenlos bekommen könnten, sind die eher nicht so volksbildnerisch wertvollen Produktionen von Ö3 (Mikromann usw.), die einem im Internet nur so um die Ohren fliegen. Also: Während alles andere, egal wie dumm und sinnlos, durch die Rundfunkgebühren abgedeckt ist, muss man für Ö1-Sendungen - die einzigen dem Bildungsauftrag entsprechenden Produktionen - nicht nur zusätzlich bezahlen, sondern das auch noch nach einem Geschäftsmodell (Jahresabo), das anachronistisch und schikanös ist, kurz: den Bildungsauftrag des ORF zusätzlich torpediert. Und ja, ich weiß, als Ö1-Clubmitglied würde ich mir 10 Euro ersparen. Schmecks! Mit freundlichen Grüßen Tags darauf kam folgende Antwort: Vielen Dank für Ihr E-Mail und das Interesse, das Sie unserem Klassik- und Kulturprogramm Österreich 1 entgegenbringen . Gerne haben wir Ihr Lob den betreffenden Redaktion en zur Kenntnis gebracht. Zur Frage der Kosten: Versorgungsauftrag und Programmauftrag für den Österreichischen Rundfunk sind im ORF-Gesetz geregelt. Als Gebührenzahler erhalten Sie demgemäß die dem ORF gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen, einschließlich des Onlineangebotes. Unsere Podcast-, Download- und Streaming-Angebote sind jedoch nicht Teil des gesetzlichen Versorgungsauftrags . S ie werden daher auch nicht durch die Rundfunkgebühren gedeckt und dürfen das von Gesetzeswegen auch nicht. Die Erträge aus unserem Zusatzangebot decken nicht nur die daraus folgenden höheren Kosten des ORF für Erstellung und Vertrieb von Downloads und Podcasts ab - wir müssen damit auch die Ansprüche der Rechteinhaber (Autoren, Musikschaffende und -Interpretierende, Verlage etc.) mit den Verwertungsgesellschaften abrechnen. Programmverbreitung via Internet ist nämlich eine eigene Vertriebsform und deswegen in vielen Fällen extra zu honorieren. Selbstverständlich haben wir Ihre Stellungnahme bezügli ch d es Downloadabos auch in unser Serviceprotokoll aufgenommen, das täglich alle Redaktionen und Führungskräfte von Ö1 zur Einsichtnahme erhalten. Für Ihr Interesse an unserem Klassik- und Kulturprogramm Ö1 bedanken wir uns und verbleiben Nun frage ich mich: Wie finanziert sich dann TVthek (ORF-Gratisportal mit Streams von TV-Produktionen) oder der Download der Ö3-Sendungen? Eine Willkommen-Österreich-Sendung dürfte komplizierter abzurechnen sein als ein Ö1-Interview, das eine angestellte Redakteurin mit einem Wissenschaftler führt. Wahrscheinlich war ich mit meinem Anliegen an der falschen Adresse; es scheint wohl vor allem an der Wurschtigkeit höherer Entscheidungsträger zu liegen, dass ausgerechnet die qualitätsvollen Eigenproduktionen nicht ohne Hindernisse herunterzuladen sind. Jetzt ist noch eine zweite Antwort gekommen, Auszug: Alternativ zu den Ö1-Downloads können Sie Sendungskopien von Einzelsendungen - ganz ohne Abonnement-Pflicht - über das Ö1-Audioservice (audioservice@orf.at; 0043-1-50170-374) auf MC oder CD beziehen. Die beiden von Ihnen gelobten Sendungen sind zum Preis von je € 26,- (Ö1-Clubmitglieder € 19,80) zzgl. € 3,- Versandspesen (einmalig) auf MC oder CD erhältlich. Mit Auf-den-Briefträger-Warten kosten die beiden Sendungen somit 54 Euro statt im Download-Abonnement 39 Euro. seufz Wir ersuchen höflichst um Verständnis dafür, dass Ö1 seine Angebote nicht individuell auf jedes einzelne Clubmitglied zuschneidern kann. Als Clubmitglied hat mans leider gar nicht viel besser, denn dann legt man ab: Monatliche Rundfunkgebühr 23 Euro plus Jahres-Clubgebühr 27 Euro plus ermäßigte Jahres-Downloadgebühr 29 Euro. Ein Kompromissvorschlag, wie man das Bezahlangebot mit nur drei unterschiedlichen Preisen doch individuell auf jedes einzelne Clubmitglied zuschneidern könnte (abgesehen von der naheliegenden Null-Lösung): Einzeldownload von Sendungen: 2 Euro für eine lange, 1 Euro für eine kurze Sendung, oder das Jahresabonnement. Wetten, dass der Umsatz dann deutlich höher ist? Zwangsarbeit JETZT abschaffen!Wednesday, July 14. 2010
Nun wird endlich die Abschaffung des verpflichtenden allgemeinen Wehrdiensts diskutiert. Ein Schritt, den die meisten westlichen Demokratien und darunter alle direkten EU-Nachbarn schon getan haben (Deutschland hat die Wehrpflicht „ausgesetzt“). Nur Österreich sträubt sich. Die ÖVP: Kommt nicht in Frage. Die SPÖ: Haben wir schon mal überlegt, aber nein. Die FPÖ: Viel zu teuer.
Das Gegenargument ist komischerweise fast immer, dass das Heer dann zu teuer wäre (obwohl viele Militärexperten sich mit gegenteiliger Meinung zu Wort gemeldet haben) oder man nicht weiß, was dann mit dem Zivildienst passieren soll. Offenbar macht sich keiner über die wirklich zentrale Frage Gedanken, nämlich: Ist es okay, wenn der Staat jungen Leuten (mehr oder weniger) ein Lebensjahr wegnimmt? Wobei der Staat ja wir alle sind, und wir alle finden das – aktuellen Umfragen zufolge – mehrheitlich eh nicht okay. Dabei sollten direktdemokratische Befragungen gar keine Rolle spielen; so eine Frage gehört natürlich von den gewählten Volksvertretern ernsthaft behandelt, bestmöglich entschieden und danach umgehend umgesetzt (Volksbefragungen nur behelfsweise). Gehen wir das Thema einmal systematisch an: Ist es in Ordnung, wenn der Staat Menschen zu einem Dienst zwangsverpflichtet? Manche sagen generell ja. Damit widersprechen sie der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), um die wir nicht herumkommen, und die der Meinung ist, dass niemand gegen seinen Willen vom Staat oder sonst irgendwem zu Zwangsarbeit verpflichtet werden darf. Einzige Ausnahme, die seinerzeit zwangsläufig hineingeschrieben wurde (weil man sich sonst wohl kaum geeinigt hätte): Der staatliche Wehrdienst. Und exakt das ist heute bei uns der Status quo, denn der Zivildienst ist nichts anderes als der Wehrersatzdienst und zählt somit zum Wehrdienst. Was aber nicht geht, ist, die Wehrpflicht abzuschaffen und durch einen „verpflichtenden Sozialdienst“, ein „verpflichtendes Sozialjahr“ odgl. zu ersetzen. Warum? Weil das laut EMRK Zwangsarbeit wäre. Aber nicht nur laut EMRK, auch der bürgerlich-demokratische Freiheitsbegriff vertritt natürlich diese Ansicht, oder kurz: der allgemeine Menschenverstand, die heute herrschende Moral. Und was macht denn der Staat mit den Zivildienern? Er verschafft sozialen Organisationen billige, unqualifizierte Zwangsarbeiter und erspart sich so finanzielle Zuwendungen. Da der Staat aber wir alle sind, und wir uns mit diesen Tricks ja letztlich nur selbst anlügen, gehört hier endlich einmal jene Ordnung geschaffen, die die meisten anderen zivilisierten Länder schon haben: Dass auch diese Art von Leistungen qualifiziert erbracht werden muss und daher auch anständig bezahlt sein soll. Kurzum, der Anlass für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht muss in erster Linie die moderne demokratisch-freiheitliche Weltanschauung sein. In den Medien ist aber leider immer nur von Einsparungen und finanziellen Umschichtungen beim Heer die Rede. Auf der Basis solcher Absichten kann man natürlich alles und jedes begründen und widerlegen. Können wir die blöde EMRK dann nicht irgendwie umgehen und trotzdem einen verpflichtenden Sozialdienst einführen? - Nein, die EMRK werden wir nicht so einfach los, auch wenn rein theoretisch mit Zweidrittelmehrheit ein entsprechendes Verfassungsgesetz beschlossen werden könnte. Die EMRK ist politisch ein Fixbestandteil des geeinten Europa, und überdies – ich wiederhole – vernünftig und moralisch ebenso unabdingbar wie unaufweichbar. Die Einführung eines verpflichtenden Sozialdiensts wäre nichts anderes als die (Wieder-)Einführung des allgemeinen Arbeitsdienstes, eine für faschistische Diktaturen der Dreißigerjahre angemessene Einrichtung, die für eine moderne Demokratie hingegen einfach nur eine Schande wäre und demzufolge auch heute in keinem zivilisierten Land mehr existiert. Wenn ich also keine billigen Zwangsarbeiter mehr habe, wie finanziere ich dann die Sozialdienste wie Rotes Kreuz udgl.? - Natürlich so wie früher oder wie in anderen Ländern auch: Indem ich qualifizierten Arbeitskräften einen entsprechenden Lohn zahle. Woher aber dafür das Geld kommen soll? Hier gibt es leider wirklich ein Dilemma: Da die Europäische Kommission der Ansicht ist, der Markt der Sozialdienste wäre ein „freies“ Marktsegment (weil es in manchen Mitgliedsstaaten so ist), sind staatliche Zuschüsse hier nicht erlaubt. Das heißt, die Freigabe dieses Markts ließe die Preise von einem Tag auf den anderen deutlich steigen. Jeder verhinderte Mitbewerber (zB ein Krankentransportdienst) könnte eine Wettbewerbsbenachteiligung per Gerichtsentscheid zu Fall bringen. Das ist aber sicher kein unlösbares Problem, denn bei entsprechendem Druck kann man auf Europäischer Ebene sicher eine Ausnahmeregelung erzielen – Ausnahmeregelungen gibt es ja auch in weit weniger staatswichtigen Bereichen. Und das Krankentransportwesen (als Beispiel) hat eindeutig Versorgungscharakter, mit dem man argumentieren kann. Wenn man es denn tut. Man (die Regierung) müsste halt irgendwo anfangen, und der erste Schritt wäre, mit Ehrlichkeit und Entschlossenheit endlich die unerträgliche, anachronistische Situation beenden, dass der Staat es sich herausnimmt, aus den Reihen der Bürger Zwangsarbeiter zu rekrutieren. Erzwungene Arbeit ist immer Zwangsarbeit, da kann man nichts schönreden. Und auf Zwangsarbeit kann ein demokratischer Staat einfach nicht seine Sozialdienste aufbauen. Dazu passendes Zitat eines Juristen: Der einzige Unterschied zwischen Zivildienst und Sklaverei ist, dass man als Zivildiener nicht sachenrechtliches Eigentum seines Dienstgebers ist.
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