Das erste Turnier! Es lagen zwei Tage zwischen der Zulosung von Pferden und Bewerben, an denen ich mein Firmenimperium im Stich lassen musste, um Gigi, einem Appaloosawallach, der ebenso stichelhaarig ist wie ich selbst, jede Menge Dinge beizubringen. Erstmal hatte es geheißen, das Pferd könne nicht spinnen (von englisch "spin", sich drehen). Scharfsinnig erkannte ich, dass es kein Problem ist, es ihm beizubringen (ein paar Monate Training vorausgesetzt).
Dann gab es das Problem mit den fliegenden Galoppwechseln, die er "nicht kann". In den L-Reinings sind einfache Wechsel aber gestattet, nur dass es da wiederum haperte, da das Pferd stark antizipierte: Es ahnte voraus, dass in der Mitte ein einfacher Galoppwechsel kommen konnte, und drum raste es am besten gleich quer durch die Hallenmitte irgendwie dahin - hoppala, haben wir jetzt überhaupt gewechselt? Dem Pferd natürlich wurscht.
In meinen Anstrengungen, Gigi einen sicheren einfachen Wechsel zu entlocken, stellte ich ihn erst einmal konsequent auf die Mittellinie (also eine gestauchte Acht reiten), bemühte mich, ihm lange nicht zu verraten, in welche Richtung es weitergehen würde, und gab schließlich Hilfen zum Durchparieren (einsitzen, ausatmen). Das funktionierte, wenn ich mich genügend konzentrierte - das Timing ist hier kritisch. Wie gings weiter? Nach einer Viertelstunde machte mir das Pferd beinah perfekte fliegende Wechsel, und zwar auf mein Ausatmen hin! Irgendwie kam ich mir vor wie ein Automechanikerlehrling, der beim Versuch, ein Autoradio einzubauen, versehentlich die Motorleistung hochtunt.
Auf der Reining beim Hausturnier funktionierten die Wechsel gut. Die Spins waren zwar in Zeitlupe, aber sie sahen immerhin wie welche aus. Die kleinen Zirkel waren tatsächlich wie gefordert langsam. Die Rollbacks waren okay - ich war ganz zufrieden. Leider versemmelte ich die Angelegenheit, da ich an einer Stelle dreimal statt zweimal spinnte, weshalb ich null Punkte bekam. Von dem Fehler hatte ich den ganzen Ritt über nichts mitgekriegt. Später erfuhr ich, dass das der absolute Top-Reiningfehler ist, den auch die ganz Großen begehen.
Also, auch wenn ich schon nicht reite wie ein Profi, immerhin begehe ich schon Profifehler, und davon kann man sich auch eine Scheibe Brot abschneiden.
Übrigens: Bei der Pleasure konnte ich Platz 7 mit einem im Galopp ständig hustenden Pferd belegen. Wann gibts endlich einen All-around-Skurrilitätspreis? Mein wäre er!