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Die Shmooven Drei in Kuba (1)Sunday, December 30. 2001
Tagebuch der Kubareise 1996 von matto
Mitarbeit: Oliver Malsch, Dominik Konlechner Vorwort Gar oft wurde ich während des Vortrags der ersten Version dieses Schriftstücks gescholten, ich stelle Dominiks und Olivers Lichter unter diverse obskure Scheffel. Das muß ich allerdings mit entschiedener Kraft von mir weisen. Ganz im Gegenteil, die zwei sind echt shmoove Genossen. Dominik zeichnet sich durch seine Härte im Umgang mit Deutschen, sein Know-where, seine Verbindungen, seine Spendierhosen, seine Visakarte, sein Lächeln, seine Begnadetheit für das Schöne, seine Toleranz gegenüber Akzeptanzschwellen sowie durch seine Aura, die weithin strahlt und niemanden kaltläßt, aus. Auch Oliver kann seine Vorzüge herzeigen. Ich sage nur: Ideenreichtum, sinnliche Rituale, besonders beim An- und Ausziehen in Gegenwart Suzets, messerscharfes Kombinieren, prompte und zuverlässige Zurverfügungstellung von D-Mark, flott-moderne Tänze, Sinn fürs Wesentliche, Erkennen von Obszönem, wenn er es sieht, Beschäftigung mit der latenten Krise des Parlamentarismus in Italien, Soziale Intelligenz, Menschenfreundschaft, die festgefahrene Schemata überdenken läßt. Kurz: Oliver und Dominik sind urshmoove Wahnsinnstypen, die vor Vorzügen nur so ratattern! Dafür bürge ich mit ihren Namen. matto 2.8. Wien 18.00: Treffen der Drei Musketiere bei Oliver Die Vouchers (Oliver: Was? Wautschers?) vom Hotel Capri sind noch immer nicht da. Dominik ist grantig, und Oliver ist still. Ich bin gut aufgelegt und verarsche Dominik. Der packt's nicht mehr, als ich ihm eine Corn Flakes-Packung vor die Nase stelle. Was soll das? - Da steht drauf: Gute Laune kann man essen. Und richtig. Dominik will aber keine gute Laune essen. 21.30: Der Zug fährt an. Oliver hat angekündigt, daß er nicht schlafen können wird. Beim Einsteigen standen bei jedem Waggoneinstieg Wärterinnen. Dominik: Komm, zeig doch dem netten BDM-Mädel die Reservierungskarte! - Hihrmpf! Dann stiegen wir, Schneewittchen und die sieben Zwerge, in den Großraumwaggon ein. Die Sitze heißen dort Sleeperette. Das Personal ist entgegen Dominiks Mutmaßung nicht aus Deutschland, sondern aus der Schweiz. Die Durchsage des Zugswärters war dementsprechend: In den Waggons mit den Sliepretts ist aus Sicherheitsgründen das Rauchen strikte verboten. Bald wird ein Erfrischungswagen zirkulieren. Mérci. - Huch, es zirkuliert schon so! Auf das Mérci eines Hüters des Zirkulationswagens erwiderte einer: De rien. Oliver schlief wirklich wenig, und ich ebenso, obwohl mehr. Dominik hörte mit meinem Walkman, nicht ohne dabei zu schnarchen. Der Walkman ist übrigens auch schon im Arsch. Ich versuch mich nicht zu ärgern. Aufblasbare Nackenstützen um 73S wollten wir nicht. Wir wetteten, wann wir am Urlaubsort sein würden. Ich: In 42 Stunden. Dominik: 39. Oliver: 41. Wer näher drankommt. Die einzig hübsche von den Nachtschwestern versah ihren Dienst klassisch dem Schicksal folgend natürlich nicht bei uns, sondern bei die Obern (im Schlafwagenwaggong - Heißt doch so, gell, Oliver?). Uns waren bloß eine kleine dicke (schlimm) Schweizerin und ein Huch-bin-ich-schön-Dressman (schlimmer) vergönnt. 3.8. Frankfurt Wir wachten auf, taten umadum, sahen aus dem Fenster. Dominik: Da schau, eine B-17, die bombardiert jetzt die Stadt. Schau, die Oder! Und wenn sie dann sagen, die Oder ist doch in Ostdeutschland, dann mußt du antworten: Das schaut hier ja eh aus wie in der Zone, und dann sind sie angfressen! Hihihi! - Wir hätten gleich das Schiff nehmen können, jetzt gibt's ja eh den Rhein-Main- Donau-Kanal ... den Donau-Oder-Kanal. Hm. Gemein, oder? Beim Aussteigen nahmen meine beiden lieben Freunde Stan und Oli einen anderen Ausgang. Ich stand mit nur zwei anderen auf dem Bahnsteig. Ein verwirrter Schweizer Schaffner lugte aus dem Zug. Ich: Das ist doch Frankfurt Hauptbahnhof? Er: Warum s teigen Sie denn hier aus? Ich: Warum denn nicht? Er: Das Perron ist auf der anderen Seite. Jawohl, DAS richtige Perron war auf der anderen Seite. Und dort waren auch die anderen. In diesem Bahnhof steht nirgends Frankfurt, Hauptbahnhof. Nur Bitburger. Und AEG - Innovative Technik, wobei das G kaputt ist und nicht leuchtet. Gepäck in die Kistn, und zum Deutsche Bahn-Schalter. Dominik: Wir müssen um 14.00 am Flughafen sein. Was kostet das, wie lang fährt man da, und wann geht der Zug!? - Frau Bruns (Karte) war hilfsbereit. Dominik wurde ob des Gestapoverhörtons gescholten. In der Stadt (um 6.30) war alles leer, und wir bemerkten anhand einiger Aufschriften (z.B. Dr. Müller's Erotik-Paradies), woher Max Goldt immer Motive für seine Fotos im Titanic nimmt. Das wird übrigens in Frankfurt gemacht. Bis 12 Uhr beschlossen die Daltons, zu stänkern, dann sollte die Stadt gelobt werden. Wir fanden vier Deutsche Bank-Hochhäuser. Ein fünftes wurde offenbar gerade gebaut.: Höhe heute: 259m - Geplante Bauhöhe: 258m war angeschrieben. Nach langem Gehatsche und Gemaule von Oliver sowie unter Gejammer von Dominik, der eine von einer Lampe maltraitierte Zehe hat, fanden wir das Café Laumer in irgendeiner Landstraße. Wir saßen dort erst einmal zwei Stunden. Dominik und Oliver entspannen einen Diskurs über Gott, Kirche, Religion, und die Deutschen ringsum waren offenbar verwundert. Dominiks Zynismus gegenüber diesen sowie ihrem Land ist auch hervorhebenswert. Ich hebe ihn also hervor. Bald schleppte uns Dominik Richtung Städler-Museum. Das ging durch einen Rummel, über eine Brücke, durch einen Flohmarkt und endete in einem Museum (nicht dem angepeilten, sondern dem Museum für Kunsthandwerk. Interessante Architektur, findet Dominik eigentlich.). Da saßen wir im Hof und schließlich im Café. Klägliches Scheitern von Dominiks Kulturprogramm, meint Oliver. Später gingen wir essen. Eine Tschechin servierte uns in der ältesten Brauerei der Welt Sachen und Dinge. Teuer. Die haben als älteste Brauerei halt auch schon am längsten die Inflation, schloß ich. Huch: Zum Flughafen. Die Schnellbahn ist wirklich schnell, da gibt's nix. So gebummelt wie mit der S45 wird da nicht. Niederrad, Sportfeld, Flughafen. Nach 20 Minuten die richtige Halle gefunden, ganz hinten angestellt. Die Kofferdurchleuchtung findet sinnvollerweise vor dem Eincheckschalter statt. Eine halbe Stunde später erfuhren die Zwölf Apostel am Schalter von einem netten Frollein: Wissen Sie schon das mit der Cubana? - Nein ...?! - Die Maschine ist defekt und geht morgen. Der Veranstalter zahlt Ihnen aber eine Nacht im Hotel Sheraton. Wir gaben die Koffer auf, um uns nicht wieder anstellen zu müssen. Ich will Blick aufs Meer im Sheraton. Und dort sitze ich jetzt, und blickte ich, blickte ich gegen eine Wand. Wir telefonierten noch ein bißchen. Die Telefonistin spielte Minesweeper, und Dominik lugte neugierig auf den Bildschirm: Ich spiel auch immer Minesweeper beim Arbeiten., verwirrte er sie. Die zweite Telefonistin: Das ist nicht Sheraton-Arbeitsmoral! Dominik findet: Was die Begriffe Sheraton, Arbeit und Moral überhaupt verbindet, ist mir rätselhaft.. Kaum waren die Glorreichen Sieben in den gläsernen Telefonkabinen, mußten sie natürlich auch schon Fußballkommentatoren nachmachen. Mit Blick auf die Autobahn. Abendunterhaltung in Frankfurt: Ein köstliches Sheraton-Menü, wobei einem die Wahl schwerfiel, ob das Publikum (Vokuhila/Rotzbremse) oder das Essen (Dr. Oetkers Jägersauce ... pardong, -sosse) das Schlimme daran war. O-Ton am Buffet: Ist die Soße mit Flaësch, Ute? (deutet auf das Zürcher Geschnetzelte) Ute kontert innovativ: Ja, schon, aber die kannste ja rausmachen! - Vegetarier in den Neunzigern. Weiter mit Teil 2. Dieser Artikel stammt aus dem Streßnetz und wurde automatisch importiert. Die Shmooven Drei in Kuba (2)Sunday, December 30. 2001
4.8.
Jetzt warten wir erst einmal bis 12 Uhr: Treffpunkt. Gut, dann war es aber anders. Meine Kumpanen, genannt Die Zwei, beschlossen eine hurtige Flucht vor der Auscheckmafia, die womöglich noch gewisse zusätzliche Gebühren einheben würde. Und so hasteten wir durch die Zollabfertigung für EU-Bürger - endlich nicht mehr der Proloschalter, sondern der Privilegierteneingang (Kaiser, Könige, EU-Bürger und anderes Gesockse). Vor dem Flug nach Havanna (Kassierin im Duty-Free: Sie können hier nicht einkaufen, Sie fliegen ja nach Hannover!) kauften wir noch eine Flasche Havanna zum Riechen. Das riecht aber ganz anders, deshalb schenken wir es Suzet, was wir total doppelbödig finden. In der letzten Durchleuchtungsbarriere suchte man erst einmal in meinem alten, armen, gebrechlichen Olivetti Quaderno Sprengstoff. Ebenjener Beamte interessierte sich auch für Dominiks Zehennagelschere. Tja, andere Länder, andere Sitten. Gottseidank mußte Dominik nicht ihren Gebrauch vorführen. Abflug um 15.00. Das Flugzeug war eine DC 10 der französischen AOM (Französische Registrierung: F-GHOI. A jiddische Maschine? Wer weiß es.), jedoch befand sich ebenfalls der Schriftzug Cubana auf dem blütenweißen zigarrenförmigen Rumpf, der noch regungslos gleich einem schlafenden Cherubim über der heiß flimmernden Asphaltpiste zu schweben schien. Im Flugzeug mußten die Siebzehn und vier mit entsetzlichem Entsetzen feststellen, daß es keine Sitze G und I gab. Offensichtlich hatte der grausame Buchstabengenozid hier sein schändliches Handwerk ebenso wie andernorts getrieben, und die letzten Vertreter der einstmals stolzen Buchstabenfamilie G und I ins Reich der Mythen und Legenden verbannt. Mit gesenktem Haupt und dem eisernen Bekenntnis Niemals vergessen! auf den Lippen betraten wir den Ort des Schreckens. Bald wurde Dominik mit munteren Erfrischungsangebotsrufen aus dem hart erarbeiteten Traum des Gerechten geschmissen. Oder besser: Es wurden uns mit diesen munteren Zurufen die trüben Gedanken vertrieben. Bei kubanischem Bier und einem Mittachessen um vier am Nachmittag zwischen Paris und der Bretagne fühlten wir uns wie Gott in einem Flugzeug über Frankreich (also ziemlich fehl am Platz). Als dramatischen Dreinklang setzte man uns, die wir gefesselt und gepfercht auf unseren Plätzen litten, dann noch das kinematografische Opus des Professor Holland vor, welches wahrlich keine Ohrenfreude ist. Augenschmaus ist es auch keiner. Nicht einmal ein Leberschmarrn. Ein Schmarrn aber durchaus. Noch zum Essen: Zwei Scheiben Rindfleisch mit Erbsen, aus. In Santiago landeten Ali Baba und die vierzig Räuber zwischen. Tatsächlich nach bloß 9.15 Stunden Flugzeit. Man erfrischte sich, wobei die Deutschen unwahrscheinlich gelangweilt herumhingen. Wir hingegen waren agil und springlebendig. Dessen bewußt, blieben wir an einem netten Tischchen sitzen und tranken ein Bier, wobei wir noch nicht ahnen konnten, daß wir in nur 17 Minuten bereits ein schönes und bis dato noch nie dagewesenes Che Guevara-Leiberl im Flughafengeschäft gewahren würden. (Vorsicht, es folgt ein Schimpfwortexzess!) In Havanna durften wir zur Abwechslung mit einem Bus zum Gebäude des Flughafens José Martí fahren. Hei, war das eine Freude. Diese wurde allerdings auf das menschenverachtendste wie auf das jähste zerschmettert, als die Oberen Zehntausend urplötzlich, überfallsartig zwei Stunden und 25 Minuten in der Schlange vor der Paßkontrollfutsau warten mußten. Diese Oaschnutte brauchte zum Stempeln der Touristentarchete pro Kopf bis zu 20 Minuten, weil diese urunshmoove Hinterfotze bzw. Hinternfotze zwischen den ohnehin schon lähmend bis quälend langsamen Handgriffen noch die eine oder andere Zigarette rauchen mußte, den einen oder anderen Kaffee trinken mußte oder das eine oder andere Schwätzchen halten mußte. Manchmal schrie diese Drecksnettel Sachen wie Maríiiiiia!, die sie sodann lau im Raum stehen ließ. Hin und wieder blickte diese fucking cunt aber auch nur argwöhnisch ins Leere. Später mußten wir noch das Handgepäck durchleuchten lassen (warum, warum, warum nur?!!), die Koffer, die fröhlich verstreut in einem bizarren Raum herumstanden, identifizieren und mitnehmen, dann noch einen ausgesprochen dämlichen Amtskappler verwirren, der von uns einen nonexistenten Kofferbesitzidentifikations-bescheinigungspaßnachweis o.ä. verlangte, bevor wir unsere Yamina von Action Sport begrüßen durften, die uns gleich einmal vorjammerte, wie lang sie bereits wartete. Die war aber nett, und außerdem total rot, hoffentlich auch innendrin im Herzen. Außen war sie jedenfalls, abgesehen von dem roten Kleid, eine unsympathisch gut deutschsprechende Mulattin mit einem Oberschenkelumfang zwischen Trivfon Ivanov und Carsten Jancker. Weiter mit Teil 3. Dieser Artikel stammt aus dem Streßnetz und wurde automatisch importiert. Die Shmooven Drei in Kuba (3)Sunday, December 30. 2001
5.8.
Und, als wären wir durch die Magie der Bücherfee ins selbige Dreh- von Guantanamera gezogen worden, bretterten wir fünf Stunden über die Autobahn, nicht ohne dabei dreimal an verruchten, um nicht zu sagen, grotesken Orten Halt zu machen. Nach dutzenden Oldtimern, hunderten Kilometern, tausenden Radfahrern und sicher über hundert Fantastilliarden Schlaglöchern, man könnte sogar sagen, Schlagschluchten, erreichten die Gebrüder Grimm, natürlich nicht ohne die obligate Pferdeherde zuvor von der Straße zu hupen, das feudale Klubhotel Ancón. Wie im Flug waren die 57 1/2 Stunden der Anreise vergangen (Ich habe die Wette gewonnen!), und beim vormittäglichen Warten auf das Zusatzbett geriet diese auch schon allmählich in Vergessenheit. Darum haben wir jetzt auch scharf nachdenken müssen beim Revuepassierenlassen der passierenden Revue. Wiederholt marschierten wir bei der Tauchbasis auf, doch es war niemand zu finden. Was nur tun mit den vielen blauen Vouchers (Oliver: Wauzers)? Dann hieben wir uns an die Bar. Viele Hahnenschwänze sind inklusive: Mojito, Cuba Libre, Ron Collins, Ron Punch, Mar Caribe, Piña Colada und Ancón Special. Trinkbar sind Mojito und Ron Collins. Der Rest aber wahrscheinlich auch. Dominik lernt bereitwillig Spanisch: Un otro, sagt man? - Nur otro! - Nur otro? Das klingt ja deppert! Kann man auch Un Mojito más sagen? Oliver hingegen hat noch Angstschwellen zu überwinden, wenn es um por favor geht. Außerdem Akzeptanzschwellen, wenn es ums Saufen im allgemeinen geht. Oliver: Gehen wir jetzt bitte an den Strand? Dominik: Wieso? Es ist doch schön hier an der Bar! Was willst du am Strand? - Wenn ich wo auf Urlaub bin, wo es einen Strand gibt, dann sitz ich doch nicht den ganzen Abend in der Hotelhalle herum! - Dann geh doch an den Strand; ich bestell mir jetzt noch einen Mojito. Ich will mich ansaufen. - Ja, super, Dominik, dann kauf dir gleich eine Flasche Rum und sauf sie auf ex! - Neiiin, du verstehst das nicht.!! (u.s.w.) Unser Speisesaal hat Fenster, die so komisch in Scheiben geschnitten sind. Diese Scheiben gehen auf, alle parallelgeschaltet, und lassen durch ca. 5cm breite horizontale, übereinander angeordnete Schlitze Luft eindringen. Außerdem gibt es an jedem Eck eine Bar. Selbstbedienen kann man sich am Mango-, Maracuja- u.s.w. -saft. Hin und wieder gibt es Palatschinken (Dominik: Pfannkuchen), geschnetzelte Wurst, Schwammerlsauce mit Haaren (an den Speckschwarten) sowie alles, was man aus Eiern, Mehl, Zucker, Rum, Hühnern, Erdäpfeln, Bananen und Nudeln bereiten kann. So zum Beispiel gebackene Bananenstücke oder Hühnersuppe mit Hörnchen. Das Essen ist aber besser als in Mayanabo. Gegen halb zehn abends war Dominik dann müde, und so zeigten Oliver und ich ihm den Weg in unser Zimmer, und als wir bald vom Balkon herunter ein mächtiges Schnarchen vernahmen, gesellten wir uns zum (besser: hinters) Schippel frischangekommener Italiener, die mutig in der ersten Reihe vor der Showbühne Platz genommen hatten. Sie mußten herhalten für üble Späße à la Wie begrüßen sich die Italiener? (nämlich umarm-popoklatsch-taschlziag) und Die-menschlichen-Boxringecken-werden-gehauen. Die Kubaner begrüßen sich laut Showprogramm übrigens wie Oliver und ich den Dominik: Sie schlagen einander beim Reden mit Zeitungspapierrollen ins Gesicht. Wir machen das mit Polstern. 6.8. Träumerischer Genuß eines Frühstücks. Dann zur Tauchbasis lugen: Ja, so ist das Leben; man auskunftet Das Boot ist gerade gefahren. Zur schönsten Stelle hier, nach Cayo Blanco. Oliver traurig, Dominik verdrossen, ich finde das aber normal. Dominik: When is the next dive? - at 12:30. - 12:30? - Yes, 11:30. - 11:30? - Yes, 12:30. etc. Bis zum Tauchen lagen wir ein bißchen herum und sahen CNN. Oliver bemerkte, daß Bob Dole wohl zu alt sei für das US-Präsidentenamt. Dominik: Das ist ein falsches Argument. Das darf nicht zählen. - Es ist ja auch nur Argument Nr. 100, es ist nicht wichtig, aber es ist ein Argument. - Nein! - Der Disput dauerte 1 1/2 Stunden. Später gingen wir tauchen (um 11.20). Tauchen ist wie Bergsteigen, nur umgekehrt und anders. Man wird leider ganz naß dabei. Nach dem Tauchgang gingen wir habern, und anschließend fuhren wir sofort wieder mit dem Boot raus. Der Urstreß. Dafür saßen die 220 Volt nach dem Abendessen seeehr lang an der Bar. Oliver versteht den Genuß dabei nicht so ganz, oder es ist ihm seeehr lang zu lang. Jedenfalls verschwand er (Ich geh voraus an den Strand) und kam dann nach einer halben Stunde vergeblichen Wartens zurück zur Bar, wo wir gerade philosophierten. Ich bettelte den Barmann um kubanisches Bier an, denn sonst gibt's nur Bavaria aus Holland (!). Will er eine Zigarette? - No, tabaco no. ... tabaco no, cigarillo no, ron no, cocteles no. - Y mujeres - ¿no? - Mujeres sí, muuchas! Ziemlich frech von mir, meinte Dominik dann. Auf der Showbühne tanzten theoretisch fesche Mädchen in diesen unvermeidlichen Leggins. Eine Französin aus dem Publikum stellte einer der vielen kleinen Krabben nach, die überall herumlaufen. Dominik fing sie, und ich überreichte sie ihr in einem Mojitobecher. Zum erstenmal einer Frau ein Glas Krabbe dargereicht. Alsdann pendelten wir zwischen Showprogramm und Disko herum, wobei auf dem Showgelände Abba gespielt wurde, und in der Disko auch nichts wesentlich Besseres, nur war fast keiner dort. Ins Bett, beschlossen wir, und Oliver fror noch schnell per Klimaanlage Dominik ein (Dominik vorher über Langusten: Beim Einfrieren platzen die Zellwände). In der Nacht schüttete es. 7.8. Das Gerücht hing über dem einladend ausladenden Gelände unseres Hotels, man würde einen Bootsausflug zum Tauchen in Cayo Blanco veranstalten. EIn Gerücht blieb das aber, nachdem es schließlich die gesamte Nacht geschüttet hatte. Ich beschloß, wegen Kopfwehs nicht tauchen zu fahren, und so ließ ich Dominik und Oliver eine Gelegenheit, einander näher kennenzulernen ohne mich Spaltpilz dazwischen. Während also die beiden statt zwei Tauchgängen auf dem Boot nur einen machten, wobei Oliver unter Beweis stellte, daß er ohne Sauerstoffflasche auch auf 5, 10, 15m kommt, versuchte ich vergeblich, im Hotel irgendeine Art von Zeitung zu bekommen. Dafür beschaffte ich aber Ansichtskarten. Fürs erste schrieb ich elf. Als ich um zwei Uhr im Speisesaal auf meine Genossen wartete, taten die drei Musikanten (Los Villa) das, wonach Dominik sich schon unbotmäßig viele Finger abgeschleckt hatte: Sie spielten Hasta Siempre. Schließlich kamen auch Asterix und Obelix, und frustriert ob der Versäumnis bestellte Dominik in tadellosem Spanisch das Lied nocheinmal: Hasta siempre, por favor. Dann wurde die Kassette gekauft. Nice photo. - Yes, Kodak Photo. Ein Kubaner hatte versucht, aus geschäftlichen Gründen sich mit mir zu verfreunden. Wie ich denn hieße, fragte er. - Wal-ter. - Miguel. Nun war ich wirklich verblüfft, denn daß alle Kubaner statt Walter Miguel verstehen, konnte es doch nicht wirklich geben. Aber dann verstand ich: - DU heißt Miguel. - Ja. Er bot mir Disko, Langusten und Frauen an. Häst ihm gsagt, er is a Orsch! meinte Dominik später dazu. Dieser sitzt jetzt auf dem Bett neben mir und gibt Dinge von sich wie: Quiero churros tontos. oder Quiero un baño blanco. Wie soll man sich da konzentrieren? Am späteren Nachmittag rief Miguel noch an, um lästig zu sein. Wir wimmelten ihn (Ihr geht aber nicht nach Trinidad ohne mich, oder?) ab. Dann fuhren wir nach dem Essen mit dem Taxi nach ... Trinidad. Fies. Und ohne jeglichen Inbegriff, eine Frau zu erwerben. Dominik: Wer net jetzt taucht, der taucht übern Sommer. Oliver: Statt dem Lichtschwert hab ich den Lichtpolster. Wumm. Weiter mit Teil 4. Dieser Artikel stammt aus dem Streßnetz und wurde automatisch importiert. Die Shmooven Drei in Kuba (4)Sunday, December 30. 2001
Mim Taxi ginx nach Trinidad. Der Taxler wich den geilen Krabbenmonstern auf der Straße shmoovst aus. Oliver stellte ständig Vergleiche zwischen irgendwas und Kuba an, die er mit schlimmen Geräuschen untermalte. Der Taxler wird sich jetzt denken, Deutsch sei eine irre Sprache, ähnlich wie Klingonisch.
In Trinidad ist es, sobald die Sonne weg ist, finster. Bah, werden Sie jetzt sagen, no na. Aber obwohl man nicht einmal sagen kann, es gäbe keine Straßenbeleuchtung, ist es einfach überall finster. Alle Wohnzimmer sind vollgeräumt mit Möbeln und auf die Straße hin offen. Man sieht einen Fernseher und Leute. Diese Wohnzimmer sehen eigentlich aus wie Bars. Schlimm, wenn man eine Bar sucht. Wir fanden eine und tranken Mojitos und Daiquirís aus Glasgläsern (oh!). Sehr gute Daiquirís. Dann schüttete es. ¿Más dónde están los churros tontos? fragt Dominik. Schön restaurierte Häuser, fast in allen weniger schön restaurierten Häusern (Eingängen) steht einer und sieht fern. Hin- und hergerissen zwischen Bewunderung der tatsächlich bemerkenswert hübschen Kolonialhäuser und der auch nicht gerade häßlichen Siemafuffzger Chevies und Konsorten fanden wir dennoch zielstrebig unseren Weg in die erstbeste Bar. Konfus, aber authentisch, der Absatz - um nicht zu sagen, genuin. (Allerdings nicht in dieser Version.) Auf der Rückfahrt prahlte der Taxist mit seinen Modern Talking-Kassetten ... mit seiner Modern Talking-Kassette, die er jedoch selbstkritisch, wie die Kubaner nun einmal sind, als doch eher alt stigmatisierte. Auf Dominiks Unterhose sind Kühe, Hühner und Eier. Auf meiner sind auch Pipihendis, fügt er schnell hinzu. Entspannung, Ruhe, Insichgehen, die Seele baumeln lassen, plant Dominik für den nächsten Tag, denn heute war der 8.8. Schon in der Früh erhoben sich die Top Ten geschmeidig aus ihren Betten. Fünf vor acht, leicht gemacht. Das Frühstück war barbarisch, aber kein Wunder, wenn man in einem Hotel wohnt, das ein Anagramm von Conan ist (Ancón). Dann sprangen wir aufs Boot, jeder mit zwei Flaschen voll Sauerstoff, wobei einzuschränken ist, daß meine Zweitflasche natürlich leer war, zumal der Typ hinter der Budel in der Basis nicht der Hellste ist. Dumm ist der, der, der sie nimmt sagt Dominik, wobei ihm wie immer die Zunge triefend aus dem Mund hängt, weil er wieder versucht, auf diese Weise Fliegen zu fangen. Das Tauchen war heute laut ihm superguay. Besonders ultraguay war das Tauchen durch einen ganz tollen Kanal, der ganz toll war, wobei man ganz toll hat aufpassen müssen, daß man da nicht wo ganz toll dagegenknallt, weil der ganz toll eng war. Bei der Rückkehr an den Strand ritt ein Typ auf einem Ochsen herum. Er hatte eine Kapitänsmütze auf - vielleicht eine Polizeistreife. Nach dem tragikulinarischen Mittagessen warf man sich in die Heia, wo man vier Stunden im Standby-Modus verweilte. Auch beim Abendessen schauten wir kurz noch vorbei, da wir, so jäh aus dem Schlaf gefallen, Kaffee brauchten. Komisch: überall waren lebende Hühner angebunden. (Immerhin besser als tote.) Vor der Tür des Speisesaals gab es ein Gatter, wo wider Erwarten keine Kinder eingesperrt waren, sondern Truthähne, Hendln, Ziegen, Pfauen und so. Wir hatten uns fein herausgeputzt, denn wir gingen Gelsen locken, indem wir in einem 100m vom Hotel entfernten Restaurant Langusten aßen. Im Lauf der Mahlzeit stritten Dominik und Oliver noch darüber, was der Unterschied zwischen einer Languste und einem Salatblatt wäre. Dominik meinte, im Prinzip seien sie gleich. Am Strand wanderten wir zurück und fielen dem Schlaf anheim. Zuvor meinte Oliver allerdings noch, ein Rasenmäher wäre ein Gras-KZ. 9.8. Frühstück. Cubanacán-Inspektoren wieseln herum, und um irgendwie Eindruck zu machen, werden wir nur schubweise in den Speisesaal gelassen. Tauchen. Es gibt Wracks: Ein Fischerboot und einen Frachter aus Stahlbeton. Der berühmte Christbaumfrachter, der zu Weihnachten 1970 vor Ancón gesunken ist, ist jedoch nicht zu sehen. Dominik schwärmt von Schachtelfischen. Wem's gfallt ... Am Abend buchen wir einen Rundflug über Trinidad im Sandwich für Montag. Des weiteren beschließen wir, ein Auto zu mieten. Später sitzen wir noch am Strand und trinken einen Mojito. Dann wird Krebsen nachgestellt. Oliver fängt einen Einsiedlerkrebs, baut ihm ein Terrarium und läßt ihn an Dominik hinaufkrabbeln. Dieser lamentiert prompt, denn da Dominik nicht so behaart ist, muß sich der Krebs in der Haut festzwicken. Im Fernsehen läuft Speed. Dominik: Da könnt ma einen Film gleich Spannend nennen!, und wenig später ratzt er davon. Ich hingegen geselle mich zum Cabaretprogramm, die Darbietung allerdings beschert mir keine Sinnesfreuden: Darstellung verschiedener Arten von Türen mittels vierer Leute usw. 10.8. Früh aufstehen, lang trödeln, zum Tauchen hasten. Und wieder machten wir zwei Tauchgänge. Zum Mittagessen gab's Erdäpfelgulasch oder Dr. Oetker-Sauce mit nicht gerade aldenten Bandnudeln. Ein Schlag ins Gesicht der Italiener. Die Nachspeisenkuchen erinnern an die Barbapapas: Tag für Tag gleich, sehen aber immer anders aus. Nach einer Vierstundensiesta gingen wir abendessen und danach saufen. Wir kamen mit dem Barmann bei der Showbühne ins Gespräch, dann mit Jaime, dem Beleuchter, der auf der Kulisse, dem Castillo, seine Licht- und Tonmaschinerie bedient, und schließlich mit Gregorio, dem theatralischen Chef der Show. Jaime: Soy el rey del castillo. Er arbeitet schon seit zwanzig Jahren als Ton- und Lichttechniker. Er meint, jeder Kubaner kann ausreisen, aber fast keiner hat das Geld dafür. 11.8. Heute mieteten Wickie und die starken Männer ein Auto. Ursprünglich war die Übernahme für zehn Uhr geplant gewesen, dann wurde es aber zwölf, da der Vermieter zwischendurch kurz einmal nach Casilda (fünf Kilometer entfernt) fahren mußte. Nachdem wirklich alles, und wenn ich sage, alles, dann meine ich mehr als alles, oder man knüpfe mich bei lebendigem Leibe am Christbaum auf, aber alle werden wissen: Ich sterbe, aber die Geschichte wird mich freisprechen. (La historia me absolverá.) ... ähm, gut. Erst ging es nach Topes de Collantes (das heißt, in die Berge). Dort oben gibt es ein unglaublich stalinistoides Sanatorium. Dominik meint gar, es könne auch in Minsk stehen: minskesk, swerdlovesk, kiefesk, gorkesk, grotesk Den alten Mann ließen wir dort aussteigen. Den hatten wir übrigens vorher im Tal aufgegabelt. Man nimmt Anhalter mit. So zum Beispiel nach dem Mittagessen eine vierköpfige Familie, von der anfangs nur der Vater zu sehen war. Aber neben Oliver auf der Rückbank war noch ein Platz frei, und im Schlichten sind die Kubaner Meister. Beim Sklaventurm fielen gut eine Fantastillion Kinder über uns her. Alle wollten unser Bestes: Seife, Kaugummi, Geld. Und - warum nur, warum? - die leeren Halbliterwasserflaschen aus Plastik. Ein Bub: Darf ich die Flasche haben? Ich: Ich will sie vorher noch austrinken! Er: Gibst du sie mir dann? - Ja, dann schon. - Ich bin José Luis, merkst du dir das? Und als wir vom Turm zurückkamen, wartete José Luis auch schon. Oben sah man herrlich über die Gegend, aber das gebe ich hier nicht wieder, nämlich dieses unglaublich satte Grün und die schnieke-shmooven Häuschen, die so putzig sind, daß man sich nur fragt: WIE?! Weiter mit Teil 5. Dieser Artikel stammt aus dem Streßnetz und wurde automatisch importiert. Die Shmooven Drei in Kuba (5)Sunday, December 30. 2001
In Trinidad fuhren wir, geleitet von Alejandro auf seinem Fahrrad, zur Plaza Mayor. Dominik wollte zuvor noch ins Kino (!) gehen, aber sowas sind wir von ihm ja schon gewohnt. Später gingen wir ins Revolutionsmuseum (irgendwarum heißt das Museo de la lucha contra bandidos). Alejandro, immer auf einen Dollar aus, führte uns. Ich: Wie heißt das Schiff da im Hof? - Alejandro: Granma. - Ich, empört: Das ist doch nicht die Granma, die ist ja in Havanna! - Alejandro: Ich weiß nicht. - Dominik: Er is ein Orsch, wenn er uns lauter Scheiß erzählt! Später (nicht allzuviel später, da das Museum zu achtzehn Neunzehnteln geschlossen war (Domingo, und kassiert haben sie trotzdem) führten wir den Herrn noch zum Hotel und schenkten ihm ein Leiberl. Als er dann noch einen Dollar wollte, hielt ich dagegen: Das reicht jetzt.
Dominik mag ja noch so ein unbeholfener Dolm sein, was das Fliegenfangen mit der Zunge anbelangt (die Moskitos schafft er schon gar nicht, nur die Mojitos), bei Zigarren kennt er sich aber aus. Ich sitz an der Bar, da kommt er angetanzt mit einer Fünferpackung Montecristo Nummer vier. Augenroll, gaumenklingel. Die kosten nur 75 Cents mehr als die Markenlosen! Doch huch: 1. kein Siegel von Cubatabaco, 2. Packung beschädigt, 3. schlecht verarbeitet, 4. zu dick, 5. zu hell, 6. beim Abbeißen hat man das halbe Deckblatt im Mund, 7. kein Geruch, 8. kein Geschmack. Das war uns dann doch zuviel, und als erstes konsultierten wir unseren Freund vom Vortag, den Barmann. Der: Ich kenne mich mit Zigarren nicht aus, aber ... wo habt ihr die gekauft? Im Caracol-Geschäft? Das ist unmöglich, daß die gefälscht sind! Die werden vom Staat kontrolliert! Dominik dann: Jetzt gehma trotzdem hin und fäun sie halt an. Was heißt das, diese Zigarren sind falsch? - Geh vielleicht ein bißchen diplomatisch vor! - Na gut, dann sag ich ihr halt, diese Zigarren sind nicht echt. - Estos tabacos no son verdaderos. Und so ging es dann auch: Dominik stürzte mit mir ins Geschäft, brachte sein Estos tabacos no-son verdad-eros an, die Verkäuferin nahm es zur Kenntnis (auch nicht die Unschwulst, äh, die Unschuld in Person), hörte sich eine Weile eine Auswahl unserer Argumente Nr. 1-8 an, legte schließlich das Geld hin. Dann Dominik: Sag ihr, daß es uns darum nicht geht. Später verglich sie noch die Golden Smart-Verschnitt-Montecristos mit echten (aus einer Kiste mit Siegel), dann meinte sie: Se ve la diferencia (man sieht den Unterschied) und freute sich, daß wir nicht an Ort und Stelle eine Revolution anrührten, sondern uns die üblichen Tabacos de Cuba um 10 Dollar kauften und ihr auch noch die 75 Cent Trinkgeld ließen. I bin a Mensch, du bist a Mensch, do host hundert Schläi, wie Dominik immer sagt, wenn er nicht gerade sagt: Kopf hoch, das wird schon wieder! oder Ayayayayayay, Puerto Rico. Es gibt keinen Klubtanz da. Ich find das eigentlich einen irrsinnigen Vorteil. Worte des Dominik. Obwohl wir mittlerweile wußten, daß es einen riesigen Bahöö bedeutet, mit dem Auto nach Trinidad zu fahren, taten wir es am Abend schon wieder. Unser Ziel war die Cueva-Disko, aber das Schicksal schiß auf uns. Sie hat am Sonntag zu. Bald verfuhren wir uns, und irgendwann kamen wir zur Disko Las Ruinas. Dort gibt es riesige Räume ohne Dach, was man aber nicht merkt, weil es trotzdem pferdeheiß ist. Natürlich hatten wir auch sofort zwei Anhängsel, die wir mitnehmen mußten, und auch Bier kauften wir ihnen. Sie war 23, hatte eine Haut wie der schwarz gestrichene Zaun eines Jasmingärtchens, und er hatte eine Haut wie ein Stück frisch asfaltierter Südautobahn. Es gab Salsa von einem singenden ehemaligen Arzt, und darum hieß das Konzert el médico consulta. Dr. Kurt Ostbahn, erkannte ich blitzscharf, und Dominik fügte wohlprononciert hinzu: Die Numma ans vom Wienawoid. Während das Mädel mit dem unaussprechlich guten Namen mich in die Kunst des Saucentanzes einzuführen versuchte, was mir aber stressigfiel, rauchten Dominik und Oliver Zigarren und traten betreten auf der Stelle. In Wirklichkeit aber stellten bzw. schauten sie geilen Frauen nach. (Diese Anmerkung wurde erzwungen!) Unsere Begleiter forderten uns wiederholt auf, aktiver zu sein, welchem wir aber nicht Folge leisteten. Doch uh, oh, uh, was war denn das? Der Doktor hörte mit seinem Klapperrattersalsafaschingstanz auf und räumte die Atmosphäre für ultrashmoove Diskoklänge! Von allen Seiten strömten Italiener, Franzosen, Spanier und auch wir (wenn auch nur von einer Seite) auf die Tanzfläche. Oliver hatte seine Oliverkappe auf und zuckte los, wie man es in tausenden Folgen deutscher Fernsehserien nicht gesehen hatte; Dominik trank sein Dominikbier aus, trat auf die Fläche und begann grinsend mit Watschen- sowie Pulp Fiction-Victoryzeichentanz, daß es nur so ratatterte im Kartong. Die angerempelten Leute ringsum brauchten ihn nur kurz anzublicken, und schon waren sie unendlich hingerissen und verzaubert von der Erkenntnis, daß auch ein für kubanische Verhältnisse so unmobil großes Monster wie er zu solchen Bewegungsabfolgen fähig ist. Der Südautobahntyp schaute nur so, und das Jasminmädel bemühte sich, mitzuhalten, aber ihre ebenso veraltete wie komplizierte Salsa-Technik ächzte aus allen Schloten, sodaß sie ein unshmooves Apotelesma produzierte. Damit wir ja nicht das Tauchen versäumten, gingen wir um halb zwei. Der König der nächtlichen Südautobahn wies uns den Weg, dann verlangte er noch einen Dollar nach dem anderen, bekam aber nur einen, verstand das nicht und mußte darüber aufgeklärt werden, daß auch Touristen für ihr Geld arbeiten müssen. Wenn er (16) groß ist, will er vielleicht Tourist werden. Wie auch immer. Dominik: Remember there is only one sun, it's the same sun shining upon all of us. 12.8. Natürlich versäumten wir das 9.00-Tauchboot, da wir um 9.00 erst aufwachten. Tim und Struppi erheischten es aber noch um elf, während ich das Auto zurückgeben mußte. So vertrödelte ich den Mittag mit Sinnesfreuden größter Diversion (i.e. Schweinereien aller Art). (Wie kommt denn das in das Dokument? Wer hat da manipuliert? WIE?? - Der Verfasser) Dominik wollte mit Oliver unter ein Schwammerl gehen, und damit er wenigstens mit ihm Star Wars spielt, zog er ihm mit den Worten Komm, sei shmoov! die Decke weg. Ansonsten ist nicht viel geschehen an diesem Montag. Ihr seids fad, findet Oliver. Wie oft tönte dieser Kampfspruch der ollischen Heere wie Trompetenschall hämmernd durch unser Zimmer! Obwohl sich in seinem Rennstall bereits mehrere Generationen von Spitzenkrebsen abgewechselt hatten und vom Zweitakter-125 Kubik-Krebs bis zum 12-Zylinder-Turbokrebs (mit oben liegendem Nockengehäuse) bereits alle von ihnen eine Testfahrt auf dem klassischen Monte Doko-Rückenkurs absolviert hatten, fanden sich keine Sponsoren für diese menschenverachtende Krebsqual. Wobei: Krebs is super! 13.8. Wurde wohl nix mit dem Flug über Trinidad, den wir geplant hatten. Dafür hauten wir am Abend einen Kubaner bei der Showbühne an, daß er mit uns redete. Eine drastische Diskussion über Sport entbrannte, während welcher Dominik zurecht nicht glauben wollte, daß Thomas Muster nicht mehr Platz zwei der Weltrangliste ist. Vorher war im komischen US-Sender HBO der Film The Net. Dominik und ich hatten aber Hunger und brachen die Rezeption ab (des Films!). Weiter mit Teil 6. 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