Die Tageszeitung Kurier besetzt erfolgreich die Nische zwischen Qualitäts- und Boulevardblatt mit gelegentlicher Schwerpunktsetzung auf Propagandaorgan der Republik Österreich (siehe Volkszählung).
Somit hätte der Kurier eigentlich alles, was von einer normalen Zeitung in diesem Land zu erwarten ist. Bis auf eines.
Ein Lektor ist ein Mensch, der das Blatt vor dem Drucken durchliest und zumindest die Rechtschreibfehler entfernt. Dass der Kurier über einen solchen nicht verfügt, schließe ich zum Beispiel daraus:
Letzte Woche war von einem Tier namens Lux die Rede.
Gestern erst wurde auf der Fernsehseite behauptet, jemand halte sich Kinder als Geißeln.
Nun war ich also überzeugt: Einen Lektor hat der Kurier nicht.
Seit einiger Zeit jedoch gibt es bei der Tageszeitung jemanden, dessen Aufgabe darin besteht, Leerzeichen im Blatt zu verteilen. Und zwar zwischen Wörter, die man nicht einmal nach der übernächsten Rechtschreibreform auseinander schreiben würde. Resultat: Schikanen eingebaut, Lesefluss unterbrochen, Leser verwirrt.
So bin ich mir beispielsweise sicher, dass der Leserbriefschreiber das nicht selbst so geschrieben hat:
Trotzdem wäre es mir zeit- und kräftemäßig unmöglich, neben meinem Beruf noch einen zweiten aus zu üben. Entweder sind Leute wie Gaugg Übermenschen oder sie sind über bezahlt.
Die Leerzeichen lassen das Schriftbild besser aus sehen, weil die Zeilen besser um brechen, zu sätzlich wird der in Tellekt der an getanen Leser her aus gefordert, und außer dem verdient irgend ein er zu sätzlich ein wo möglich an sehnliches Lektorengehalt, der über Schelm!
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