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Schizofrenie für AnfängerSaturday, November 1. 2003
Sebastian, matto
Warum so in Pastellfarben daherschreiben? Ich konnt dich nirgendwo finden! (Heute ist jeder 2. Satz von meinen Mails zu Ignorieren, und der Grund dafür ist mein viel zu früh verstorbener Bruder Roger Augustin, dessen Seele derzeit in mir wohnt. Das kleine Albinohäschen, wie schrecklich.) Nun, daran läßt sich zweierlei ersehen: Erstens, daß es Verschwendung von Ressourcen ist, im Kontakt mit mir auch noch originell sein zu wollen. Immerhin arbeite ich beim Wiener Journal und weiß, daß Originalität eine Eigenschaft jener ist, die keine Volkslieder auswendig und a cappella vorzutragen wissen, außerehelichen Geschlechtsverkehr pflegen - Aber immerhin mit Frauen (, schätz ich jetzt einmal). Ich hab kein Arbeitszimmer mehr! - und im Umweltschutz etwas anderes sehen als den Sabotageversuch wirtschaftsfeindlicher Kräfte. (Dieser Seitenhieb dient mehr meinem eigenen Wohlbefinden. Ich bitte, ihn gar nicht zu bemerken.) Wie meine zweiten Sätze. Sag mal, was für einen Scheck?? Zweitens, daß Du Dir aufgrund chronischer Trunkenheit eine gewisse Bildung hast aneignen können. Diese Anspielung verstehe ich als einen Hinweis auf meine Vergangenheit als Gaukler; diese Karriere hat mich sogar bis an die Atlantikküste geführt, wenn man als eine solche das Ufer des Michigansees bezeichnen kann. Verdammter Lügner, das war ICH! Misch dich da nicht ein, du Torte! Du nennst deinen eigenen Bruder eine Torte? Du ... du Strudel! Ha; wo haast du denn kursiv reden gelernt, mein feiner Bruder, am Michigansee vielleicht? Jawohl, ganz genau dort, nächtelang hab ich dort gesessen und mich von Kaulquappen ernährt, wärend du das ganze Geld unseres alten Herrn durchgebracht hast - in einer einzigen Nacht! Lüge! Und nicht einmal geschämt hast du dich dafür! Roger, hör auf! Weils wahr ist! Diese Sachen sind schon über dreißig Jahre her! Aber ich und der Herr da oben haben das nie vergessen, und das werden wir auch nicht! Wie du meinst. Arschloch. [...] Von Geheimdossiers weiß ich aber nichts, ich bin ja auch nicht Commissario Brunetti. Für Nichtalkoholiker: wer ist nämlicher? Ich habe ihn damals im Flugzeug kennengelernt, auf dem Flug nach Baltimore, wo ich mich mit meiner Mathematiklehrerin treffen wollte, um mit ihr ein neues Zuhause aufzubauen. Um mit dem Ersparten deiner alten Mutter durchzubrennen und uns alle sitzenzulassen, in diesem Dreckloch drunten im Süden, wo ich nicht einmal in eine Schule gehen konnte, nur den ganzen Tag dasitzen und mir Nasenhaare auszupfen. Das sieht dir ähnlich! Mir sieht das ähnlich, sagt er, und dabei wollte er mit Mrs Doppler durchbrennen. Doch nicht die Mathelehrerin! Nicht die? Nein, die andere, die mir den Simplexalgorithmus beigebracht hatte, damals an der Côte d'azur ... War das die junge Dame, der du die Colaflasche an die Nase gedrückt hast? [Vor gut zehn Jahren habe ich in der Obkirchergasse ein Dia gefunden, auf dem die Zeichnung einer Teekanne mit dem reichlich überflüssigen Schriftzug Tee abgebildet war. Ich habe mir in der Folge nichts weiter dabei gedacht, das Dia aber aufgehoben.] Jedoch ist mir neulich beim Joggen aufgefallen, daß auf einem Stromkasten nächst der Reichsbrücke, bei der Schiffsanlegestelle, exakt diese Teekanne mit "Tee" drauf hingesprüht ist. WIE??! Nun, jetzt wirds in der Tat sonderbar. Jedes dieser Ereignisse für sich mag man für belanglos halten, beide gemeinsam ergeben jedoch ein besorgniserregendes Bild. Lorenzo, bist das du? Ja, das bin ich; und wer ist das? Hi, ich bin Roger. Das ist Roger. Aaaah, Roger, du bist aber groß geworden! Nicht? Groß geworden ... viel zu früh verstorben bin ich; aber wer bist du? Aber Roger! Das ist Lorenzo, unser Halbbruder! Das bin ich, und nun bin ich wieder da. Bist du auch schon viel zu früh gestorben? Wäre er sonst in mir? Hihi, natürlich hätte ich das nicht nötig, lebte ich noch; aber in der Tat bin ich eher viel zu spät gestorben, jedenfalls fand das Brunetti. Brunetti? Hahaha, der alte Brunetti! Komm, trinken wir was. Genau! Und Sebastian? Welcher Sebastian? Egal, soll mitmachen, wo wir schon so schön beisammensitzen einmal alle drei. Lorenzo: Ach stimmt ja, ihr habt ja jetzt wieder Wahlkampf. Brunetti konnte diese Politiker nicht leiden. Roger: Brunetti war Italiener. Walter: War Italiener? Roger: Ach ja, er lebt ja noch. Auf Brunetti! Lorenzo: Cin-cin! Sebastian: Eine linke, zentralistische Partei mit vermutlich ausreichenden Geldressourcen (s.u.) also, eine allerdings, in der das Ausspielen des Links-Rechts-Gegensatzes von Bedeutung ist (das spricht für die KPÖ), die aber andererseits (hier sehe ich einen Widerspruch) eine geringe ideologische Aufladung aufweisen dürfte - immerhin ist Ivanko ein braver Parteisoldat, der sich zwar nur einen Ausrutscher erlaubt hatte, sich aber kaum mit der Organisation identifiziert ist. Lassen wir diese Frage vorläufig offen. Lorenzo: Wovon redet er? Roger: Er rezensiert doch nicht einen Roman von dir, hoffe ich. prust Walter: grummel Diskutieren wir heute nicht über meine Bücher. Ich habe ihn gebeten, zu einem Text Stellung zu nehmen, den ich jüngst verfaßt habe. Er hat immerhin postwendend geantwortet; offenbar hat er ihn sehr beeindruckt. Sebastian: Wirklich beeindruckende Folgerung! Magst du lieber mit Commissario Brunetti oder Inspektor Otkalenko verglichen werden? Lorenzo: Hua hua hua! Der alte Brunetti! Prost! Walter: Moment einmal! Das waren meine Worte! Da hat einer meinen Text mit seiner Farbe eingefärbt! Roger: (rülpst) Oh Verzeihung, habt ihr mit mir gesprochen? Sebastian: Jedenfalls bin ich mir sicher, daß die SPÖ gemeint war. Lorenzo: Wißt ihr, bei Rogers Taufe, da hat ihn der Pfarrer irrtümlich mit Meßwein übergossen ... Sebastian: Die Bußpredigt Johannes des Täufers ist stark von der eschatologischen Naherwartung geprägt: die Verbindung von "Umkehr" (Buße) mit der Wassertaufe verbürgt die Rettung im kommenden Endgericht. Lorenzo: Exakt, hähä. Seit der Taufe mit dem Meßwein muß man bei Roger auch mit dem Meßstab den Alkoholpegel nachmessen, hat Brunetti immer gesagt. Ja, Brunetti ... Er arbeitet, soweit mir bekannt ist, als Kriminalkommissar in Venedig. Walter: Ist das nicht überaus gefährlich? Sebastian: Mit dem Traumatisieren von Kleinkindern durch das Abschrecken mit kaltem Wasser im Christentum nicht übel vergleichbar. Lorenzo: Häää häää häää, köstliche Bonmots. Wie damals. Hören Sie, Sebastian, habe ich nicht jüngst eine Arbeit von Ihnen gelesen? Schrieben Sie nicht eine deftige Abhandlung über die Marginalisierung von Gewalt in der Beziehung zwischen Tieren? Walter: Hast du nicht die Meinung vertreten, es bedürfe erst eines ökonomischen Paradigmenwechsels, ehe eine Besserung eintreten kann? Sebastian: Mitnichten, das hast Du völlig mißverstanden. Roger: (betrunken) Avanti pololo, bandiera rossa ... Walter: Roger, könntest du bitte davon Abstand nehmen, dich in meinem Körper zu besaufen? Lorenzo: In der Tat, du trinkst, als ob du dafür bezahlt bekämst. Nimm dich doch zusammen! Walter hat recht; in seinem Körper ist er der Hausherr. Roger: (trinkt ex) Und deswegen muß ich ihm folgen? Geht man so mit seiner Familie um? Wer seinem viel zu früh verstorbenen Bruder keinen Grappa gönnt, der ist ja völlig verrückt. Völlig (rülpst) verrückt. Sebastian. Nein; das Irrationale ergibt sich aus dem Widerspruch, für eine Tätigkeit bezahlt zu werden, die nicht von gesellschaftlichem Nutzen (Führerkult) oder von direktem Nutzen für die Partei (Parteitag) ist. Roger: Avanti popolo, alla riscossa, bandiera rossa, trionferà! Lorenzo: Wie's scheint, haben wir nun sowas wie einen Revolutionär in der Familie. Der sich in deinem Körper eingenistet hat und- Roger: (lallt) ... im verrottenden Volkskörper ... Lorenzo: kicher - und diesen dennoch nicht mehr in der Lage ist zu verlassen. Walter: Was der Alkohol aus einem Menschen macht, unglaublich: einen Systemkritiker! Sebastian: Widerlich; nein, das wollte ich dann doch so nicht angedeutet haben. Fin Dieser Artikel stammt aus dem Streßnetz und wurde automatisch importiert. Der schleichende Abstieg der LiberalenSaturday, November 1. 2003
Warum das Liberale Forum (LIF) den Einzug in das hohe Gremium der noch jungen Republik bereits beim zweiten Anlauf nicht mehr geschafft hat, liegt für viele heute auf der Hand, doch noch vor wenigen Wochen wollte es niemand wahrhaben. Wenige Stunden nach der ernüchternden Erkenntnis, daß die Vierprozenthürde bei weitem verfehlt würde, warf bereits der liberale Querdenker Bruno Aigner zuvor bereits von den Sozialdemokraten als Querdenker verpflichtet; ein Prozeß ist anhängig - ein, daß es eben nicht der Erwartungshaltung des liberalen Publikums entspreche, mit stark an Sodomie gemahnenden Plakatsujets zu werben. Vertreter der höchsten Gremien der noch jungen Partei hielten dem entgegen, daß man erstens nur mit den entsprechenden Umfragedaten im Rücken agiert habe, und es im übrigen wohl gewagt sei, im Kontext einer liberalen Gesellschaft wie der heutigen angesichts von Darstellungen nackter weiblicher und männlicher Menschenkörper von Sodomie zu sprechen. Zitat Heide Schmidt: Wir leben ja nicht mehr in den frühen Sechzigerjahren.
Nun meldete sich FPÖ-Generalsekretär Westenthaler zynisch zu Wort. Er behauptete, anständige und gesunde Österreicher wüßten sehr wohl, daß es einen Unterschied gebe zwischen den auf FPÖ-Plakaten abgebildeten sexuellen Handlungen im Zuge sinnlicher Dreierbeziehungen. Einfach nobel und elegant, à la Römerquelle. fügte Westenthaler erklärend hinzu und schnalzte mit der Zunge. In einer eilig anberaumten Pressekonferenz der Grünen distanzierte sich Bundesparteigeneral Van der Bellen jedoch von von seinem Querdenker Bruno Aigner im Rahmen dessen Arbeit für Lugners "Unabhängige" gemachten Aussagen. Bei einer DU-Kundgebung im September in der Tivoli-Siedlung am Grünen Berg hatte Lugner sich auf seinen Querdenker Aigner berufen, als er wörtlich davon sprach, daß nackte Körper auf Wahlplakaten eine intellektuelle Spielerei für die Eliten seien, wenn man bedenke, wie wenig Leute von der Straße sich diese denn anschauen. Aigner weigerte sich, diese Anwürfe zu kommentieren, solange es bei der Grünen noch nicht zu einem Vertragsabschluß bezüglich seines Postens als Querdenker gekommen sei. Auf einer Pressekonferenz Ende September im Tiergarten Hietzing ließ Aigner verlauten, daß heutzutage sich niemand an nackten, prallen Körpern auf Wahlplakaten zu ergötzen brauche, weil schließlich ohnehin jeder Österreicher über einen solchen verfüge dank der Arbeit der Partei, für die er antrat. Von Journalisten erst gefragt, welche gemeint sei, und nach unzulänglicher Antwort (Scheißen! Scheißen! I leg eich ane auf!) ausgepfiffen sowie dazu aufgefordert, sich zu entblößen, um wenigstens die Sache mit den prallen Österreicherkörpern einer Klärung zuzuführen, entledigte sich Aigner seiner Unterwäsche, war aber nicht zu bewegen, vom Schreibtisch aufzustehen, was besonders in den liberalen Blättern am Folgetag kritisch kommentiert wurde. Ob die Affäre nackte Körper wirklich so entscheidend für den aus LIF-Sicht desaströsen Wahlausgang war, zweifeln heute nur mehr wenige an, darunter Bruno Aigner in seiner Funktion als SP-Querdenker im Außenamt. Da Aigner in der Funktion des SP-Gewerkschaftsquerdenkers bereits wiederholt gegenteilige Aussagen gemacht hat, darf dies wohl unberücksichtigt bleiben. Die ÖVP unter Wolfgang Schüssel, die sich zu alldem überhaupt nicht zu Wort gemeldet hatte, überraschte gestern mit der Verlautbarung, daß keine wie immer gearteten Versprechen uns davon abhalten können, das zu tun, was wir gerade wollen. Bundesgeschäftssekretärin Rauch-Kallat präzisierte sogar: Sollte die Volkspartei auch nur ein Dutzend Stimmen vor oder hinter den Freiheitlichen zu liegen kommen, werden wir nicht anstehen, uns vorzubehalten, Konsequenzen zu ziehen. Mittlerweile sorgte eine Meldung für Aufsehen in den gelichteten Reihen der österreichischen Liberalen: Eine Stunde vor Auszählung der letzten Wahlkarten hatte sich die sympathische Kleinpartei auf der hundertstelligen Prozentpunkteskala deutlich über die Vierprozentmarke bewegt; um neun Uhr morgens hielten sie gar bei siebzehn Prozent. Aufgrund der akribischen Auslegung des Nationalratswahlgesetzes durch die steirische Wahlbehörde sorgten die danach ausgezählten allerletzten zweitausend Stimmen jedoch für ein jähes Ende der Euphorie. Für das Liberale Forum heißt es jetzt endgültig: Alles wird anders. Die Räumlichkeiten des Liberalen Klubs im Parlamentsgebäude müssen nun per Mitte September rückwirkend geräumt werden, die Vergünstigungen durch den Mieterstatus in nämlichem Gebäude werden ebenfalls zurückgefordert. Wer sich noch erinnern kann, ob er am 1. September auf Parlamentsessensmarke nun Zander- oder Hasenrogen im Salat gehabt hat, der ist ein glücklicher Mann, meint Christian Köck, Ex-Spitzenkandidat des Ex-Forums. "Oder eine glückliche Frau." fügt Ex-Heide Schmidt beinah automatisch und augenzwinkernd hinzu, während sie sich mit einem riesigen Karton, aus dem Kratzgeräusche kommen, auf den Schultern an Köck vorbei durch die Tür drängt. Andere Stimmung herrscht indes bei der Wiener Gemeinderatsfraktion des LIF. In Wien haben die Liberalen bekanntlich mit bedeutend vielen Prozentpunkten das zweitbeste Nationalratswahlergebnis seit 1945 eingefahren - wie Hecht behauptet, unseren Berechnungen zufolge sogar seit 1848, dem Jahr der Revolution. Grund genug, nicht zu verzagen. Mehr als das: Hecht und Konsorten haben für ihre Bundesgenossen auch noch jede Menge versteckte Ironie, leisen Spott und subtilen Hohn über. Erst letztes Wochenende heißt es, sei sie und in ihrem Gefolge eine Horde wild gestikulierender Betrunkener mit Rapid-Fahnen, bei Heide Schmidt zuhause eingedrungen und von einem Zimmer ins andere gezogen, eine Spur bitteren Zynismus hinter sich herziehend. Christian Köck und Marco Smoliner beschwerten sich noch am Folgetag über unzureichende Sicherheitsvorkehrungen im Hause Schmidt sie waren zu einer Hinter-den-Bund-Schütt-Vernichtung eingeladen gewesen - sowie darüber, von Hecht wiederholt mit den Worten Impotente Gulaschkloaken an den Haaren herbeigezogen worden zu sein. Noch bevor sie die Parteizentrale geräumt hatten, erhoben die gebrochenen Bundesliberalen in einer eigens durchgeführten Befragung, warum der Mann auf der Straße, bzw. die Frau, sich von der liberalen Plakatwerbung so immens wenig angezogen gefühlt hatte. 22% fühlten sich durch das Wort Zivilcourage angegriffen und waren empört. Siebenundzwanzig Prozent fanden Haider auf dem Ethikunterricht-Plakat so sympathisch, daß sie ihm an Ort und Stelle die Stimme gaben und Kreuze auf die Nase malten. Diese Zahl deckt sich in etwa mit der Zahl der Nichtwähler. Vierunddreißig Prozent jedoch fanden Haider wiederum so unsympathisch, daß sie ihn auf dem LIF-Plakat durchstrichen, zusätzlich jedoch zur Wahl gingen und SPÖ wählten. Der Rest befürwortete vor allem die Plakatsujets Wie gehts? Antworten sie: liberal!, Autoapotelesmatik? Durchficken sowie Hypotenuseninkontinenz? Große Brüste. Warum das LIF beim Wähler dennoch so durchfiel, konnte allerdings nicht geklärt werden. Und wird es auch nie. Dieser Artikel stammt aus dem Streßnetz und wurde automatisch importiert.
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