Thursday, July 27. 2006
Um ein Pferd auszuborgen oder auf einem Reitturnier zu starten, muss man in Österreich in der Regel über einen Reiterpass oder das Western-Äquivalent WRC (Western Riding Certificate) verfügen. Für beide Scheine muss eine theoretische und eine praktische Prüfung abgelegt werden.
In der Anfangszeit des Westernreitens war die praktische Prüfung dieselbe wie für die klassischen Reiter: Man musste 60cm-Sprünge absolvieren, was bedingt durch die ungünstige Kombination Sattelhorn + männliche Anatomie, verschärft durch die Tatsache, dass im Westernstil grundsätzlich nicht gesprungen wird, recht spannend werden konnte.
Mittlerweile gibt es für Western eine eigene praktische Prüfung, und die Auswahl der Kapitel aus dem Standardlehrbuch ist auch etwas unterschiedlich. Das Buch selbst ("Pferdesport" vom Bundesfachverband für Reiten und Fahren in Österreich) ist einerseits ein brauchbares Kompendium, da es viele inhaltliche Themen, die für Reiter relevant sind, in nicht übermäßiger Ausführlichkeit in einem Band sammelt. Andererseits leidet es offenbar auch an seinem Los als Schulbuch, da, so scheints, die Weitergabe von Vernunftwissen und die Vertretung von Interessen bestimmter Gruppen (also letztlich politische Interessen) in manchen Bereichen inhaltliche Auswahl und Stil negativ beeinflussen. Didaktisch war man auch nicht so sattelfest (Lückentexte vs. Frage- und Antwortteile), und einzelne Stellen scheinen überdies schon so stark überarbeitet worden zu sein, dass der Blick auf das Ganze leiden musste.
- Die getrennten Frage- und Antwortteile sind praktisch zum Üben, aber leider stehen viele Informationen ausschließlich in den Antworten.
- Lückentexte haben im Inhaltsteil eines Selbststudienbuchs nichts verloren. Meistens hat man nämlich keinen Reitlehrer zur Hand, wenn man lernt.
- Jäger werden als Partner der Reiter dargestellt. Nichts gegen Jäger, aber Partner sollte doch ein gemeinsames Interesse verbinden. "Manchmal im Wald sein" – ob das ausreicht? Trotzdem werd ich "die Jagdzeiten" eher nicht "beachten", zumal laut Buch ohnehin das ganze Jahr über Jagdzeiten stattfinden. Welches Verhalten habe ich daraus abzuleiten? Soll man nie in den Wald einreiten? Oder darf man doch? Das Buch verrät dazu nichts. (Danke aber für den Hinweis zur Hirschbrunft - Mitte September bis Mitte Oktober!)
- Das letzte Kapitel ist dem Westernreiten gewidmet und fasst einige Dinge treffend zusammen, während es bei anderen Verwirrung stiftet: "Jede Ausbildung wird auf Trense (Snaffle Bit) begonnen, die dünner als die herkömmliche Wassertrense ist." Zwei Absätze weiter wird dem Ausdruck Snaffle Bit erst "Trense" und gleich danach "Wassertrense" erklärend hintangestellt. Auch nicht sehr hilfreich: "Bei Snaffle Bit ist die Zugführung beidhändig [...]. Einhändige Zügelführung ist erlaubt." Wer erlaubts? Wo ist es verboten? Bedeutung für die Praxis? Äh ja.
Nachtrag: Laut Inhaltsteil des Kapitels über Erste Hilfe soll man offene Wunden nicht desinfizieren, bevor der Arzt kommt. Laut Frage-/Antwortteil aber schon! Weiters wird auf die Untugend "Weben" hingewiesen und erklärt, dass sie zu Gelenksproblemen führen kann. Was "Weben" ist, wird aber nicht erläutert. Die Antwort findet man auch nicht in Wikipedia. Google hilft allerdings weiter.
Monday, July 17. 2006
Weil wieder einmal "The Net" läuft - der Sandra-Bullock-Film, der die total verrückte Web-0.9-Zeit von 1995 porträtiert, in der webmäßig alles und nichts möglich zu sein schien, muss ich endlich einmal festhalten: Diese Notebooks, mit denen man wie Sandra am Strand saß und im prallen Sonnenschein arbeiten konnte, will ich wieder haben! Blanker Zynismus? Eigentlich nicht ganz: Mit den alten LCD-SW-Bildschirmen ging das wirklich. Deshalb erkennt man ja bei Sonnenschein auch, was auf den SW-Handys steht, während man sich mit den neueren Modellen in Hauseingänge drücken muss.
Was gibts Schöneres, als beim Programmieren oder Angeboteschreiben im Garten zu sitzen? Die Idealvorstellung des Bildschirmarbeiters! Checken wir einmal, was dafür vorauszusetzen ist: Erstens: Selbstständigkeit. Seit ich gehört habe, dass ein namhaftes österreichisches Unternehmen den EDV-Mitarbeitern vorschreibt, sich auf den Gängen "schnell" zu bewegen, habe ich keinerlei Hoffnungen mehr, dass es vernünftig geführte EDV-Firmen mit derartigen Freiräumen gibt.
Zweitens: Funknetz! Ohne Netz geht sowieso nix (von Patiencelegen und MP3s ordnen vielleicht abgesehen). Deshalb am besten eine teure "Mobiles Breitband"-Karte odgl. kaufen. Ach ja, genau, "Breitband" heißt im Zusammenhang mit Funkübertragung was anderes als bei Kabelverbindungen ...
Drittens: Funkstrom! Oder zumindest einen vernünftigen Akku. Mein letztes Thinkpad war nicht schlecht: Mit zwei Akkuziegeln à 1,5 kg hält es noch heute vier Stunden durch. Leider halte ich die 5 Kilo Thinkpad mit Windows 98 nicht mehr auf Dauer durch. Das neuere Thinkpad hat die gleiche Akkuleistung mit insgesamt unter zwei Kilo. Leider sind die Verwandten und Bekannten, die mit CDs und DVDs wacheln, aber immer maßlos enttäuscht, denn das Ding spart Kilo auf Kosten des DVD-Laufwerks.
Viertens: 15 Sonnenschirme, weil man sonst auf dem Bildschirm nichts erkennen kann.
Übrigens konnten die Designer meines Thinkpad X31 nicht auf die schwarze Tastatur verzichten, die im prallen Sonnenlicht augenschonend, bei Dämmerung aber unlesbar ist. Deshalb haben sie ein "ThinkLight" links oben im Deckel montiert: eine kleine Lampe. In Analogie dazu fordere ich nun die über dem Bildschirm eingebaute Rollmarkise ("ThinkShade").
Ich persönlich ziehe ja das Heimbüro (ca. 4 m², aber Klimaelefant) vor. Da lauert noch der gemeine Switch mit seinen Allüren, aber das hab ich ja schon erwähnt.
Nachtrag August 2008: Erst zwei Jahre alt und schon völlig veraltet, dieser Artikel! In der Sonne lesbare LCD-Farbbildschirme: Gibts schon, zB bei manchen Toshiba Portegés. Mobiles Breitband: Im Normalfall keine Karte mehr, sondern USB-Modem; nicht mehr besonders teuer und mittlerweile ziemlich schnell. Funkstrom: Ist tatsächlich möglich und schon im Versuchsstadium (damn physics, my ass!). Thinklight: Mein neues Thinkpad X60T ist ein Tablet-Convertible und hat als solcher zwar eine Thinklight-Taste, aber kein Thinklight (gr!). Toller Thinkpad-Akku: Seit Vista und der dafür benötigten Hardware nur mehr theoretisch möglich. Wenn man vernünftig arbeiten will, muss man diverseste Beleuchtungs- und Prozessor(!)-Sparmodi deaktivieren (in den Vista-Einstellungen, der Lenovo-Software UND im Bios), und dann bye-bye, 4-Stunden-Akku! (Leider hat das alte Notebook, mit dem ich bis zuletzt vollauf zufrieden war, plötzlich den Geist aufgegeben, und ich musste den - pardon - neuen Ramsch anschaffen.) Anweisung eines Unternehmens, auf den Gängen "schnell zu gehen": Der Freund, dessen Vorgesetzter diese Anweisung ausgesprochen hat, hat mittlerweile bei Herold gekündigt. Heimbüro mit vier Quadratmetern: Habe mittlerweile nach Umzug ein richtiges Büro mit 16 m² und Außenrollo, hurra!
Friday, July 14. 2006
Was war eigentlich noch nicht kaputt in meinem Büro und Haushalt? Eine übersichtliche Aufzählung: Die drei Tage alte Klimaanlage (von Uli als "Elefant" bezeichnet), der drei Monate alte Laserdrucker und die Pinnwand. Bei Temperaturen über 30 Grad geben mit Vorliebe Festplatten den Geist auf. Nachdem ich den Raum zwischen meinen Rechnern sowie drumherum auf Hakans Anraten auf derart astronomische Ausmaße vergrößert hatte, dass Uli und ich in unserm Hochbett auf die Computer direkt neidisch hinunterschauen, blieben diesen Sommer die Platten heil (holzklopf) - dafür verabschiedete sich der Switch. Blöd, wenn man ca. 42 Terabyte Hochzeitsfotos von Rechner A mittels Brenner in Rechner B auf CD kriegen will.
Das Drama endete damit, dass ich Hakan seinen (eh zweiten) Switch aus dem Serverkasten riss und er mir als Vergeltung ein Blog einrichtete. Wahrscheinlich ist Hakan auf diese Weise für einen ansehnlichen Anteil aller Blogs verantwortlich.
Außerdem wollte er mir als Usernamen "Matto Sinatra" eintragen, weil ich ihn mit einer Mailboxnachricht gefoppt hatte, in der ich ihm gratulierte, dass er den Sinatra-Ähnlichkeitswettbewerb gewonnen hätte. Diesem Unterfangen konnte ich rechtzeitig entgegenwirken.
PS: Sollte mein Name dennoch als "Matto Sinatra" aufscheinen ... danke, Hakan
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