Um ein Pferd auszuborgen oder auf einem Reitturnier zu starten, muss man in Österreich in der Regel über einen Reiterpass oder das Western-Äquivalent WRC (Western Riding Certificate) verfügen. Für beide Scheine muss eine theoretische und eine praktische Prüfung abgelegt werden.
In der Anfangszeit des Westernreitens war die praktische Prüfung dieselbe wie für die klassischen Reiter: Man musste 60cm-Sprünge absolvieren, was bedingt durch die ungünstige Kombination Sattelhorn + männliche Anatomie, verschärft durch die Tatsache, dass im Westernstil grundsätzlich nicht gesprungen wird, recht spannend werden konnte.
Mittlerweile gibt es für Western eine eigene praktische Prüfung, und die Auswahl der Kapitel aus dem Standardlehrbuch ist auch etwas unterschiedlich. Das Buch selbst ("Pferdesport" vom Bundesfachverband für Reiten und Fahren in Österreich) ist einerseits ein brauchbares Kompendium, da es viele inhaltliche Themen, die für Reiter relevant sind, in nicht übermäßiger Ausführlichkeit in einem Band sammelt. Andererseits leidet es offenbar auch an seinem Los als Schulbuch, da, so scheints, die Weitergabe von Vernunftwissen und die Vertretung von Interessen bestimmter Gruppen (also letztlich politische Interessen) in manchen Bereichen inhaltliche Auswahl und Stil negativ beeinflussen. Didaktisch war man auch nicht so sattelfest (Lückentexte vs. Frage- und Antwortteile), und einzelne Stellen scheinen überdies schon so stark überarbeitet worden zu sein, dass der Blick auf das Ganze leiden musste.
- Die getrennten Frage- und Antwortteile sind praktisch zum Üben, aber leider stehen viele Informationen ausschließlich in den Antworten.
- Lückentexte haben im Inhaltsteil eines Selbststudienbuchs nichts verloren. Meistens hat man nämlich keinen Reitlehrer zur Hand, wenn man lernt.
- Jäger werden als Partner der Reiter dargestellt. Nichts gegen Jäger, aber Partner sollte doch ein gemeinsames Interesse verbinden. "Manchmal im Wald sein" – ob das ausreicht? Trotzdem werd ich "die Jagdzeiten" eher nicht "beachten", zumal laut Buch ohnehin das ganze Jahr über Jagdzeiten stattfinden. Welches Verhalten habe ich daraus abzuleiten? Soll man nie in den Wald einreiten? Oder darf man doch? Das Buch verrät dazu nichts. (Danke aber für den Hinweis zur Hirschbrunft - Mitte September bis Mitte Oktober!)
- Das letzte Kapitel ist dem Westernreiten gewidmet und fasst einige Dinge treffend zusammen, während es bei anderen Verwirrung stiftet: "Jede Ausbildung wird auf Trense (Snaffle Bit) begonnen, die dünner als die herkömmliche Wassertrense ist." Zwei Absätze weiter wird dem Ausdruck Snaffle Bit erst "Trense" und gleich danach "Wassertrense" erklärend hintangestellt. Auch nicht sehr hilfreich: "Bei Snaffle Bit ist die Zugführung beidhändig [...]. Einhändige Zügelführung ist erlaubt." Wer erlaubts? Wo ist es verboten? Bedeutung für die Praxis? Äh ja.
Nachtrag: Laut Inhaltsteil des Kapitels über Erste Hilfe soll man offene Wunden nicht desinfizieren, bevor der Arzt kommt. Laut Frage-/Antwortteil aber schon! Weiters wird auf die Untugend "Weben" hingewiesen und erklärt, dass sie zu Gelenksproblemen führen kann. Was "Weben" ist, wird aber nicht erläutert. Die Antwort findet man auch nicht in Wikipedia. Google hilft allerdings weiter.