Die Anschaffung eines Pferds bringt lange anhaltende Konsequenzen mit sich und will daher gut überlegt sein. Von der Entscheidung für eine bestimmte Rasse bis hin zur Herangehensweise bei den ersten Einsätzen erwartet den Käufer eine Kette von heiklen Entscheidungen, die, wenn unbedacht oder falsch getroffen, das Vergnügen mit dem Vierbeiner erheblich schmälern können. Dieser Artikel soll dazu beitragen, Licht in diese äußerst komplexe Angelegenheit zu bringen.
Ist die Entscheidung für eine Rasse gefallen und hat man über gründliche Preisvergleiche den günstigsten Anbieter gefunden, kommt es erst einmal auf die richtige Farbentscheidung an. Mithilfe einer Farbtabelle kann man sich hier auf dem Gestüt einen Überblick über das Angebot machen. Als Faustregel gilt: Hellere Pferde sind nachts besser sichtbar, und man erspart sich teure Beleuchtungsteile. Mit schwarzen Pferden hingegen sollte man zwar in der Dunkelheit eher nicht ausreiten, aber sie machen auf Turnieren einen besseren Eindruck. Braune Pferde wiederum haben die pflegeleichteste Farbe. Im Zweifelsfall sollte man sich auch für das Pferd entscheiden, das die lautere Stimme hat. In Gefahrensituationen kann man so besser auf sich aufmerksam machen.
Ist der Kauf gelungen und die Neuerwerbung wohlbehalten daheim angekommen, geht es an die Inbetriebnahme. Zuerst wird der Infohänger (meist um eine der vorderen Fesseln gebunden) entfernt und sollte unbedingt genau durchgelesen werden. Auf diesem europäisch genormten Informationsblatt befinden sich vorne allgemeine Kenndaten (Rassenbeschreibung, Instanz-ID, Kennzeichen, Effizienzklasse, Hinweise auf allfällige Sonderausstattung) und hinten Gebrauchs- und Pflegeanweisungen. Zum skurril anmutenden „Pferdekennzeichen“ ist nur soviel zu sagen, als dass diese Idee der Verkehrsminister eine Antwort auf die Erfordernisse der Praxis war, aber sich in ebendieser letztlich doch nicht durchsetzen konnte, da es nicht gelang, einen einheitlichen Platz für die Montage der Kennzeichentafeln auf dem Tier zu finden. Dazu kommt, dass die vorgeschriebenen Aufschriften selbst aus administrativen Gründen viel zu lang sind (Land – Region – Rasse – Registraturnummer – letzter Teil des Zuchtnamens – laufende Ziffer). Die Tafeln sind somit 80-120 cm breit. Anstatt sie wie ursprünglich geplant per Post an die Mitglieder zu verschicken, bewahrt sie der Bundesfachverband für Reiten und Fahren nun in einem eigens gemieteten Lagergebäude auf.
Die Gebrauchsanweisungen sollten einen Hinweis auf die Transportsicherung enthalten: Oft werden Pferde mit einem speziellen Mundschutz verschickt. Diese aus Metall und Leder konstruierte Vorrichtung trägt das Pferd im Maul. Zusätzlich ist sie hinter dem Nacken und unter dem Kinn verschnallt. Sie muss nun entfernt werden. Aber Vorsicht: Sollten sich seitlich am Maul Hebel befinden, dürfen diese nicht gedrückt werden. Stattdessen sind erst die Riemen zu öffnen und ist dann die Sicherung nach unten hin aus dem Maul auszufädeln. Meistens kann und sollte die Transportsicherung bei weiterer Bewegung des Pferds wieder verwendet werden, deshalb unbedingt aufbewahren.
In manchen Fällen wird das Pferd auch mit einem Reitersitz geliefert. Diese Ausstattung ist leider meist nicht serienmäßig und auch teuer. Von der Verwendung selbstgebastelter Sitze ist abzuraten: Mechanische Teile des Pferds im Rückenbereich könnten ebenso verschleißen wie bestimmte Teile des Reiters.
Interessant ist die Pflegeanleitung, aber auch hier kann es zu Missverständnissen kommen: Besagt die Anweisung beispielsweise „hin und wieder in Schlamm wälzen“, so bedeutet das nicht, dass der Halter das Pferd selbst zu wälzen hat! Er muss dem Pferd nur eine Gelegenheit schaffen, und es erledigt diese Aufgabe von selbst. Doch Vorsicht: Ein frisch gewälzt habendes Pferd verliert bis zu 90% seiner Lichtreflexionsfähigkeit. Insbesondere vor Ausritten im Dunkeln ist das Pferd daher unbedingt zu reinigen.
Auch die Hinweise zur Betriebstemperatur müssen ernstgenommen werden: Nach intensiver Benützung oder bei hohen Temperaturen kommt es zur Kondenswasserbildung. Dieses Wasser (manchmal auch als weißer Schaum an den Flanken erkennbar) schadet dem Pferd nicht – im Gegenteil, es trägt zur Abkühlung bei. Dennoch sollte man unbedingt eine Überhitzung vermeiden, indem man
(a) die Temperaturtabelle auf dem Infoblatt beachtet und
(b) weder mit Abdeckungen oder dergleichen im Betrieb einen Hitzestau verursacht noch
(c) den Lüfter in seiner Funktion behindert.
Der Lüfter befindet sich hinten am Pferd und arbeitet scheinbar erratisch („Schlagen“ des Schweifs). In Wirklichkeit agiert er nach einem hochkomplexen Algorithmus, der die Bewegungen anhand verschiedener Eingabedaten wie Temperatur, Belastung oder Insektenanteil in der Luft optimiert.
Welcher Treibstoff für das Pferd empfohlen wird, steht ebenfalls auf dem Infoblatt. Dabei gilt: Niederkalorischer Treibstoff ist meist in der Verabreichung unbedenklich, aber beim hochkalorischen sollte man Vorsicht walten lassen. Übermäßige Zufuhr hochkalorischen Futters kann zu erheblichen Schäden am Pferd führen. Befolgen Sie daher die Angaben des Herstellers genau. Zur Erhöhung des Komforts des Halters sind Pferde mit einer Futterautomatik ausgestattet. Sie brauchen das Futter nur in Reichweite des Pferds zu platzieren, und es wird es mithilfe seiner Sensoren finden und danach aufnehmen. Leider ist es bisher noch nicht gelungen, eine wirksame Kapazitätsbegrenzung für hochkalorische Stoffe einzubauen. Darum muss solches Futter im Vornherein genau dosiert werden. Da die Futtersensorik unter Umständen organische Materie in Betracht ziehen kann, die vom Halter gar nicht als Treibstoff für das Pferd bestimmt wurde (zB Kistenblumen), ist es zu empfehlen, die Futteridentifikationsalgorithmen durch „Tuning“ selbst zu verfeinern. Das klingt schwieriger als es in Wirklichkiet ist:
Moderne Pferde verfügen über einen organischen Mikroprozessor, der in einem bestimmten Umfang programmiert werden kann. Das kann man sich zu verschiedenen Zwecken zunutze machen: Der Turnierreiter wird komplexe Routinen installieren, während der Freizeitreiter eher ab und zu ein bisschen „tunen“ wird. Doch die Programmierschnittstelle ist relativ anspruchsvoll: Man wird um den Besuch eines einschlägigen Seminars nicht herumkommen. Schulungen in Pferdeprogrammieren sind von verschiedenen Anbietern unter Namen wie „Natural Horsemanship Training“ oder „Naturalkommunikation“ erhältlich. Je nach Umfang der Ausstattung ist das Pferd eventuell bereits mit einem Grundsystem ausgestattet („Microcode“ oder darüber hinausgehende Software). Falls nicht, sind zumindest jene, die selbst nicht zu programmieren beabsichtigen, beraten, einen Pferdeausbildner hinzuzuziehen, der entsprechende Software aufspielt.
Doch Achtung: Ein Pferd verfügt von Werk aus über ein Sicherheitssystem, das verhindert, dass es sich gegen Hindernisse steuern lässt. Kontinuierliches Umprogrammieren kann dieses Sicherheitssystem außer Kraft setzen! In diesem Fall obliegt es dem Reiter, Acht zu geben, dass beim Betrieb keine Hindernisse oder Begrenzungen gerammt werden.
Schließlich sollten in regelmäßigen Abständen an den Trittflächen der Beine neue Eisen aufgezogen werden, auch wenn das Pferd meist ohne Eisen den besten Grip hat. Es stimmt auch, dass falsche Eisen die Straßenlage gefährlich beeinträchtigen können; ganz ohne welche sollte man aber auch nur in speziellen Fällen unterwegs sein. Konsultieren Sie daher unbedingt eine entsprechende Werkstätte („Hufschmied“).
Wenn Sie das alles beachtet haben, sollte einem ersprießlichen Auskommen zwischen Ihnen und Ihrem Pferd nichts mehr entgegenstehen. Wir wünschen viel Spaß und sicheres Reiten!