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Vier Seiten FegefeuerWednesday, June 30. 2010
Um für seinen Roman einen Verleger zu finden, braucht man einen Text, der bereits auf den ersten vier Seiten packend geschrieben ist und keinen der anfängertypischen Erzählfehler aufweist. Die Geschichte muss leserfreundlich und spannend aufgerollt sein, die Charaktere sollen Interesse erwecken. Alles muss Lust auf mehr machen.
Hans Peter Roentgen hat in seinen Internetforen Amateurschreiber aufgerufen, ihre Werke zu posten, und diese auf die Vier-Seiten-Tauglichkeit geprüft. Das Ergebnis ist in Form eines schmalen (aber nicht unbedingt wohlfeilen) Ratgebers gedruckt erschienen und heißt „Vier Seiten für ein Halleluja“. Und es funktioniert: Die teilweise wirklich grässlich zu lesenden eingesandten Texte werden mit ein paar Handgriffen zu potenziellen Hits. Roentgen wendet wenige einfache Regeln mit Geschick an und erklärt dem Leser verständlich, was er da tut und warum. Für Leute, die bessere Geschichten schreiben möchten, ist das Buch ein wichtiges Hilfsmittel. Doch nun zum großen Aber. Inhaltlich kann „Vier Seiten für ein Hallejuja“ überzeugen, formal aber ist es eine Katastrophe. Eine Katastrophe von solchem Ausmaß, dass ich leider extra warnen muss. Es beginnt schon damit, dass der Name des Autors auf dem hinteren Umschlag zweimal verschieden geschrieben wird. Im Buch bricht dann der Wahnsinn aus: Gleich im Vorwort weist der Autor zwar ausdrücklich darauf hin, dass „Rechtschreibfehler in den eingesandten Texten“, „soweit entdeckt, korrigiert“ worden seien. Zynisch kann daraus gefolgert werden, dass der Autor offenbar große Schwierigkeiten hat, Rechtschreibfehler überhaupt zu entdecken, und dass er sich um die Rechtschreibung in seinen eigenen Texten gleich gar nicht schert. Neben klassischen Rechtschreibfehlern wird eine Art Freistil-Interpunktion gepflogen, bei der im Prinzip um jede Gruppe zusammengehöriger Worte herum ganz, teilweise oder auch gar nicht Beistriche gesetzt werden können; der Strichpunkt ist hingegen weitgehend unbekannt. Dass Dass-Fehler keinen guten Eindruck machen, spielt ebensowenig eine Rolle wie die Getrennt- und Zusammenschreibung von Wörtern. Schließlich sind auch beim Textsatz einige Unsauberkeiten passiert. Kurzum: Ein Lektorat hat dieses Buch nicht genossen – obwohl der Verfasser ironischerweise auf einer der hinteren Seiten sogar noch Lektoratsleistungen anbietet! Ein Ratgeber nach dem heute leider häufigen Schema: Inhaltlich genial, billig umgesetzt, formal kaputtgespart. Vier Seiten für ein Halleluja bei Amazon Nie wieder Peresse, Hernandesse, Souaresse!Monday, June 28. 2010
Leider sind die wenigsten Sportkommentatoren imstande, ausländische Namen halbwegs korrekt auszusprechen. Das betrifft jedoch nicht nur exotische Sprachen, sondern auch relativ geläufige wie Italienisch und Spanisch. Vor allem bei Spanisch ist es paradox, denn die spanische Rechtschreibung sorgt dafür, dass man die richtige Aussprache jedes Worts eindeutig aus der schriftlichen Wiedergabe ablesen kann. Hier gibt es keinen Interpretationsspielraum, ein Computerprogramm könnte es 100% korrekt erledigen, und dieses Programm wäre auch noch sehr einfach.
Dabei bin ich keineswegs ein Verfechter der unbedingt akkuraten Aussprache fremder Wörter im Rundfunk, der wir zum Beispiel Ohrenschmäuse wie „Ah-kschenn“ (action) oder „Bahst-hn“ (Boston) in den Nachrichten zu verdanken haben. Solche überkorrekten Aussprachen geben meist die Lautvariante einer ganz bestimmten Region wieder; meist ist das eine unpassende (ein britischer Regisseur wird keinen „Ah-kschenn“-Film drehen sondern wohl eher einen „Äktsch-n“-Film), und nach meinem Dafürhalten kann es sowieso keinem Deutschsprechenden vorgeworfen werden, wenn er nicht über alle Aussprachedetails aller anderen Sprachen, aus denen Wörter oder Namen in deutsche Sätze kommen, Bescheid weiß. Zumindest eines sollte man als Sportkommentator, der das ja beruflich macht, aber anstreben, nämlich dass Wörter aus Sprachen mit fast identischen Lautsystemen wie im Deutschen zumindest auf der richtigen Silbe betont werden. Das ist alleine des Verständnisses wegen erforderlich und keineswegs zuviel verlangt. Sehen Sie selbst: Hier haben wir die überschaubare Regel, auf welcher Silbe spanische Wörter und Namen betont werden: (1) Hat das Wort einen Akzent? Ja: Dann dort betonen. ENDE! Nein: (2) Endet das Wort auf einen Vokal oder auf N oder auf S? Ja: Dann auf der vorletzten Silbe betonen. FERTIG! Nein: (3) Dann auf der letzten Silbe betonen. PASST! Das deckt schon einmal 99% aller Wörter ab. Wer das restliche Prozent auch noch schnupfen will, hier die Ergänzung: (4) Richtiges Silbenzählen im Spanischen: Zwei aufeinanderfolgende Vokale gelten im Spanischen als eine Silbe. Soll es nicht so sein, hat einer der Vokale einen Akzent (der Name Raúl hat also zwei Silben). Besonders bei RTL ist immer von einem pseudofranzösischen Spieler namens Souaresse die Rede. Der Mann kommt aber aus Uruguay, schreibt sich Suárez und wird nach Regel (1) auf der vorletzten Silbe betont. Leider ist der Akzent in der Blockschrift nicht verpflichtend, deshalb sollte man die Spielernamen eher vom Blatt mit einer korrekt geschriebenen Aufstellung lesen als von den Trikots. Für jene, die nun den Ehrgeiz haben, die spanische Aussprache gleich ganz zu knacken – und vor allem für alle deutschsprachigen Sportkommentatoren – schließe ich gleich Lektion 2 an: den Patent-Kurzüberblick über die spanische Aussprache für Sportkommentatoren Welche Sprachvariante nehmen? Die komplizierteste? Eher nein! Sondern die einfachste! Und das ist die lateinamerikanische. Hier gibt es keine Laute, die wir im Deutschen nicht kennen, konkret nicht den „zeta“-Laut („z“ klingt wie das englische th im Wort thing). Das Zeta gibts ohnehin nur in Spanien, wo man sich aber auch ohne versteht. (1) Alle Vokale sind „mittellang“: Nicht besonders kurz, nicht besonders lang. Deshalb gibts auch keine Doppelkonsonanten, welche die Kürze hervorstreichen wie zB in italienisch repùbblica und auch keine Dehnungsschreibweisen wie das deutsche „ie“. (2) Es gibt nur zwei Doppelkonsonanten, und die stehen für eigene Laute (weswegen sie auch als Buchstaben gesehen werden): Das LL (sprich: j) und das RR (besonders lang gerolltes R). (3) Wo wir schon beim R sind: Es wird mit der Zungenspitze gebildet und gerollt. Wer das nicht kann, solls gar nicht erst lange versuchen, sondern ersatzweise das deutsche Gaumen-R besonders deutlich aussprechen. (Für Ehrgeizige: Der Trick besteht darin, dass man bei der Aussprache vorne eine gewisse Menge Luft mit ausstoßen muss. Trotzdem ist das Übungssache.) (4) N mit Tilde (~), also Ñ, spricht man „nj“. (5) Y ist immer „i“ (kann sich auch zu j verschleifen wie in ayer) und nie „ü“. (6) H wird nicht ausgesprochen. Niemals nicht! Auch nicht in Hernández! (7) G vor I oder E wird zu „ch“. (8) J ist immer „ch“. (9) C vor I oder E wird zu „s“. (10) Z ist immer „s“. (11) U nach G wird nicht gesprochen. (Nein, auch nicht in Miguel Herz-Kestranek! Außer natürlich, der Mann hat schon resigniert und wünscht es ausdrücklich.) Soll das U ausnahmsweise trotzdem klingen, ist es mit Punkten bestückt: Ü. (12) QU wird immer „k“ gesprochen, nicht „kw“. (13) CH ist „tsch“. (14) V ist immer (annähernd) „w“ und nie „f“. (Mit „annähernd“ meine ich, dass am Anfang jedes Vs die Lippen geschlossen sind, sodass es mehr wie eine Mischung aus „m“ und „w“ klingt. Ist aber für den Alltagsgebrauch nicht ausschlaggebend.) (15) Entgegen dem in den Sprachbüchern üblichen Geschreibsel können Zwielaute (Diphtonge) im Spanischen sehr wohl auch verschmelzen, wichtig ist aber, dass man die beiden Vokale trotzdem noch hört. Im spanischen Wort fiel (treu) hört man kein langes I wie im deutschen „viel“, sondern ein I und danach ein E. Beim au von precaución hört man ein A, dann ein U, und dazwischen verschmelzt mans halt; man will sich ja nicht die Zunge brechen. (16) X ist meistens „gs“, manchmal „s“, im Wort México aber „ch“. Der Grund ist, dass das ein alter Name ist, der nach neueren Rechtschreibregeln eigentlich Méjico geschrieben würde. (17) Spezielle Feinheit, die für Sportkommentare aber nicht sonderlich relevant sein dürfte: Stoßen ein N und ein V zusammen, wird meist das N zu „m“: Also falls die Fußballteams einmal mit der Straßenbahn anreisen sollten: tranvía = „tramwia“. (18) Faustregel für nichtspanische Namen von Personen aus spanischsprachigen Ländern: In der Regel verspanischt man die Aussprache solcher Namen. Nicht immer, aber wie gesagt in der Regel. Und nicht die Betonungsregeln vergessen: Márques: Bitte, bitte, bitte nicht mehr pseudofranzösisch „Marquesse“ sagen! Der Mann heißt „Markes“. Analog Pérez (Peres), Rodríguez (Rodriges). In der Wiener Zeitung gibt es zum selben Thema eine interessante Sedlaczek-Glosse. Anmerkung vom 7.7.10: Nachdem der ORF sich bisher bei der Aussprache spanischer Namen noch recht gut geschlagen hat, war gestern nun von einem Uruguayer namens "Suaresch" die Rede. Man dürfte zur Ansicht gelangt sein, dass das uruguayische Spanisch den portugiesischen Ausspracheregeln folgt. BRIGITTE EDERER: Neue Crocs?Monday, June 14. 2010
Natürlich wissen Sie es schon, wird ja seit Monaten in den ORF-Nachrichten getrommelt: BRIGITTE EDERER hat soeben ihren neuen Job als Europa-Personalchefin von Siemens angetreten! Und das, nachdem sie für diesen Job zuvor - unter großer Anteilnahme von Rundfunk und Presse - designiert worden war. In ihrem alten Job als Clusterverantwortliche war BRIGITTE EDERER schon lange erfolgreich und beliebt. Irgendwann vor langer, langer Zeit war BRIGITTE EDERER aktive SPÖ-Politikerin. Die Medien haben sie damals lieb gewonnen. Bis zu ihrer Pensionierung werden wir in den ORF-Nachrichten wie bei einem Live-Ticker jede Änderung in ihrer Karriere haut- und zeitnah mitverfolgen können.
Aber wenn sich irgendwann einmal nix abspielt bei BRIGITTE EDERER, also wenn sie zum Beispiel 1-2 Jahre lang einfach nur Siemens-Europapersonalchefin bleibt, ohne dass Gerüchte über ihre weitere Karriere kursieren? Was kommt dann in den Medien? Meiner Meinung nach gibt es hier zwei Möglichkeiten: 1. Meldungen wie "BRIGITTE EDERER pflanzt Paradeiser", "BRIGITTE EDERER trägt ihr altes Fahrrad in den Keller" oder "BRIGITTE EDERER hat jetzt eine neue Biber-Bonus-Card bekommen" oder 2. man stürzt sich auf wen anderen, zB: "HUBERT GORBACH bewirbt sich bei irgendeinem ausländischen Unternehmen" oder "KARL-HEINZ GRASSER wird noch immer nicht gerichtlich belangt" oder "CHRISTINE VRANITZKY äußert sich zu irgendwelchen Sozialthemen" ... Oh! Nummer 2 haben wir ja schon. Dann wirds wohl Nummer 1 werden. Check Reality GoodbyeThursday, June 10. 2010
Sind Sie im Bilde, wie weit sich der ganz alltägliche Politaktionismuswahnsinn in Österreich schon ausgebreitet hat? Dazu ein kleiner Test:
Eine dieser tollen Politaktionen gibt es nicht, welche? 1. WUFI - die "Ampel für Wohlfühlen und FAIRgnügen" 2. "KISS AUSGRENZUNG GOODBYE!" - Aktionstag an Wiens Schulen 3. "Initiative für einen besseren Frieden" präsentiert: Das FORUM ZUR FÖRDERUNG MENSCHLICHER WÄRME Bitte überlegen und dann runterscrollen! Auflösung: Nr. 1 ist ein supertipptoppes Gedankenprodukt der SPÖ Wien, siehe hier - dabei gehts um eine Ampel, die in Gastgärten anzeigt, wie anrainerverträglich das Lärmniveau ist. Nr. 2 wurde ebenfalls von der SPÖ Wien ersonnen (deren Denkfabrikanten wurden anscheinend von der Didi-Hallervorden-Show abgeworben). Das Ganze ist so kreuzbescheuert, dass ichs gar nicht beschreiben kann. Hier ein Link. Nr. 3 wurde von Matto und Robert gemeinsam im Jahr 1994 erfunden und als Jux auf der Uni ausgehängt. Die Unterschriftenliste konnte sich sehen lassen. In den folgenden 16 Jahren drehte sich die Wahnsinnsspirale aber fleißig weiter (ein Familienminister plakatierte zB "Mein Chef macht in die Hose"), und die Initiative für einen besseren Frieden schaut im Vergleich zur politischen Praxis schon recht altbacken und fad aus. Das Originalmanifest gibts hier. Total daneben ist auch noch umfahrenTuesday, June 1. 2010
Leider musste ich feststellen, dass das Bauen von Umfahrungsstraßen in Österreich nicht mehr beherrscht wird. Vielleicht gibt es ja an irgendeiner technischen Hochschule im Ausland einen entsprechenden Lehrstuhl, der ein paar Fachleute entsenden könnte, um uns unter die Arme zu greifen. Bis dahin ein paar von mir schnell aufgestellte Grundregeln. Die meisten sind auch auf andere Straßen- oder Bahnprojekte anwendbar.
1. Wenn ich einen Ort umfahre, dann darf die Umfahrungsstraße natürlich nicht mitten durch den Ort gehen, denn sonst wäre sie ja keine Umfahrungsstraße. Auch darf sie nicht nur einen Block weit der ursprünglichen Straße ausweichen und flugs mit Verkehrserregern besiedelt sowie durch ein Dutzend Kreisverkehre auf 2 Kilometer zerhackt werden. In diesem Fall ist sie einfach nur eine Straße, aber kein Umfahrungsstraße (-> Tulln). 2. Eine Umfahrungsstraße funktioniert nur dann, wenn man sie auch fertig baut. Das heißt: Man darf nicht eine mehrspurige Autobahn kurz vor dem Ende des zu umfahrenden Gebiets an einer Ampel verenden lassen (siehe früher A23 Breitenlee). 3. Ist das Ziel der Umfahrungsstraße, den Schwerverkehr aus dem Ortskern zu entfernen, sollte die Straße in jede Richtung zweispurig sein, weil die Autofahrer sonst nicht überholen können und lieber weiterhin durch den Ort fahren („endlich sind wir die LKW los“). Auch sollte eine solche Umfahrung traktor- und fahrradfrei sein. Für diese Verkehrsteilnehmer kann man Begleitstreifen errichten. 4. Eine Umfahrungsstraße gilt nur dann als solche, wenn man die Nähe des umfahrenen Orts wenigstens noch erahnen kann. Falls man auch ohne Sichtbehinderung durch Erdwälle oder Lärmschutzwände zu beiden Seiten kein einziges Gebäude erkennen kann, wurde über das Ziel hinausgeschossen. Indiz für diesen Fehler sind Wegweiser wie „Zentrum 3 km“. (-> Laa an der Thaya) 5. Die Umfahrungsstraße muss von Anfang bis Ende einen einheitlichen Namen haben. Richtig: „L 1234 Umfahrung Hasenhausen“. Falsch: „A1/A21/A23/S2/A22/S33“ (-> „Regionenring Wien“) 6. Nicht nur die lange Strecke zwischen A und B, sondern auch die jeweiligen Anbindungen an A und B sollten möglichst direkt sein. Negativbeispiel ist hier die Nordautobahn, denn die verfehlt unten Wien und oben Mistelbach (um je ca. 15 km). Letzteres ist zudem zwar klarer Endpunkt im Norden, wird aber auf keinem Wegweiser erwähnt. Vielmehr wird man von Wien aus nach Mistelbach auf die rückgebaute B7 geleitet, eine verschnörkelte Berg-und-Tal-Bahn ohne Überholmöglichkeit, auf der sich unsere Kinder mit dem Moped derstessen dürfen. 7. Ist eine Umfahrungsstraße als Überlandstraße angelegt, soll Tempo 100 gelten. Ist sie eine Autobahn, dann Tempo 130. In einem Autobahntunnel ohne Pannenstreifen kann eventuell 100 gerechtfertigt sein, in einem modernen Tunnel mit Pannenstreifen ist aber ebenfalls 130 angebracht. Jedenfalls ist 80/100 auf einer Autobahn wie der S2 zwischen Eibesbrunn und Korneuburg ein Unfug. 8. Ein Tunnel muss einen Zweck erfüllen. Im Fall einer niveaufreien Kreuzung für andere Verkehrswege oder der Schaffung einer Überquerungsmöglichkeit für Wildtiere ist das gegeben. Hingegen ist es nicht gegeben, wenn sich über dem Tunnel nur die gleichen Felder wie zuvor befinden und jede Ansiedlung über einen Kilometer entfernt ist (-> S2 Stetten). Auch das Argument der Arbeitsbeschaffung für die Bauträger in Krisenzeiten lasse ich nicht gelten. 9. Ist die Umfahrungsstraße eine Autobahn, muss sie „A irgendwas“ heißen. Ist sie eine Freilandstraße, dann „B irgendwas“ oder „L irgendwas“. Ist sie eine Schnellstraße (um etwa 1/3 schmäler als eine Autobahn und weniger aufwändig ausgebaut), dann lautet die korrekte Bezeichnung „S irgendwas“. Die „Wiener Südumfahrung“-Autobahn wollte man ursprünglich B 301 nennen (gehts noch?!); heute heißt sie „S1“. Beides ein Holler. 10. Zu den Zeiten, als Politiker technokratisch-rücksichtslose Wahnsinnsvorhaben wälzten (v.a. 70-er Jahre), waren Bürgerinitiativen eine ganz gute Sache, um hier überhaupt eine Gegenstimme zu erheben. Heute kommt zumindest eine Gegenstimme sowieso aus der Opposition, und Bürgerinitiativen (pro und kontra) gibt es zusätzlich noch im Überfluss. Jede Seite (privat, aber auch politisch) bildet eine oder mehrere Initiativen und bietet Experten und Expertisen auf, die meist alles und davon das Gegenteil belegen. Das ist dasselbe wie beim politischen Lobbying, das aber zurecht einen miesen Ruf hat, während beim Wort „Bürgerinitiative“ oft die basisdemokratische Schwärmerei ausbricht. Die Zeiten, als solche Initiativen noch eine Berechtigung hatten, sind aber vorbei. Im Endeffekt zählt nur das Prinzip der indirekten Demokratie: Wer uns fähig genug erscheint, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wird gewählt. Wenn er versagt, wird er nicht wiedergewählt - trotz aller Risiken die sauberste Vorgangsweise. Bürgerinitiativen und sonstigen Lobbying-Organisationen darf beim Straßenbau wie auch bei anderen Vorhaben keine gesteigerte Bedeutung zugemessen werden. Die Politiker sollen sich im Vorfeld informieren und dann die beste Entscheidung durchziehen.
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