"Willkommen in Wien" war zu Weihnachten im ORF zu sehen: Ein Krimi von Nikolaus Leytner mit Wolfgang Böck.
Der Film sticht aus der dünn-dämlichen Suppe der einschlägigen österreichisch-deutschen Koproduktionen durch seine Qualität heraus, mit der er durchaus stellenweise an die frühen Kottans anstreift. Leytner hat dem "Trauttmann" den Kaisermühlenhäuslschmäh ausgetrieben, und so ist ein "Schuh" draus geworden (SCNR).
Doch möchte ich den Patienten noch einen Moment in den Operationssaal bitten, denn ich habe mit ihm eine Schönheitsoperation vor. Zuerst wird der Name gestrafft. Ganz verdorben ist er ohnehin nicht (vor zehn Jahren hätte man wohl "Welcome to Vienna" oder was ähnlich Englisches genommen .. oder gabs das vielleicht schon?). Schnippschnapp, der neue Name muss knackig und frisch sein und sitzen, deutsch sollte er bleiben.
Dann müssen wir die durch die erste Hälfte des Films metastasierende Musikspur entfernen. Humtahumta mit Blähblueseinschlag ist nicht einmal mehr in Österreich angesagt. Ungeeignet war dieser Sound sowieso immer. Und um komische Szenen aufzupeppen, sollten eher die Drehbuchschreiber eine Extraschicht einlegen. Doch woher einen Einfall nehmen? Vorschlag: Man lausche der dritten Staffel von "Mankells Wallander".
Nun ist das Elaborat schon ganz ansehnlich. Fast hätten wir den perfekten Austro-Krimi, da stellt sich kurz die Frage, wozu eigentlich der deutsche Kollege notwendig ist. Ohne ihn wär es schon verdammt nah am Kottan dran. Die Figuren sind plastisch, die Dialoge rennen, fast durchgehend ist das Wiener Idiom authentisch, was eine Sensation darstellt. Aber der zweite, deutsche Hauptdarsteller ...? Na wegen der Kooperation wahrscheinlich. Kann man nichts machen. (Die Frage ist nur, ob auch die Deutschen mit dem Film überhaupt glücklich sind; ihr Landsmann kommt nämlich gar nicht gut weg, und verstehen dürfte man bereits in Tirol nur mehr die Hälfte der Dialoge.)
Einmal brauch ich noch das Skalpell, denn ich will bei der Vorgesetzten des Inspektors noch etwas Elfi Eschke wegsäbeln. Wenn wir die Kommissar-Wallander-DVD schon einmal da haben, empfehle ich gleich, auch die schwedische Polizeivorgesetzte zu studieren. Überdrehter und klischeehafter brauchts nicht zu sein, die Geschichte gewinnt durch Zurückhaltung bei den Nebenrollen; wenn nur der Inspektor ein komischer Typ ist, reicht das vollkommen.
Zu guter Letzt ... oh! Da haben wir das Hauptproblem, ich hatte schon gehofft, es geht diesmal ohne. Es tut mir leid, der Patient ist ein ÖFÖ. Österreichischer Film Ohne Ende! Bei 1 Stunde 28 Minuten wird auf einmal der Laden dicht gemacht. Wie seinerzeit bei "Freispiel", aber ebenso vielen anderen österreichischen Produktionen der letzten Jahre: Auf einmal gibts eine Totale (hier: Naschmarktdächer), die Musik wird lauter, der böse Verdacht steigt auf! Alle Handlungsstränge sind offen, bitte jetzt nicht aussteigen! Das ergibt keinen Sinn! Aber auch hier keine Gnade: Aus isses.
Bei gutem Erfolg will Leytner eine Fortsetzung drehen. In diesem Fall muss man natürlich sagen: Den Film fertigdrehen. Dass die Handlung in knapp eineinhalb Stunden nicht zu einem Schluss kommen kann, ist unverständlich. Sogar bei fix beschlossenen Serien hat der Pilotfilm ein richtiges Ende. An alle Filmschaffenden, bitte merken Sie sich folgenden Hinweis eines einfachen Konsumenten: Egal wie gut der Film in den ersten 99% ist, wenn danach die Handlungsstränge nicht aufgelöst werden, geht der Film nicht in die Annalen der Geschichte ein. Kein Film ohne Ende wird je beim Publikum ein Leiberl reißen.
Vielleicht wird ja irgendwann in einem Director's Cut der Orsch angenäht, ohne den der Patient nicht sitzen kann. So ein fescher Bursch hätte es sich wirklich verdient!