Standbymodus für Dummies
Atomkraftdiskussion im Rundfunk. Man kann die Uhr danach stellen, nach ca. 7 Minuten kommt die Meldung eines Energieexperten: "Die Frage, die wir uns in Wirklichkeit stellen müssen, ist: Wie verwenden wir die Energie, die wir haben, richtig?" Dann kommt die berühmte Standby-Modus-Meldung: "Wenn wir zuhause alle Geräte statt in den Standby-Modus zu schalten wirklich ausschalten würden, könnte sich jeder Haushalt 10 Euro im Jahr sparen!"
Als ob der Standby-Modus ein perfides Instrument der Industrie mit dem alleinigen Ziel des Erhöhens unserer Stromrechnung wäre! Standby-Modus, erklärt "für Dummies": Dieser Modus ist ein Nicht-ganz-aus-Modus, bei dem aus guten Gründen bestimmte Systemfunktionen eines Geräts aktiv bleiben, also auch etwas Strom verbrauchen. Der Infrarotsensor ist aktiv, damit man das Gerät mit einer Fernbedienung einschalten kann. Oder Uhr und Timerelement eines Videorekorders prüfen fortwährend, ob eine Aufnahme fällig ist. Diese Funktion ist einem normalen Menschen locker zehn Euro im Jahr wert, da Komfortgewinn = Lebensverbesserung. Die Industrie kann und soll den Stromverbrauch im Standby-Modus minimieren, aber das Ganz-Abschalten elektronischer Geräte führt oft deren Idee ad absurdum. Abgesehen davon schädigt es Netzteil und mitunter auch -schalter.
Gespart werden sollte logischerweise bei E-Heizungen und Klimaanlagen. Die berüchtigten Bürohäuser mit Glasfassaden setzen billigen Strom voraus, damit ihr Konzept aufgeht, und sie verbrauchen Unmengen davon. Statt den einzelnen Haushalten dauernd einzureden, der Standby-Modus sei das Problem, sollte man ihnen sagen: Wählt solche Politiker nicht mehr, die diese Architektur fördern, sondern solche, die dort den Hebel ansetzen, wo es das Kraut fett macht. Genauso wie die Aufstellung von Tempo-50-Tafeln auf Freilandstraßen im Wiener Stadtrandgebiet nicht das globale Klimaproblem löst, sondern das Wählen von Politikern, die auf dem Klimagipfel was weiterbringen oder alternative Energiequellen unterstützen.
Die variablen Fixkosten, oder der Gipfel der Flexibilität
In letzter Zeit ist es modern geworden, bei Kostenvergleichen zwischen öffentlichem Verkehr und dem Autofahren beim Auto die Fixkosten hineinzunehmen und zwecks Vergleichsmöglichkeit den variablen Kosten zuzuschlagen. Jedoch gilt nach wie vor die kostenrechnerische Regel, dass Fixkosten und variable Kosten nicht vermischt werden dürfen, weil sonst zwar der Vergleich technisch möglich ist, aber keine Aussagekraft mehr hat.
Eine Schulfreundin von mir hatte ein neues Auto, meinte aber (sinngemäß): Ich fahre nur urselten damit, denn (entsetzt:) die Kosten sind irrsinnig hoch: Wenn ich 10 mal im Monat mit dem Auto fahre, kostet das im Quartal:
1. Anschaffungskosten (Annahme 10 Jahre Lebensdauer) 10.000 Euro -> im Quartal 250 Euro
2. Reparatur/Service/Winterreifen usw. im Quartal 200 Euro
3. Benzin (10 x im Monat 5 km bei 10 l / 100 km): 5 Euro
- somit im Quartal 455 Euro oder pro Kilometer 9 Euro!
Ich bin zu jener Zeit recht viel mit dem Auto gefahren, nämlich etwa 400 km pro Monat. Nach der gleichen Berechnungsweise hätte es mich gekostet:
250 + 200 + 40 = 490 Euro geteilt durch 400 km -> 1,20 Euro pro Kilometer!
"Hätte" es mich gekostet? Es hat mich tatsächlich 1,20 Euro gekostet.
Ebenso wie die Bekannte der Autokilometer 9 Euro gekostet hat. Kein Wunder, wenn mans einmal durch 50 und das andere Mal durch 400 dividiert. Man kann Fixkosten eben nicht aufteilen. Der direkte Vergleich wird dann unzulässig.
Und selbst wenn einer das Auto ausschließlich für die Fahrten anschaffen würde, die verglichen werden, ist das Problem noch immer nicht gelöst, dass bei Fixkostenaufteilung mit der Anzahl der gefahrenen Kilometer der Kilometer fälschlicherweise billiger wird.
Da aber, besonders bei den so beliebten Pendlervergleichen, das Auto ohnehin vorhanden ist, da man ja zum Beispiel damit sonntägliche Verwandtenbesuche, Einkaufsfahrten, Urlaubsfahrten, Großtransporte, Diskotaxidienst oder Ähnliches ohne öffentliche Alternative durchführt, darf man höchstens den fiktiven Pendelanteil an den Fixkosten in Betracht ziehen. Den variablen Kosten darf man ihn aber selbst dann nicht zuschlagen.