Ach, so wird vielerorts geklagt, die armen Grünen! Konnten wieder nicht dazugewinnen, weil die bösen Liberalen ihnen Stimmen weggenommen haben! Denn 9,79% (Grüne) plus 1,91% (Liberale) macht 11,7% (Grüne), womit die Grünen das BZÖ überholt hätten, wie es ihnen zusteht.
Diese plumpe Zusammenrechnung von Prozentpunkten legitimiert sich durch eine Denkweise wie: "Die Liberalen bedienen exakt dieselben Wähler wie die Grünen: Grundsätzlich anständige Menschen, die vielleicht etwas idealistisch und naiv sind (also Gutmenschen). Aber die Liberalen werden von einem Industriellen finanziert, der für einen wirtschaftsliberalen (gar neoliberalen!) Kurs steht - doch das erkennen die dummen Liberalwähler nicht. Sie mögen halt die Heide Schmidt lieber als den Van der Bellen und lassen sich von ihren schönen Worten blenden."
Jeder Liberalwähler mag das etwas anders sehen, aber ich bin überzeugt, dass viele aus wohlüberlegtem Grund nicht die Grünen wählen. Weil diese ihnen einfach nicht das geben, was sie erwarten.
Die Grünen sind zwar gesellschaftsliberal, das beschränkt sich aber auf wenige Bereiche, und im übrigen sind sie sehr regulativ. Jemand, der liberal denkt, hat eine deregulative Grundhaltung in Sinne von:
"Der Staat sollte aus dem Geld der Steuerzahler die Infrastruktur für Wohlstand und das Gedeihen der Menschen bereitstellen. Dabei sollte er so wenig wie möglich in insbesondere den privaten Lebensbereich der Menschen eingreifen. Nur wenn etwas in der Gesellschaft unrund läuft oder zu laufen droht (zB Bankenkrise, Korruption), muss er eingreifen."
So eine Weltanschauung spricht für gleiche Rechte für beide Geschlechter, Trennung von Religion und Staat, Ermöglichung der Homoehe, Abschaffung des Wehrdiensts.
Aber der Zweck heiligt nicht die Mittel. Um gegen die Ungleichstellung von Mann und Frau aufzutreten, muss man Rahmenbedingungen verändern anstatt Quoten oder Sprachregelungen vorzuschreiben. Um den Klimawandel zu bekämpfen, muss man auf höherer Ebene tätig werden als den Leuten Tempo 100 auf der Autobahn vorzuschreiben oder ein Straßenbaumoratorium zu verlangen.
Es ist ein philosophischer Unterschied, aber ein grundlegender.
Für einen liberal denkenden Menschen haben die Grünen den erhobenen Zeigefinger entschieden zu oft im Einsatz.
Und à propos, wenn die Grünen die EADS-Geschäfte von Zach und Haselsteiner lancieren, dann müssen sie sich auch die Frage gefallen lassen, was ihnen mit der Aufstellung Martin Balluchs eingefallen ist. Die LIF-Vertreter haben in der Zeit der faktischen Nichtexistenz der Partei Berufe ausüben müssen, in denen sie hier Mist gebaut haben. Die Grünen agieren hauptberuflich in der Politik und bauen ihren Mist aus Kalkül.