Wednesday, April 27. 2011
Standbymodus für Dummies
Atomkraftdiskussion im Rundfunk. Man kann die Uhr danach stellen, nach ca. 7 Minuten kommt die Meldung eines Energieexperten: "Die Frage, die wir uns in Wirklichkeit stellen müssen, ist: Wie verwenden wir die Energie, die wir haben, richtig?" Dann kommt die berühmte Standby-Modus-Meldung: "Wenn wir zuhause alle Geräte statt in den Standby-Modus zu schalten wirklich ausschalten würden, könnte sich jeder Haushalt 10 Euro im Jahr sparen!"
Als ob der Standby-Modus ein perfides Instrument der Industrie mit dem alleinigen Ziel des Erhöhens unserer Stromrechnung wäre! Standby-Modus, erklärt "für Dummies": Dieser Modus ist ein Nicht-ganz-aus-Modus, bei dem aus guten Gründen bestimmte Systemfunktionen eines Geräts aktiv bleiben, also auch etwas Strom verbrauchen. Der Infrarotsensor ist aktiv, damit man das Gerät mit einer Fernbedienung einschalten kann. Oder Uhr und Timerelement eines Videorekorders prüfen fortwährend, ob eine Aufnahme fällig ist. Diese Funktion ist einem normalen Menschen locker zehn Euro im Jahr wert, da Komfortgewinn = Lebensverbesserung. Die Industrie kann und soll den Stromverbrauch im Standby-Modus minimieren, aber das Ganz-Abschalten elektronischer Geräte führt oft deren Idee ad absurdum. Abgesehen davon schädigt es Netzteil und mitunter auch -schalter.
Gespart werden sollte logischerweise bei E-Heizungen und Klimaanlagen. Die berüchtigten Bürohäuser mit Glasfassaden setzen billigen Strom voraus, damit ihr Konzept aufgeht, und sie verbrauchen Unmengen davon. Statt den einzelnen Haushalten dauernd einzureden, der Standby-Modus sei das Problem, sollte man ihnen sagen: Wählt solche Politiker nicht mehr, die diese Architektur fördern, sondern solche, die dort den Hebel ansetzen, wo es das Kraut fett macht. Genauso wie die Aufstellung von Tempo-50-Tafeln auf Freilandstraßen im Wiener Stadtrandgebiet nicht das globale Klimaproblem löst, sondern das Wählen von Politikern, die auf dem Klimagipfel was weiterbringen oder alternative Energiequellen unterstützen.
Die variablen Fixkosten, oder der Gipfel der Flexibilität
In letzter Zeit ist es modern geworden, bei Kostenvergleichen zwischen öffentlichem Verkehr und dem Autofahren beim Auto die Fixkosten hineinzunehmen und zwecks Vergleichsmöglichkeit den variablen Kosten zuzuschlagen. Jedoch gilt nach wie vor die kostenrechnerische Regel, dass Fixkosten und variable Kosten nicht vermischt werden dürfen, weil sonst zwar der Vergleich technisch möglich ist, aber keine Aussagekraft mehr hat.
Eine Schulfreundin von mir hatte ein neues Auto, meinte aber (sinngemäß): Ich fahre nur urselten damit, denn (entsetzt:) die Kosten sind irrsinnig hoch: Wenn ich 10 mal im Monat mit dem Auto fahre, kostet das im Quartal:
1. Anschaffungskosten (Annahme 10 Jahre Lebensdauer) 10.000 Euro -> im Quartal 250 Euro
2. Reparatur/Service/Winterreifen usw. im Quartal 200 Euro
3. Benzin (10 x im Monat 5 km bei 10 l / 100 km): 5 Euro
- somit im Quartal 455 Euro oder pro Kilometer 9 Euro!
Ich bin zu jener Zeit recht viel mit dem Auto gefahren, nämlich etwa 400 km pro Monat. Nach der gleichen Berechnungsweise hätte es mich gekostet:
250 + 200 + 40 = 490 Euro geteilt durch 400 km -> 1,20 Euro pro Kilometer!
"Hätte" es mich gekostet? Es hat mich tatsächlich 1,20 Euro gekostet.
Ebenso wie die Bekannte der Autokilometer 9 Euro gekostet hat. Kein Wunder, wenn mans einmal durch 50 und das andere Mal durch 400 dividiert. Man kann Fixkosten eben nicht aufteilen. Der direkte Vergleich wird dann unzulässig.
Und selbst wenn einer das Auto ausschließlich für die Fahrten anschaffen würde, die verglichen werden, ist das Problem noch immer nicht gelöst, dass bei Fixkostenaufteilung mit der Anzahl der gefahrenen Kilometer der Kilometer fälschlicherweise billiger wird.
Da aber, besonders bei den so beliebten Pendlervergleichen, das Auto ohnehin vorhanden ist, da man ja zum Beispiel damit sonntägliche Verwandtenbesuche, Einkaufsfahrten, Urlaubsfahrten, Großtransporte, Diskotaxidienst oder Ähnliches ohne öffentliche Alternative durchführt, darf man höchstens den fiktiven Pendelanteil an den Fixkosten in Betracht ziehen. Den variablen Kosten darf man ihn aber selbst dann nicht zuschlagen.
Wednesday, March 23. 2011
In letzter Zeit tritt immer häufiger das Problem auf, dass insbesondere Unternehmen die 1. und 2. Person nicht unterscheiden können. Deswegen hier ein kurzer Leitfaden für jene, die Aussendungen an Kunden schreiben müssen und sich nicht sicher sind:
Die 1. Person, also „ich“, verwendet man dann, wenn man von sich selber spricht.
Unternehmen sehen sich meist als Gruppe von Mitarbeitern; deswegen ist, wenn sie von sich selbst reden, die 1. Person im Plural („wir“) angemessen.
Beispiel: Die Filiale gehört Firma X. Deswegen sagt der Pressesprecher der Firma X: „Wir haben eine neue Filiale eröffnet.“ und nicht: „Du hast eine neue Filiale eröffnet.“
Die 2. Person, das ist „du“, hingegen kommt dann zum Einsatz, wenn man nicht von sich selbst spricht, aber derjenige, um den es geht, zuhört. Man spricht deswegen auch von der „Anredeform“. Die Höflichkeitsform ist ein Spezialfall: Während das oben Gesagte auch bei der Anrede mit „Sie“ zutrifft (Großbuchstabe), verwendet man grammatikalisch die 3. Person Plural.
Beispiel: Firma A verkauft ihrem Kunden B eine Semmel. Der Verkäufer der Firma A sagt zum Kunden: „Hier haben Sie Ihre Semmel.“ und nicht „Hier habe ich meine Semmel.“
Diese Unterscheidungen, die im Verkehr zwischen Unternehmen und Kunden, wie bereits zuvor angesprochen, leider immer mehr in Vergessenheit geraten, sind nicht unwichtig. Bei Nichtbeachtung kann es zu großen Verwirrungen kommen. Zwei Beispiele, wie es nicht geht:

Hier wird der Anschein erweckt, die Firma UPC würde die Rechnungen, die sie selbst bezahlen muss, einfach an ihre Kunden weiterschicken - in der Hoffnung, dass diese sie begleichen. "Lieber Kunde, bezahlen Sie bitte meine Rechnung, ich wäre Ihnen sehr verbunden, UPC."

Der Abfallverband Laa erhält scheinbar von seinem Oberabfallverband Newsletter, die er an seine Kunden weiterleitet. "Lieber Kunde, falls es Sie interessiert, auch wir werden von einem Abfallverband mit Newslettern genervt. Sehen Sie selbst, was die uns schon wieder schicken."
Monday, January 3. 2011
"Willkommen in Wien" war zu Weihnachten im ORF zu sehen: Ein Krimi von Nikolaus Leytner mit Wolfgang Böck.
Der Film sticht aus der dünn-dämlichen Suppe der einschlägigen österreichisch-deutschen Koproduktionen durch seine Qualität heraus, mit der er durchaus stellenweise an die frühen Kottans anstreift. Leytner hat dem "Trauttmann" den Kaisermühlenhäuslschmäh ausgetrieben, und so ist ein "Schuh" draus geworden (SCNR).
Doch möchte ich den Patienten noch einen Moment in den Operationssaal bitten, denn ich habe mit ihm eine Schönheitsoperation vor. Zuerst wird der Name gestrafft. Ganz verdorben ist er ohnehin nicht (vor zehn Jahren hätte man wohl "Welcome to Vienna" oder was ähnlich Englisches genommen .. oder gabs das vielleicht schon?). Schnippschnapp, der neue Name muss knackig und frisch sein und sitzen, deutsch sollte er bleiben.
Dann müssen wir die durch die erste Hälfte des Films metastasierende Musikspur entfernen. Humtahumta mit Blähblueseinschlag ist nicht einmal mehr in Österreich angesagt. Ungeeignet war dieser Sound sowieso immer. Und um komische Szenen aufzupeppen, sollten eher die Drehbuchschreiber eine Extraschicht einlegen. Doch woher einen Einfall nehmen? Vorschlag: Man lausche der dritten Staffel von "Mankells Wallander".
Nun ist das Elaborat schon ganz ansehnlich. Fast hätten wir den perfekten Austro-Krimi, da stellt sich kurz die Frage, wozu eigentlich der deutsche Kollege notwendig ist. Ohne ihn wär es schon verdammt nah am Kottan dran. Die Figuren sind plastisch, die Dialoge rennen, fast durchgehend ist das Wiener Idiom authentisch, was eine Sensation darstellt. Aber der zweite, deutsche Hauptdarsteller ...? Na wegen der Kooperation wahrscheinlich. Kann man nichts machen. (Die Frage ist nur, ob auch die Deutschen mit dem Film überhaupt glücklich sind; ihr Landsmann kommt nämlich gar nicht gut weg, und verstehen dürfte man bereits in Tirol nur mehr die Hälfte der Dialoge.)
Einmal brauch ich noch das Skalpell, denn ich will bei der Vorgesetzten des Inspektors noch etwas Elfi Eschke wegsäbeln. Wenn wir die Kommissar-Wallander-DVD schon einmal da haben, empfehle ich gleich, auch die schwedische Polizeivorgesetzte zu studieren. Überdrehter und klischeehafter brauchts nicht zu sein, die Geschichte gewinnt durch Zurückhaltung bei den Nebenrollen; wenn nur der Inspektor ein komischer Typ ist, reicht das vollkommen.
Zu guter Letzt ... oh! Da haben wir das Hauptproblem, ich hatte schon gehofft, es geht diesmal ohne. Es tut mir leid, der Patient ist ein ÖFÖ. Österreichischer Film Ohne Ende! Bei 1 Stunde 28 Minuten wird auf einmal der Laden dicht gemacht. Wie seinerzeit bei "Freispiel", aber ebenso vielen anderen österreichischen Produktionen der letzten Jahre: Auf einmal gibts eine Totale (hier: Naschmarktdächer), die Musik wird lauter, der böse Verdacht steigt auf! Alle Handlungsstränge sind offen, bitte jetzt nicht aussteigen! Das ergibt keinen Sinn! Aber auch hier keine Gnade: Aus isses.
Bei gutem Erfolg will Leytner eine Fortsetzung drehen. In diesem Fall muss man natürlich sagen: Den Film fertigdrehen. Dass die Handlung in knapp eineinhalb Stunden nicht zu einem Schluss kommen kann, ist unverständlich. Sogar bei fix beschlossenen Serien hat der Pilotfilm ein richtiges Ende. An alle Filmschaffenden, bitte merken Sie sich folgenden Hinweis eines einfachen Konsumenten: Egal wie gut der Film in den ersten 99% ist, wenn danach die Handlungsstränge nicht aufgelöst werden, geht der Film nicht in die Annalen der Geschichte ein. Kein Film ohne Ende wird je beim Publikum ein Leiberl reißen.
Vielleicht wird ja irgendwann in einem Director's Cut der Orsch angenäht, ohne den der Patient nicht sitzen kann. So ein fescher Bursch hätte es sich wirklich verdient!
Tuesday, December 28. 2010
Ein neuer Service von Canoo.net: Grammatiktabellen für Verben, die noch nicht erfunden wurden!
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Friday, November 12. 2010
derstandard.at berichtet: Wurstpapier darf nicht mehr mitgewogen werden
Und wieder wird das auf die Kunden abgewälzt werden! Wer wird wohl die Rechnung bezahlen: Natürlich die Konsumenten! Wir brauchen eine Wurstpreiskommission, die dann bei Versuchen seitens des Handels, mit abgesprochenen Wurstpapierkompensationsaufschlägen die Kunden zu wurstpapierln, sofort die Kartellbehörde einschaltet! Da werden wir SEHR GENAU aufpassen müssen. An uns kleinen Leuten wird wieder alles hängen bleiben, suder!
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