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Wenn Branchenvertreter malenTuesday, August 31. 2010
Im Online-Standard wird berichtet, dass sich Minderjährige ab sofort nicht mehr im Solarium bräunen dürfen. Zitat aus dem Artikel:
"Während Ärzte die Vorgangsweise enthusiastisch begrüßen, malen Branchenvertreter den Teufel an die Wand: Ausbaden müsse die Neuregelung das Solarium-Personal, meinte Solariumsbesitzer Johann Arsenovic. Vor allem in qualitativ hochwertigen und somit personalintensiven Studios werde es zu Kündigungen kommen. Gut geschulte Fachkräfte, die kompetent informieren, müssten um ihren Arbeitsplatz bangen." Ist sicher vom Standard zugespitzt formuliert, trotzdem hier meine Assoziation: Abschaffung der Todesstrafe: Während Menschenrechtler die Vorgangsweise enthusiastisch begrüßen, malen Branchenvertreter den Teufel an die Wand: Ausbaden müsse die Neuregelung das Exekutionspersonal, so Guillotinenservice-Betreiber Hanko Hasenreißer. Vor allem in qualitativ hochwertigen Betrieben werde es zu Kündigungen kommen. Gut geschulte Fachkräfte, die kompetent killen, müssten um ihren Arbeitsplatz bangen. Bei der gegenwärtigen Lage auf dem Arbeitsmarkt könne nur ein Teil des Personals umgeschult werden; neue Betätigungsfelder für die Henker seien vor allem Fleischhauer, Schwertkämpfer und Türsteher. Die Bombe, die eine Spritze istThursday, May 27. 2010
Heute möchte ich zwei aktuelle Leserbriefe zum Thema Europäische Finanzkrise wiedergeben. In welchen Zeitungen sind sie wohl erschienen?
1. Der „Fluch des Euro“ Die Tage des Euro, oder besser gesagt, der „Einheitswährung“, sind gezählt, wenn die derzeitige Krise anhält. Natürlich können wir weiterhin „mit ihm leben“: falls die einzelnen Mitgliedsstaaten es zustandebringen, ihre eigene „Wechselgebühr“ oder ihren eigenen nationalen Euro mit Wechselkurs einzuführen und wenn dann die Kurssteigerung oder -senkung die alleinige Entscheidung der Nationalbank des jeweiligen Landes ist. Die Wechselkurse würden wiedererstehen – zwischen den verschiedenen Euros der EU-Länder. Der Euro würde somit umgewandelt in eine Nationalwährung, und Krisenländer könnten ihn auch abwerten. Gegen die Krise wäre es dann möglich, abzuwerten und dadurch die Exporte zu steigern. Momentan kann dieses Rezept nicht angewandt werden; vorrangiges Ziel ist der Euro als Einheitswährung durch die Neugestaltung der europäischen Wirtschaftsräume. „Der Euro wurde geschaffen, um die Europäischen Völker in ein Wirtschaftsbündnis zu zwingen, damit sie später auch ein politisches Bündnis schließen. Von der Einheitswährung profitiert nur eine kleine Gruppe von Banken, die ein Oligopol bildet.“ Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der einzelnen Staaten sind sehr verschieden, was natürlich Stabilität und Existenz einer Einheitswährung nicht fördert. Bisher hat die Einheitswährung nur zur wirtschaftlichen Destabilisierung der Eurozone beigetragen, zur Verbreiterung des Grabens zwischen armen und reichen Ländern. In der EU gibt es Wirtschaftsgebiete, deren einziges Interesse darin besteht, andere Länder als „Konsumenten“ zu betrachten, und das läuft in die gänzlich andere Richtung wie eine Dynamisierung der Wirtschaft kleiner Länder wie Portugal. Portugal kann doch nicht ausschließlich aus Dienstleistern und Konsumenten bestehen! „Glaubt jemand, dass der finanzielle Aufwand zur „Rettung“ von Griechenland es ermöglicht, dass dessen Defizit in vier Jahren von vierzehn auf vier Prozent sinkt? Oder wird es, ganz im Gegenteil, passieren, dass die angekündigten Maßnahmen das Land in eine gesteigerte Rezession führen werden, welche das Land in seinen Schulden untergehen lassen wird? Die Lösung für Griechenland und die anderen Länder, die Schwierigkeiten haben, ist der Ausstieg aus dem Euro. Die Schulden können dann in nationale Währung umgerechnet werden, und diese kann dann in der Folge um etwa 30% abgewertet werden, was es erlauben würde, die Wirtschaft über die Exporte wieder in Schwung zu bringen.“ Das Rezept, das Deutschland bei Griechenland anwendet, schafft zuallererst ein „versklavtes Land“ mit reduzierten Löhnen; es ist ein Vorschlag zur Herstellung billiger Arbeitskräfte. 2. Zukunft des Euro steht in den zwölf Sternen der EU-Flagge Wie ein Rudel nervöser Hyänen tanzen die EU-Führer um das schwer verletzte Griechenland. Auch die Börsianer und Anleger sind verunsichert – die Kurse rasseln in den Keller. Nun spannt Brüssel den Schutzschirm auf. Satte 750 Milliarden Euro. Es erinnert an die USA vor einem Jahr: Wirtschaftskrise und wie verrückt wird Geld gedruckt und verliehen, um den Totalzusammenbruch hinauszuzögern, von Rettung kann keine Rede sein. Diese innereuropäische Geldbombe ist eine Beruhigungsspritze, die eine im Sterben liegende Wirtschaft, aufgebaut auf purem Kapitalismus nicht wiederbeleben kann. Die Zukunft des Euro steht in den zwölf Sternen der EU-Flagge. So weit, so gut. Jetzt die Auflösung: Brief Nr. 2 ist, vielleicht entgegen Ihrem Dafürhalten, nicht aus der Krone, sondern aus dem Kurier (25.5.10). Der erste Brief stammt aus dem portugiesischen „Diário de Noticias“ (23.5.10). Zwei Erkenntnisse lassen sich aus diesem Vergleich ableiten: Erstens das niedrige Niveau, auf dem in Österreich das Thema EU abgehandelt wird. Das merkt man erst, wenn man die Meldungen in den nationalen Medien vergleicht. Ein Leserbrief wie der mit den nervösen Hyänen, rasselnden Kellerkursen, einer Bombe, die eine Spritze ist usw. hätte tatsächlich einem NS-Organ entnommen sein können. Bitte verstehen Sie dies nicht nur als Floskel oder „Totschlagargument“, sondern lesen Sie wirklich einmal ein paar der „tieferen“ gleichgeschalteten Zeitungen aus der NS-Zeit. In einem demokratischen Medium von heute, noch dazu einem mit dem Anspruch einer „Qualitätszeitung“, hat so ein Machwerk nichts verloren. Das ist auch gleich die zweite Erkenntnis: Das niedrige Niveau unserer Presse. Sowohl Kurier wie auch das Diário de Noticias verstehen sich als Qualitätszeitung mit populären Aspekten, wobei das Diário diesen Anspruch erfüllt: Im Lokalteil erfährt man vom Hungerstreik eines Vaters, dessen Kind in der Schule ungerecht behandelt wurde sowie von den täglichen Verkehrsunfällen. Aber der ausgedehnte Politikteil und die Leserbriefseite (Titel: „Leserbriefe“) bieten ein intellektuell anspruchsvolles, aber auch allgemeinverständliches Niveau. Beim Kurier überschlägt man sich nicht mit qualitätsvollen Inhalten, sondern höchstens mit Kalauer- und Sprachbildhäufungen. Die Leserbriefseite trägt den Titel „Forum“, als ob ein Forum per Definition als Sprachrohr für Rabauken und Grobiane dienen müsste. (Auf dem Forum Romanum gab es wohl Auftritte der radikalen Tribunen, aber auch das Senatsgebäude.) Inhaltlich stimme ich mit den Schreibern der Briefe nicht überein; meine Ansichten sind weit europafreundlicher. Aber die Ideen des portugiesischen Lesers, J. Edgar Da Silva, sind konstruktiv und stellen ein vielleicht etwas utopisches, aber interessantes Gedankenexperiment dar, das Stoff für intelligente Sachdiskussionen bietet. Das Geschreibsel des österreichischen Lesers (da man in Österreich leider davon ausgehen muss, dass Leserbriefe stark entstellt abgedruckt werden, sei sein Name nicht erwähnt) hingegen macht höchstens Lust aufs Geifern: Jemand mit so einer Ausdrucksweise hat die tieferen Zusammenhänge wohl kaum kapiert und würde sich anderswo damit nicht in die Öffentlichkeit wagen. Bei uns wird er noch mit Seitenüberschrift besonders hervorgehoben. In den österreichischen Medien sind auch nur halbwegs intelligente EU-kritische Meinungen leider kaum zu finden. Dass dadurch auch die Pro-EU-Meinungen stetig an Qualität verlieren, ist die Konsequenz. In Ländern wie Portugal ist die Demokratie noch jung, und die staatlichen Einrichtungen dienen noch hauptsächlich direkt dem Volk (und nicht irgendwelchen Interessensvertretern, der Wirtschaft oder einem feschen Finanzminister und seinen Freunden). Dadurch verblüfft es, dass auch Vertreter der unteren Schichten politisch wesentlich besser gebildet sind. Wenn in manchen anderen Ländern Politiker korrupt werden, nehmen sie einen Batzen Geld und verschwinden damit auf Nimmerwiedersehen. Hierzulande hingegen halten und vermehren sie sich in der Politik und richten noch bei unseren Kindeskindern Schaden an. Hoffentlich überspringt Portugal diese bittere Episode. Eine Welt der gigantischen Sinnlosigkeit - aus der SchulzeitThursday, May 6. 2010
Zu Weihnachten habe ich im Blog versprochen, hier meine Anschauungen zum Schulwesen zu veröffentlichen. Seit ich selbst die Schule verlassen konnte, habe ich mir oft Gedanken gemacht, was daran gut oder schlecht war, und wie man den Unzulänglichkeiten begegnen sollte. Ich bin ja als unverbesserlicher Systemanalytiker der Meinung, man müsse das Schulsystem ändern, um, sagen wir so, die Optimierungspotenziale auszuschöpfen. Was meine ich damit? Dass meine Schulzeit orientierungs- und motivationslos war: Ein unmotiviertes Kind mit unmotivierten Lehrern in einem gut gemeinten, aber orientierungslos dahinwurschtelnden Schulsystem. In diesem Teil soll es um das Vergangene gehen, später folgen Abhilfevorschläge.
Wenn ich in meinen Texten Ausdrücke wie „beschränkt“ oder „bösartig“ verwende, dann nicht deshalb, weil ich so ein Rüpel bin, sondern weil ich finde, dass man die Dinge beim Namen nennen muss ohne dummes Herumreden. Jeden dieser Ausdrücke verwende ich vollkommen bewusst. Unser Gymnasium (in der Wiener Billrothstraße 73, damals 2. BG 19 genannt) war erst achtzehn Jahre alt und trotzdem schon ein Sanierungsfall. Heutzutage hätte man es vielleicht gleich wieder weggerissen, wie man es mit Bädern und Pensionistenheimen aus den 70-er Jahren zu machen pflegt, aber damals hat man offenbar beherzt und zuversichtlich in die Zukunft geblickt und gemeint: Ein 18 Jahre altes Gebäude kann man doch nicht abreißen! Wir warten erst ab, bis es zwanzig Jahre älter ist, und dann reißen wir es ab. Der Zeitgeist kam dazwischen: In den neunziger Jahren begannen hin und wieder Gelder für Renovierungsarbeiten durchzusickern; dadurch bekam die Schule etwa zeitgemäße Labors und mittlerweile sogar funktionierende Fenster. Die Lehrpläne sind leider immer noch praktisch dieselben. Wenn es klingt, als sei dies die Geschichte über eine Jugend im Ostblock, dann liegt das daran, dass es in unserer Schule tatsächlich ostblockartig zugegangen ist. Mit diesem Begriff verbinden wir heute Mangelwirtschaft. Aber ich glaube heraushören zu können, dass das größere Problem der Menschen dort die Perspektivlosigkeit war, die aus einer selbstunzufriedenen, aber unreformierbaren Bürokratie resultierte, welche nur mehr sich selbst erhielt. Als unser Gymnasium neu war, gab es einen berühmten Direktor namens Sames. Warum war der berühmt? Weil er persönlich die schwänzenden Schüler aus dem benachbarten Cafe Amigo zu holen pflegte, hieß es. Das erinnert an diese Witzschilder, welche besagen: „Hier beleidigt der Chef Sie noch persönlich“ Der Nachfolger namens Wanka unterließ diese Dinge dankenswerterweise und wiederum dessen Nachfolger, Cejnek, interessierte sich mutmaßlich (hier wiedergegebene Gerüchte sind mit äußerster Vorsicht zu genießen) ohnehin nur für den Tennisplatz, der in die andere Richtung vom Cafe Amigo lag. Worum gehts eigentlich in den Harry-Potter-Romanen? Ich meine: Worum geht es da wirklich? Was ist es, was den Zauber, den Suchtfaktor ausmacht? Serien mit Magiegeplänkel gibt es ja viele, sogar sehr gute, als Buch wie als Film. Die Geschichte von Harry Potter ist auch bei weitem nicht einzigartig: Das Herr-der-Ringe-Schema neu erzählt. Nein, das ist Nebensache. In Wirklichkeit geht es darum, dass Kinder als Erziehungsobjekte ständig nicht ernst genommen werden, obwohl sie recht haben, und von einem eigenartigen „Ministery of Magic“ sowie der Schulorganisation systematisch niedergehalten werden. Vom Minister über den Rektor bis zu den Familienmatronen machen alle den Kindern immer nur Vorschriften, man weist sie zurecht, korrigiert sie und belegt sie mit ungerechten Sanktionen. Obwohl sie aber als einzige klar sehen und das Weltgeschehen kapieren! Gerade die Wahrheit wollen die Erwachsenen nicht wissen. Das erinnert mich sehr an meine Schulzeit, nur dass da kein dramatisches Weltgeschehen gewesen wäre, das man als Kern des Übels ausmachen hätte können. Allerdings habe ich das Offensichtliche gesehen und zwar einiges, aber nicht alles einfach akzeptiert. Zum Beispiel: Dass es keinen Sinn ergibt, wenn man Sechzehnjährigen verbietet, freiwillig eine Fremdsprache zu lernen, obwohl im Haus ein nicht ausgebuchter Kurs ohnehin stattfindet, mit der Begründung: Der Kurs ist nur für die Schüler der nachfolgenden Jahrgänge gedacht, und diese – egal wie wenige – haben das Recht auf die volle Beanspruchung des Lehrers. Oder dass ein ganzes Zimmer voller Schulwarte ein halbes Jahr nicht in der Lage ist, das Erbrochene eines Schülers in der Pausenhalle zu entfernen. Ob es danach einmal entfernt wurde, kann ich nicht sagen; man konnte es jedenfalls irgendwann nicht mehr erkennen. Die Schulwarte vertraten den Standpunkt: Die Schüler haben sich ihren Dreck selbst zu entfernen. Ihre Aufgabe, so vermute ich heute, sahen sie höchstens darin, ihren eigenen Dreck zu entfernen, wenn überhaupt; für anderes fühlten sie sich nicht zuständig. So absurd das heute klingt, damals betrachteten wir, die Schüler wie die Lehrer, es als Naturgesetz. Das Schulgebäude war wie gesagt sehr heruntergekommen. Wenn wir das zur Sprache brachten, hieß es natürlich, no na, wenn die Schüler alles kaputtmachten, dann müsse es ja so aussehen. Dabei hatten wir ja gar nichts kaputtgemacht. Das begann erst, als uns mit den Jahren bewusst geworden war, dass wir unseren Alltag ohnehin auf einer Müllhalde verbrachten, was keiner ändern konnte. Wir zerlegten halbkaputte Kästen, bekritzelten die Tische und Wände und zerschnitten die Plastikvorhänge. Aber da wir uns nicht mehr darüber beschwerten, störte es auch sonst keinen, und es wurde nie mehr thematisiert. Einmal, in der Abschlussklasse, fragten wir den Zeichenlehrer, ob wir den völlig beschmierten Zeichensaal „künstlerisch gestalten“ durften. Wohlgemerkt, „wir“, das waren die sensationellerweise anwesenden 5-6 Schüler, die überhaupt noch im Zeichenunterricht erschienen. Der Zeichenlehrer hatte eine anarchistische Ader und erlaubte es. Die Schmieragen der anderen Schüler wurden daraufhin mit unseren neuen, etwas bunteren Schmieragen überdeckt. Dann geschah etwas Sensationelles. Ein Schulwart steckte seinen Kopf bei der Tür herein und bemerkte, dass Schüler auf den Wänden malten. Daraufhin eilte er zum Direktor, der zu unserem Erstaunen da war, die Gelegenheit witterte, einmal einen Auftritt zu machen, und im Zeichensaal erschien. Die wenigen verbliebenen Schüler, die eben noch nicht im Cafe saßen, wurden daraufhin zusammengeschimpft. Dieses Publikum genügte dem Direktor jedoch nicht, und so erschien er am nächsten Morgen in der Klasse und schimpfte weiter, nun auch auf jene, die nicht einmal im Zeichenunterricht anwesend waren und also auch keine Schuld haben konnten. Die Schüler verpflichteten sich, den Zeichensaal neu auszumalen und danach „ordentlich“ zu bemalen, denn prinzipiell, hieß es, hatte ja niemand etwas gegen eine künstlerische Ausgestaltung. Am Ende sah der Raum aus wie zuvor – mit „Schüttbildern“ und Grafitti –, aber der Direktor konnte zufrieden eine Rede über die wiederhergestellte Ordnung halten. Er hatte sich energisch durchgesetzt. Übrigens war die letzte TV-Wiederholung von „Kottan ermittelt“ mit dem ebenso durchsetzungsfähigen Polizeipräsidenten Pilch damals erst fünf Jahre her. Oder Schikurse: Damals gab es jährlich irgendeine Art Klassenfahrt, was heute mitunter als Luxus erscheint. Allerdings wurde damals alles noch nicht so luxuriös gehandhabt und gestaltet wie heute. Besonders beim Pädagogischen wurde deutlich gespart. Wenn da irgendwo am Gang ein Kandelaberglas zerbrochen war, wurde zur Denunziation aufgefordert (wobei ich bis heute meine Zweifel habe, dass jemand von uns daran überhaupt Schuld war; ich denke vielmehr, der Pensionsbesitzer wollte dem Schikursleiter auf die Schnelle fünfzig Schilling für die Reparatur rauswürgen), und als das nicht klappte, wurden alle vier Klassen interniert, das heißt, bis auf die Schistunden in der Pension eingesperrt. Heute würde man diese Bagage von Turnlehrern als mit der Situation überfordert bezeichnen, damals spielten sie sich in ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung und Blödheit dermaßen auf, dass selbst mitfahrende junge Sprachlehrer angewidert waren. Das verflixte Kandelaberglasproblem wurde dann so gelöst, dass ein Schüler vergattert wurde, von jedem zwanzig Schilling einzusammeln. Wenn ich mich recht erinnere, nahmen damals vier Klassen mit je 25 Schülern teil, somit kostete das dämliche Glas (Größe ca. 15x20 cm) zweitausend Schilling (145 Euro)! Transparenz war damals natürlich kein Thema. Vorsicht, bösartige Mutmaßung: Wenn der Pensionswirt vielleicht 200 Schilling bekommen hat, blieb noch Geld für 72 Viertel Wein über. Ich glaube, immer wenn ich auf das Schul-„Turnen“ zu sprechen komme (die offizelle Bezeichnung des Fachs lautete „Leibesübungen“, und so viel Spaß machte es auch), verdrehe ich die Augen, mache verzweifelte Gutturallaute und weiß nicht, wo ich mit dem Lästern anfangen soll. Hier habe ich meine größten Harry-Potter-Momente. Unser Unterstufenturnlehrer war Alkoholiker und in jeder Hinsicht vollkommen daneben. Immerhin zwang er uns nicht mit militärischem Drill und penetrantem Übereifer zu unseren Leistungen. Nein, wie fast alle Lehrer war auch er eine gescheiterte Existenz, und es war ihm alles einfach wurscht. Er versuchte seine Rolle als Turn- und Deutschlehrer einigermaßen zu spielen, aber es dürfte ihn sehr angewidert haben. Nach kürzester Zeit hatte er die Schüler fachmännisch-subjektiv in drei Gruppen unterteilt: Die, die ihm egal waren, dann zwei Maxeln, die Sportasse waren, und schließlich zwei Jammergestalten: die Unsportlichen. Seine Stundengestaltung war dementsprechend: Die Sportasse loben, die Jammergestalten traktieren und den Rest irgendwie unter Vermeidung populärer Sportarten beschäftigen. In einem Semester hatte er den Geistesblitz, Punkte für Leichtathletikleistungen zu notieren, als ob die sportliche Leistung im Schulturnen ein Notenbestandteil sein sollte (doch dazu später). Nach welchem System die Punkte vergeben wurden (Stichwort Transparenz), ging uns nichts an, und hin und wieder konnten wir dann Zwischenstände vernehmen wie „Sportass: 120 Punkte. Normalo: 87 Punkte. Jammergestalt: 12 Punkte“. Selbstverständlich wurde von Lehrerseite nicht im Geringsten daran gearbeitet, diese „Leistungen“ zu verbessern. Wer beim Kugelstoßen nicht über 15 Meter kam, war halt nicht dafür geboren und musste mit einer schlechten Note leben. Gerechter gehts ja eh nicht. Erst in der Oberstufe wurde das besser. Der neue Lehrer – welcher übrigens auch nie auf Schikurse mitfuhr – war sympathisch, pflegte die Marotte, sich halbnackt auf der Wiese vor den Klassenzimmern zu sonnen und ließ uns tatsächlich unbehelligt. Wer noch immer sportinteressiert war, konnte sich einen Basketball schnappen und mit seinen Freunden spielen gehen. Wem der Sport schon ausgetrieben war, der durfte ins Kaffeehaus. Das ist heute achtzehn Jahre her, und bei aller Fairness: Die Schuld an meiner Unsportlichkeit gebe ich nach wie vor der Schule. Es ist keineswegs so, dass ich mich aus Faul- oder Sturheit vom Sport abgewandt hätte (und wenn schon – dagegen gibt es pädagogische Mittel). Wir haben in der Schule niemals etwas davon gehört, wozu man Sport überhaupt betreibt. Warum man eine Ausdauersportart betreibt, und wozu Muskeltraining, oder wie die richtige begleitende Ernährung aussieht. Wir haben nie in etwas reingeschnuppert, sind nie für etwas interessiert worden, was wir nicht kannten. Die Ideen, geeignetere Sportarten zu probieren, kamen von den Schülern (Basketball, Fußball, Laufen), nicht vom Lehrer (Kugelstoßen, Völkerball, Stangenklettern). Wenn eines der Sportasse so eine Idee hatte, wurde sie eventuell auch einmal umgesetzt. Dann spielten eben ein paar Schüler Fußball, und die Jammergestalten waren „Verteidiger“ und durften sich zwei Stunden lang abseits des Geschehens Witze erzählen, wofür sie aber natürlich auch keinen Einser erwarten durften. Bis mit vierzehn war ich übergewichtig und wollte unbedingt ein Sportler sein. Mit fünfzehn hatte ich einen Wachstumsschub, fand von selbst zu einer etwas besseren Ernährung, war das Übergewicht los und hatte mit dem Thema Sport abgeschlossen. Immer wenn ich heute dennoch welchen betreibe, bin ich stolz darauf, dass ich es trotz des entsprechenden „Unterrichts“ zehn Jahre nach der Matura geschafft habe, mich zu überwinden und damit anzufangen. Nur für Kugelstoßen, Leichtathletik und Teamsportarten bin ich noch immer nicht zu haben, das ist wohl ein für allemal vom Tisch. Gescheiterte Existenzen, die im System Unheil anrichten, und kein Korrektiv. Man möchte meinen, von Schülerseite wäre etwas unternommen worden. Leider gibt es da ein Dilemma, damals wie heute: Dass Schüler auf positive Noten angewiesen sind und die Matura bestehen müssen. Ansonsten wären wir natürlich auf die Barrikaden gestiegen (Sperrmüll hätte es in unserer Schule ja genügend gegeben), schließlich waren wir ja stürmische, leidenschaftliche Teenager. Nur es war so sinnlos! Gegen wen sollten wir denn überhaupt „kämpfen“? Gegen die Lehrer, die uns teilweise sogar leid taten? Der alkoholkranke Turnlehrer: So eine jämmerliche Erscheinung anzugreifen, wäre ja unsportlich gewesen. Manche meiner Kollegen meinten später, Personen wie die Chemielehrerin, die die halbe Zeit mit uns Kaffee trank, trügen die Schuld an der Misere. Aber keineswegs, meine ich. Natürlich hätten manche in unserer Klasse später im Studium ordentliche Chemiekenntnisse brauchen können. Aber eben nur ganz wenige, und dass den anderen das Ganze erspart wurde, ist finde ich kein Nachteil. Als alte Sozialistin brachte sie uns beim Kaffee im Chemiekammerl wenigstens politische Grundbildung bei, die zu vermitteln der eigentlich zuständige Lehrer, ein Hexen- und Freimaurerjäger sowie Bundesheerverehrer verabsäumt hatte. Nur wenige Lehrer waren wirklich Sadisten, aber nicht ständig, nicht zu allen und auf eine unterschwellige, sogar charmant-ironische Art, in etwa wie der Hauptmann Landa in „Inglourious Basterds“. Das bekamen nur jene zu spüren, die (oder deren Eltern?) irgendwie aufmuckten oder die tatsächlich nicht in der Lage waren, das zu lernen, was verlangt wurde. Nachhilfe gab es schon damals, aber wenn die auch nicht ausreichte, war es bei den sadistischeren Lehrern (die Minderzahl) schwer, durchzukommen. Dass ein Lehrer einmal bei seinen Methoden nachgebessert hätte (und unleserliche Kopien von Zeitschriftenartikeln waren damals bei uns schon der Gipfel der modernen Lehrmethoden) kam nie vor. Manche Lehrer suchten ihre persönliche Lösung darin, dass sie auf den Lehrplan pfiffen und einfach nur diskutierten. Als Gesprächspartner wählten sie dann die Handvoll politisch und philosophisch bereits extern gebildeter Schüler, die es in der Klasse gab, und der Rest wurde ignoriert, selbst bei Versuchen, konstruktiv mitzumachen. Viele von uns wären dafür zu gewinnen gewesen, sich einzubringen, dazu hätte es nur eines kleinen Bisschens pädagogischer Fähigkeit bedurft. Aber diese Lehrer hatten uns als nicht mehr zu retten eingestuft und wollten uns nicht mehr. Wieder ein Punkt fürs Cafe Amigo. Sich einbringen als Schüler, das wäre nötig gewesen. Aber nicht nur war es nicht gewünscht, es wurde auch aktiv verhindert. Dazu ein plakatives Beispiel: Als Erstklassler sollte ich im Lehrerzimmer etwas holen. Ich ging mit dem Lehrer mit. Aus der Klasse hinaus, über den Gang, in den Verwaltungstrakt, und hinter ihm ins Lehrerzimmer hinein. Sofort erhob sich ein Aufschrei: Ja, der geht ja gleich hinein! Sofort raus mit dir! Schüler dürfen nicht ins Lehrerzimmer! An dem Tag hatte ich gelernt: Egal wie unzweckmäßig oder blödsinnig, da durfte ein Schüler keinen Fuß hineinsetzen. Das Resultat war dementsprechend auch, dass immer Trauben von Schülern an der Lehrerzimmertür warteten und jene Lehrer, die zu ihrem Unglück die Tür passieren mussten, die Aufgabe hatten, ständig den Boten für im Zimmer befindliche Kollegen spielen zu müssen. Dabei fiel die Lehrerzimmertür ins Schloss und konnte ohnehin nur von Lehrern aufgesperrt werden, also hätten Schüler auch nie alleine drinnen sein können. Wie ernst genommen darf man sich als Schüler fühlen, wenn man nicht einmal auf normale Art und Weise mit den Lehrpersonen interagieren kann? Wenn nicht die fruchtbare Zusammenarbeit im Vordergrund steht, sondern irgendwelche Apartheidvorschriften? Es gab aber auch Formen einer „Schülervertretung“. Ich kann mich an zahnlose, sofort nach „Wahl“ ins System absorbierte Schulsprecher erinnern, die hin und wieder den Unterricht für irgendeine Verkündung unterbrechen durften und die man auch beschimpfen oder verspotten durfte, weshalb sie einigermaßen beliebt waren. Dann trat hin und wieder eine sozialistische Schülerorganisation in Erscheinung (AKS, Aktion kritischer Schüler), die wirklich total kritisch war und auch sehr sozialistisch, und dabei kein Anliegen vertrat, das an unserer Situation etwas verändert hätte. Einmal, in der siebenten oder achten Klasse, kamen auch Studenten in die Musikstunde, um uns Studienberatung zu geben. Diese Nieten predigten eine Viertelstunde lang, wie schwer es auf der Uni sei, wie „hart“ und dass man besser erst gar nicht hinginge, weil da müsse man aus einem gewissen Holz geschnitzt sein usw. Auf einmal hatte ich einen Harry-Potter-Anfall, stand auf und stellte die Frage, was denn der Zweck dieser Anti-Studienberatung sei und dass ich mich verarscht fühlte und angesichts dieser Frechheit ebensogut gleich ins Kaffeehaus gehen könnte, was ich daraufhin in die Tat umsetzte. Wurschtigkeit, Demotivation, Vermeidung jeglicher konstruktiver Aktion. Einmal gingen wir auf den Minoritenplatz vor dem Unterrichtsministerium demonstrieren. Wofür oder wogegen war egal, mangels irgendeiner politischer Vorbildung ging es natürlich nur um den freien Vormittag. (Dementsprechend fällt es mir heute noch schwer, demonstrierende Schüler ernst zu nehmen.) Als wir angehalten wurden zu skandieren: „Frau Minister, wir wollen unsere Zeugnisse!“, verweigerte ich. Glücklicherweise war ich kein schlechter Schüler. Deswegen konnte ich, sobald ich erkannt hatte, dass die Schule völlig sinnlos war, es mir leisten, nur mehr selektiv hinzugehen. Die übrige Zeit verbrachte ich im Kaffeehaus oder mit der Freundin, was ich beides noch heute grundvernünftig finde. Ein Notendurchschnitt von zwei komma irgendwas war schon Plansollübererfüllung, und man wurde gottlob in Ruhe gelassen. In Deutsch hatte ich heraußen, was der Lehrer lesen wollte, und die Sprache beherrschte ich hinreichend, womit ich ein Einser-Abo hatte. Praktischerweise gab es immer ein freies Thema zur Wahl, und so war ich nicht einmal angehalten, mich mit der Literatur zu befassen. Wenn ich meine Schularbeiten von damals heute lese, graut mir angesichts der Plattitüden und formalargumentativen Pflichtübungen (sozialkritisch sein! rhetorische Fragen stellen! Aufbau beachten! mit „...“ schließen!), die damals jedoch bewundert und beklatscht wurden. Vielleicht veröffentliche ich einmal so einen Text im Web, im Fall einer sadomasochistischen Anwandlung. Jedenfalls wurde ich im Großen und Ganzen in Ruhe gelassen, nur in Latein hatten wir einen Sadisten, der aber glücklicherweise soziointellektuell ziemlich beschränkt war und bei aller Bosheit zu dumm, um die einfachsten Finten seiner Schüler zu durchschauen – nein, da war die geistige Arbeit gegen die kommunistisch-freimaurerisch-hexerische Weltverschwörung und die dazugehörigen konspirativen Treffen mit Bundesheeroffizieren (leider vormittags im Cafe Amigo!) viel wichtiger. Die Englischlehrerin konnte ziemlich boshaft sein, wenn jemand nicht nach ihrer Pfeife tanzte, und bei ihr musste man auch immer Angst vor der Stundenwiederholung haben, aber immerhin hatte man bei ihr die Möglichkeit, tatsächlich etwas zu lernen. In Mathematik war das leider nicht der Fall, denn Mathematik zu lernen war auf Grundlage des gebotenen Unterrichts selbst bei Interesse und Talent praktisch unmöglich. Die Aufgaben in den Schularbeiten hatten kaum je etwas mit dem zu tun, was in den Schulstunden geübt worden war, und das völlig veraltete Lehrbuch diente nur als Aufgabensammlung. Selbst die Aufgaben aus dem Mathematikbuch unterschieden sich deutlich von jenen, die wir in der Stunde rechneten. Wenn man nicht zu den Mathematik-Naturtalenten gehörte (davon hatten wir in der Klasse zwei), hatte man ergo keine Chance auf eine positive Note, und deshalb wurden die positiven Noten auch freihändig vergeben. Ich war der Lehrerin aus irgendeinem Grund sympathisch, vermutlich weil meine Eltern sich auf dem Sprechtag immer verständnisvoll und dem Unterricht gegenüber unkritisch zeigten. Ein beliebter Spruch der Mathematiklehrerin war „Anzahl der Schüler halbe plus eins, das ist meine Formel für die [Anzahl der positiven] Schularbeiten“, denn eine Schularbeit zu wiederholen kam nicht in Frage, und das wäre erforderlich gewesen, wenn mehr als die Hälfte negativ gewesen wäre. Dabei war die Lehrerin menschlich nicht übel, ihr Charme war wienerisch-herb, und sie war weder so beschränkt wie der Lateinlehrer noch so feige wie die Französischlehrerin, die die Klassenfahrt platzen ließ, weil sie sich mit uns nicht zu verreisen traute. Die Mathelehrerin hatte nur keinerlei Ahnung von Didaktik und Pädagogik (das war auch nicht Bestandteil ihres Studiums gewesen, und ein Korrektiv gab es im System ja nicht) und im Übrigen ihren persönlichen Weg des geringsten Widerstands gefunden. Die mutlose Französischlehrerin, die wir zugegebenermaßen am Anfang auch ziemlich böse verhöhnt haben (Darstellung mit übertrieben großem behaartem Kinn), obwohl sie zu Beginn nicht unmotiviert war und sogar als sexy galt, hat sich dann bei der mündlichen Matura bei mir revanchiert, als sie mir aufgrund meiner schlechten Aussprache eine unnötig schlechte Note gegeben hat. Weder hatte sie mit mir je an der Aussprache gearbeitet noch hat sie bei der Prüfung in Betracht gezogen, dass ohnehin kein einziges Mitglied der Maturakommission Französisch beherrschte. Hemmungen, Französisch zu sprechen (obwohl ich es flüssig könnte) habe ich noch heute. Heute ist eine Bekannte von mir Lehrerin an dieser Schule, und es hat sich ihr zufolge „alles verändert“. Weder das Apartheid-Lehrerzimmer, die Schulwartsituation noch die meisten anderen exemplarisch angeführten Missstände bestehen noch. Natürlich gibt es andere Probleme, aber in diese habe ich wenig Einblick. Ich habe den Eindruck, eine extreme Schulzeit, nicht ganz so gestrig wie bei Schüler Gerber, sondern eher wie eine Mischung aus Laissez-faire und Selbstaufgabe der Beteiligten, also eine Art psychologisches Experiment, erlebt zu haben. Bei uns gab es zumindest in der Oberstufe kein Mobbing, und auch mit dem System konnte man sich arrangieren. Aber die immer wieder erlebte gigantische Sinnlosigkeit hat in mir eine Abscheu vor sämtlichen ineffizienten und unveränderbaren bürokratischen Systemen erzeugt. Wenn einer von mir verlangt, dass ich etwas besser mache, tu ich das mit dem größten Vergnügen. Das unterscheidet meine Welt von heute von der während der Schulzeit: Man hat hin und wieder auch die Gelegenheit, etwas zum Besseren zu verändern. Selten, aber doch. Im Übrigen bin ich der Meinung, eine Gesamtschule in der Qualität, wie sie zB in Finnland besteht, wäre die allerbeste Kur für unser Bildungssystem. Dass es hier wieder nur zu halbgaren Kompromissen kommen wird (wie in Deutschland), ist leider zu erwarten. Trotzdem wäre die Gesamtschule allemal besser als das aktuelle System aus dem 19. Jahrhundert. Im nächsten Beitrag gehts um die Universität. Auch keine angenehme Kost, aber mit gutem Ausgang. Fordernder ZauberWednesday, April 28. 2010Heifisch warum?Wednesday, April 21. 2010
Nach den bereits ziemlich vielen politischen No-Na-Fragen, die hier neulich abgehandelt wurden, noch ein paar Worte zur Bundespräsidentenwahl. Als ich heute die Wahlkarte geholt habe und den Stimmzettel gesehen habe, musste ich wieder einmal staunen, mit welcher Selbstverständlichkeit Namen wie „DR. RUDOLF GEHRING“ oder „BARBARA ROSENKRANZ“ in einem Zug mit jenem des amtierenden Präsidenten nicht nur genannt, sondern geradezu mit diesem auf eine Stufe gestellt werden!
Wer sind diese Leute? Eine der Personen hat, nur als Beispiel für ihr mutmaßliches Wirken, laut Profil vor zwei Jahren eine deutschnationale Sonnwendfeier auf der Windischalm besucht, bei der den Darstellungen im Profil nach das Gesangsbuch der SS rauf- und runtergesungen wurde. Die andere Person vertritt einen offenen Zugang zu den gesellschaftlichen Werten des Mittelalters, sonst aber auch schon nichts. Diese beiden Scherzfiguren treten jetzt gegen einen Heinz Fischer an? Das muss man erst einmal begreifen. Und die ÖVP, die ja mangels Erfolgsaussichten keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hat, kann sich jetzt nicht durchringen, zu verstehen zu geben: „Ja mei, wir wollten halt keinen aufstellen. Da man aber einerseits als guter Demokrat natürlich gültig wählen muss und andererseits sonst nix Nennenswertes zur Wahl steht, werden wir halt alle den Fischer wählen.“ Hat sich Fischer das verdient? Dazu die Frage: Was sind die Aufgaben eines Bundespräsidenten in Österreich? Antwort: Erstens repräsentieren. Dazu brauchts nicht viel, man sollte nur im Anzug halbwegs was hermachen, beim Essen nicht sabbern, zusammenhängend reden können, eventuell noch die Grundprinzipien der Diplomatie durchschauen und, äh, ja, nicht vor laufender Kamera das SS-Gesangsbuch rauf- und runterzusingen pflegen! Zur zweiten Aufgabe: Der Bundespräsident dient bei uns als Regulativ. Er kann die Gesetze, die der Nationalrat ihm vorlegt, unterschreiben oder auch nicht. Und womit? Mit Recht! Denn er wurde direkt vom Volk aufgrund seines Charakters und seiner Einstellung persönlich gewählt. Zudem kann er die Regierungsbildung steuernd beeinflussen, indem er einen gewissen Rahmen vorgibt, was geht und was er nicht mehr toleriert. Beides hat er bereits in tadelloser Manier ausgeübt. Wenn er zusätzlich hin und wieder etwas linkslastige Meinungen zum Besten gibt, soll man ihm das nicht übel nehmen, denn immerhin wurde er ja seinerzeit offen von der SPÖ aufgestellt und wurde vom Volk auch im vollen Bewusstsein, dass er ein Linker ist, gewählt. Auch wenn er weniger Sprachen beherrschte als die Gegenkandidatin. Zusammenfassend: Kann man was anderes als Fischer wählen? - Nur wenn man auf die Demokratie pfeift. Hat sich Fischer das auch verdient, dass man ihn wählt? Ja.
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