<?xml version="1.0" encoding="utf-8" ?>
<?xml-stylesheet href="/blog/templates/default/atom.css" type="text/css" ?>

<feed version="0.3" 
   xmlns="http://purl.org/atom/ns#"
   xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#"
   xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
   xmlns:admin="http://webns.net/mvcb/"
   xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
   xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/">
    <link href="http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3" rel="service.feed" title="Mattos Blog" type="application/x.atom+xml" />
    <link href="http://www.matto.at/blog/"                        rel="alternate"    title="Mattos Blog" type="text/html" />
    <link href="http://www.matto.at/blog/rss.php?version=2.0"     rel="alternate"    title="Mattos Blog" type="application/rss+xml" />
    <title mode="escaped" type="text/html">Mattos Blog</title>
    <tagline mode="escaped" type="text/html">Flauschfigurenparade</tagline>
    <id>http://www.matto.at/blog/</id>
    <modified>2010-08-31T09:20:53Z</modified>
    <generator url="http://www.s9y.org/" version="1.0">Serendipity 1.0 - http://www.s9y.org/</generator>
    <dc:language>en</dc:language>
    <info mode="xml" type="text/html">
        <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">You are viewing an ATOM formatted XML site feed. Usually this file is inteded to be viewed in an aggregator or syndication software. If you want to know more about ATOM, please visist <a href="http://atomenabled.org/">Atomenabled.org</a></div>
    </info>

    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/350-Wenn-Branchenvertreter-malen.html" rel="alternate" title="Wenn Branchenvertreter malen" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-08-31T09:20:53Z</issued>
        <created>2010-08-31T09:20:53Z</created>
        <modified>2010-08-31T09:20:53Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=350</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=350</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/350-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Wenn Branchenvertreter malen</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Im <a target="blank" href="http://derstandard.at/1282978563475/Ab-September-Solarium-Verbot-fuer-Jugendliche-Mediziner-begruessen-Neuregelung">Online-Standard</a> wird berichtet, dass sich Minderjährige ab sofort nicht mehr im Solarium bräunen dürfen. Zitat aus dem Artikel:<br />
<br />
"Während Ärzte die Vorgangsweise enthusiastisch begrüßen, malen Branchenvertreter den Teufel an die Wand: Ausbaden müsse die <br />
Neuregelung das Solarium-Personal, meinte Solariumsbesitzer Johann Arsenovic. Vor allem in qualitativ hochwertigen und somit personalintensiven Studios werde es zu Kündigungen kommen. Gut geschulte Fachkräfte, die kompetent informieren, müssten um ihren Arbeitsplatz bangen."<br />
<br />
Ist sicher vom Standard zugespitzt formuliert, trotzdem hier meine Assoziation:<br />
<br />
<i>Abschaffung der Todesstrafe: Während Menschenrechtler die Vorgangsweise enthusiastisch begrüßen, malen Branchenvertreter den Teufel an die Wand: Ausbaden müsse die Neuregelung das Exekutionspersonal, so Guillotinenservice-Betreiber Hanko Hasenreißer. Vor allem in qualitativ hochwertigen Betrieben werde es zu Kündigungen kommen. Gut geschulte Fachkräfte, die kompetent killen, müssten um ihren Arbeitsplatz bangen. Bei der gegenwärtigen Lage auf dem Arbeitsmarkt könne nur ein Teil des Personals umgeschult werden; neue Betätigungsfelder für die Henker seien vor allem Fleischhauer, Schwertkämpfer und Türsteher.</i> 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/349-Beim-Huehnerarzt.html" rel="alternate" title="Beim Hühnerarzt" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-07-29T07:08:43Z</issued>
        <created>2010-07-29T07:08:43Z</created>
        <modified>2010-08-31T09:56:32Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=349</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=349</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/349-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Beim Hühnerarzt</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Wenn wir ihnen das Futter brachten, machten unsere Hühner einen schrecklichen Lärm. Als es immer schlimmer wurde, nahmen wir die lauteste Henne und gingen mit ihr zum Ornithopäden.<br />
Der Arzt betrachtete das Tier mit einem Galloskop, machte ein Ornithogramm und diagnostizierte schließlich eine nicht pathologische Megalophonie. Vielmehr sei das Tier in hohem Maß phagophil, und dazu komme eine akute Ovulationseuphorie. Obwohl eine gewisse Ansteckungsgefahr bestehe, könnten wir es wieder bedenkenlos in unser Gallodrom lassen. Erleichtert verließen wir den Kotoiater. 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/348-Das-heikle-Regulierungsgleichgewicht.html" rel="alternate" title="Das heikle Regulierungsgleichgewicht" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-07-26T08:58:10Z</issued>
        <created>2010-07-26T08:58:10Z</created>
        <modified>2010-08-31T09:59:42Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=348</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=348</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/348-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Das heikle Regulierungsgleichgewicht</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Heute zwei Ausführungen, die mit dem Thema der staatlichen Regulierung zu tun haben.<br />
<br />
<b>Das Erfolgsrezept der freien Demokratien</b><br />
<br />
Das „Erfolgsrezept“ der freien Demokratien gegenüber autoritären, korrupten oder sonstwie misslungenen Staaten ist, dass sie sich die wilde Urkraft des Individuums zunutze machen, nämlich <b>seine Gier</b>. Dazu braucht es ein perfekt ausgewogenes Staatskonstrukt als Regulativ. Dieser Staat muss ohne zu stören die Rahmenbedingungen dafür setzen, dass die Gier sich auf nützliche Weise entfaltet und dabei keine Individuen auf der Strecke bleiben. Jeder muss die Gelegenheit haben mitzumachen (keine wirtschaftlichen Einstiegsbarrieren, weder als Arbeitgeber noch als Arbeitnehmer), und auch diejenigen, die hauptsächlich oder ausschließlich als Konsumenten mitmachen, sollen auf ihre Rechnung kommen.<br />
<br />
Nimmt sich der Staat als Regulator <b>zuviel</b> heraus, ist er überautoritär, und die Sache tendiert in Richtung des Kommunismus, wie wir ihn aus der Praxis kennen.<br />
Lässt der Staat die „Gier“ sich unkontrolliert ausbreiten (<b>laissez-faire</b>), kommt es zu Raubtierkapitalismus, Oligopolen, Ausgrenzung von Gesellschaftsschichten.<br />
<br />
Beide unausgewogenen Spielarten sind suboptimal und tendieren in Richtung Ungleichheit und Armut.<br />
<br />
<b>Die Mitte zu finden</b>, ist eine heikle Sache. Man kann sich die Situation vielleicht am besten als ein chemisches Experiment vorstellen, bei dem eine bestimmte Abweichung in der Dosierung einer bestimmten Komponente das Ganze in die Luft gehen lässt.<br />
<br />
<hr /><br />
<br />
<b>Unter- und Überregulierung</b><br />
<br />
Immer wieder gibt es Fälle, dass ein tapferer Amtstierarzt Tiere beschlagnahmt, weil sie unter schlechten Bedingungen gehalten werden. Neulich war wieder ein Pferd betroffen, das nicht nur ausgehungert war, sondern dessen Hufe auch schon so lange nicht geschnitten worden waren, dass es nicht mehr stehen konnte.<br />
Mittlerweile haben wir in Österreich endlich ein brauchbares Tierschutzgesetz, das für fast alle üblichen Haus- und Nutztiere eindeutig festschreibt, wie sie gehalten werden müssen.<br />
Bleibt nur das Problem, dass fast alle Tiere von <i>irgendwem</i> – also Personen ohne notwendige Qualifikation – <i>irgendwie</i> – also ohne faktische Kontrolle – gehalten werden können. Im Fall von privater Tierhaltung schreitet der Amtstierarzt normalerweise nur dann ein, wenn der Halter angezeigt wird, meist vom Nachbarn. Ich finde aber, <b>die Kontrolle der Tierhaltungsgesetze sollte nicht hauptsächlich auf Denunziation beruhen</b>, sondern, ähnlich wie beim Pickerl fürs Auto, regelmäßig von öffentlicher Seite (idealerweise den Ländern) vollzogen werden. Für Großtiere auch im privaten Bereich flächendeckend, also der komplette registrierte Bestand von zB Pferden innerhalb von 2-3 Jahren, für Hunde stichprobenartig. Und auch bei den Kleintieren sollte es zumindest eine Anzeigepflicht für die Haltung geben. Eine solche Leistung wird klassischerweise über Haltungsabgaben finanziert.<br />
<br />
<b>Wieso aber hier zusätzliche Regulierung einführen, wo der Trend doch zur Deregulierung gehen sollte?</b> Deregulierung darf nicht zum reinen Dogma werden, man muss schon differenzieren: Heute werden viel mehr Tiere gehalten als früher, und von viel weniger qualifizierten Personen. Nicht nur gibt es viel mehr Hunde, sondern auch sehr viel mehr Pferde. Pferdehaltung war früher fast ausnahmslos entweder Aufgabe der professionellen Landwirte (die ja dafür qualifiziert waren), oder es handelte sich bei den Tieren um Sportpferde, die auch, da sie sozusagen Wertgegenstände darstellten, einigermaßen gepflegt wurden. <b>Heute können Sie über willhaben.at ein Pferd privat kaufen, es sich liefern lassen und daheim damit tun und lassen, was Sie wollen, solange Sie kein Nachbar anzeigt.</b> Sie können langsam dem Alkoholismus verfallen und das Pferd dabei nur sporadisch füttern, es anbinden, schinden und verwildern lassen, und keine öffentliche Stelle interessiert sich von sich aus dafür. Ein Kraftfahrzeug hinterlässt bei den Behörden zeit seiner Existenz weitaus mehr Spuren.<br />
<br />
Die Tierhaltung ist eines der seltenen Beispiele für Unterregulierung. Parallel dazu haben wir aber auch eine <b>massive staatliche Überregulierung</b>. Das weiteste Feld dabei ist das Gewerberecht. Nach der Revolution von 1848 herrschte weitgehend Gewerbefreiheit, aber nach und nach wurde diese wieder abgeschafft. Dafür gibt es einen guten und einen dummen Grund:<br />
<br />
<b>Der gute Grund: Schutz der Bürger vor Pfuschern.</b> Deshalb darf sich nicht jeder ohne entsprechende staatlich anerkannte Qualifikation zum Arzt erklären. Desgleichen gilt für Apotheker. Auch Betreiber oder Verkäufer von technischen Einrichtungen müssen Normen erfüllen und dafür Prüfungen nachweisen. Dann kommen die Nahrungsmittelhersteller und -verabreicher (Gastronomen) sowie Elektriker, Installateure udgl. Letztere sind aber nicht in anderen Ländern so reguliert wie bei uns. Der Schutz vor Pfuschern soll ja eigentlich nur Leib und Leben schützen – das gilt zB teilweise beim Elektriker, und beim Installateur – na ja. Das führt uns gleich zum zweiten Grund für Gewerbebeschränkungen:<br />
<br />
<b>Der dumme Grund. Dahinter steht der reine Egoismus von Berufsgruppenvertretern</b> oder ein ähnlicher Unfug. Wer mühsam sein Handwerk gelernt hat und nun möglichst viel Geld damit verdienen will, strebt oft danach, im Geiste der mittelalterlichen Gilden sein Berufsfeld nach außen zu schützen und drumherum Barrieren aufzubauen. Schließlich liebt man keine Emporkömmlinge, die einem als plötzliche Konkurrenten nicht nur den Umsatz rauben, sondern dabei vielleicht auch noch schlechtere Qualität liefern (was uns ein wunderbares Argument für die Verteidigung der Gewerbebarrieren gibt). Was tut eigentlich unsere Berufsvertretung? Die muss das bekämpfen. Aus diesem Grund haben wir heute so unvernünftige Sachen wie das geschützte Gewerbe der Fotografen, obwohl das Schlimmste, was durch Pfusch dabei passieren kann, ist, dass die Hochzeitsfotos nix werden. Leib und Leben sind dadurch wohl kaum bedroht. Und: So transparent ist der Markt allemal, dass man als Konsument im Vorfeld herausfinden kann, welcher Fotograf schlecht und welcher gut ist.<br />
<br />
<b>Das Pfuscherphänomen</b> ist sicher ein Problem für den Staat, aber auch dieses muss man etwas kritischer durchleuchten, als es die Politik zu tun pflegt. Gemeinhin versteht man unter einem Pfuscher irgendeinen bösen Arbeiter, der einen arglosen Bürger in den Erwerb von Leistungen hineintrickst und diese dann ganz schlecht erbringt, weil er ja keine Gewährleistung gibt, und der Bürger das erst im Nachhinein merkt, wenn das Haus zusammengestürzt ist. Warum aber werden Pfuscher derart massiv beschäftigt? Erstens weil sie <b>niedrigere Preise</b> haben, und zwar v.a. um den Steuer- und Abgabenanteil niedrigere. Deswegen gilt der Trend: Je höher die Abgabenbelastung auf Handwerksleistungen ist, desto höher ist auch der Pfuschanteil in der Wirtschaft. Wenn ein Handwerker regulär 15.000 Euro verlangt, aber im Pfusch nur 6000, sollte das dem Gesetzgeber zu denken geben (weniger in Richtung mehr Kontrolle, sondern in Richtung Senkung der Abgabenquote). Erspart man sich als Privatperson bei einer Renovierung durch einen Pfuscher 9000 Euro, sind die Bedenken bezüglich Gewährleistungsausfall schnell vergessen. Die 9000 Euro zusätzlicher Spielraum sind die überzeugendste „Gewährleistung“.<br />
<br />
Aber es gibt auch noch ein zweites, immer wichtigeres Argument für den Pfusch: <b>Die Nichtanwendbarkeit der im obigen Sinn „dummen“ Gewerbebeschränkungen.</b> Der Tischler darf die Küche aufbauen plus E-Herd und Geschirrspüler anschließen plus eine Nische zumauern, verputzen und verfliesen. Der Betriebskonsulent macht die Hochzeitsfotos. Der Netzwerktechniker zieht eine Trennwand zum Serverkammerl auf. Und der Programmierer darf sich seine Kenntnisse über elektrische Schaltungen zunutze machen, indem er die Steckdosen in der Gartenhütte verkabelt. Wohlgemerkt, jede einzelne der dafür offiziell erforderlichen Ausbildungen dauert ca. 3 Jahre plus eventuelle Praktika und kostet eine Menge Geld. Unternehmenskonstrukte, bei denen all diese Handwerker unter einem Dach arbeiten und anbieten (zB ein „Küchenstudio“) sind eine gute Alternative, aber erfordern, wie alle etwas größeren Unternehmen, viel Kapital und Zeit für den Aufbau, und müssen natürlich die beträchtlichen Kosten an die Kunden weitergeben. (Im Fall von Ärzten sind Gemeinschaftspraxen aus einem anderen Grund de facto unmöglich, nämlich weil die Krankenkassa ihre Verträge ausschließlich an einzelne Ärzte vergibt.)<br />
<br />
<b>Probleme bei der Umschulung durch das Arbeitsamt.</b> In diesem Zusammenhang finde ich es auch absurd, dass man Arbeitslose zwangsläufig immer nur in die wenig oder nicht beschränkten Gewerbebereiche umschult. Das führt zu einem überdimensionalen Aufkommen von immer neuem Büropersonal oder „neuen Handwerkern“, also Programmierern oder Grafikdesignern (das sind neuere, „ungeschützte“ Gewerbe, die also noch nicht unter den Schutzmantel einer Standesvertretung schlüpfen konnten). Die Nachfrage nach klassischen Handwerkern kann hingegen kaum befriedigt werden, geschweige denn dass es unter ihnen eine ernsthafte Konkurrenz im positiven Sinn gibt – aufgrund der Gewerbebarrieren kann ja auch kaum ein 45-Jähriger „auf Installateur umsatteln“. 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/347-Dann-lieber-gleich-eine-Schellack-ritzen-lassen.html" rel="alternate" title="Dann lieber gleich eine Schellack ritzen lassen" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-07-18T11:45:12Z</issued>
        <created>2010-07-18T11:45:12Z</created>
        <modified>2010-08-31T09:59:52Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=347</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=347</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/347-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Dann lieber gleich eine Schellack ritzen lassen</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                <i>Ein Brief, den ich an Ö1 geschickt habe. Die genannten Sendungen sind übrigens wirkliche Hammer - die Gesprächspartner waren anscheinend wegen der Hitze besonders enthemmt. Sollte das jemand lesen, der sich den Luxus eines Ö1-Downloadabos leistet, seien sie ihm ans Herz gelegt.</i><br />
<br />
Sehr geehrte Damen und Herren!<br />
<br />
Zuerst Lob: Am Freitagnachmittag gab es in Ö1 zwei hervorragende, ebenso<br />
interessante wie humorvoll präsentierte Sendungen, nämlich "Von Tag zu<br />
Tag" mit Adolf Holl und "Da capo: Im Gespräch" mit Elia Bragagna.<br />
<br />
Ich war begeistert! Diese Sendungen wollte ich gerne auf MP3 oder CD<br />
haben, auch um sie meine Frau hören zu lassen.<br />
<br />
Jetzt bitterer Tadel:<br />
<br />
Ich musste feststellen, dass die Downloads nur im "Jahresabo" um 40 Euro<br />
erhältlich sind.<br />
In früheren Zeiten konnte man sich über telefonische Kontaktaufnahme mit<br />
dem Hörfunk eine Sendung auf Schellack ritzen und mit der Post zusenden<br />
lassen, was 7500 Schilling kostete (ich übertreibe).<br />
Leider unterscheidet sich der Status quo noch nicht wesentlich davon!<br />
<br />
Deshalb bitte ich Sie dringend, meinen folgenden Kundenwunsch an die<br />
entsprechende Stelle weiterzuleiten:<br />
<br />
Heutzutage ist es üblich, kommerzielle Musikstücke um 1 Euro pro Stück,<br />
gänzlich ohne Aboverpflichtung, online zu erwerben. Sollen es bei einer<br />
Ö1-Interviewsendung von mir aus 3 Euro sein. Auf jeden Fall müsste sie<br />
einzeln zu erwerben sein.<br />
<br />
Obwohl: Wir zahlen ja gerade wegen der qualitätsvollen Inhalte die<br />
ORF-Gebühr (meine Frau und ich sogar 2x für Wohnung und Haus, plus nicht<br />
unbeträchtliche wiewohl dubiose Summen für Digital-Decoderkarten). Das<br />
legitimiert uns aber noch immer nicht zum Download von Ö1-Radiosendungen.<br />
<br />
Was wir hingegen ständig kostenlos bekommen könnten, sind die eher nicht<br />
 so volksbildnerisch wertvollen Produktionen von Ö3 (Mikromann usw.),<br />
die  einem im Internet nur so um die Ohren fliegen.<br />
<br />
Also: Während alles andere, egal wie dumm und sinnlos, durch die<br />
Rundfunkgebühren abgedeckt ist, muss man für Ö1-Sendungen - die einzigen<br />
dem Bildungsauftrag entsprechenden Produktionen - nicht nur zusätzlich<br />
bezahlen, sondern das auch noch nach einem Geschäftsmodell (Jahresabo),<br />
das anachronistisch und schikanös ist, kurz: den Bildungsauftrag des ORF<br />
zusätzlich torpediert.<br />
<br />
Und ja, ich weiß, als Ö1-Clubmitglied würde ich mir 10 Euro ersparen.<br />
Schmecks!<br />
<br />
Mit freundlichen Grüßen<br />
<br />
<hr /><br />
<br />
Tags darauf kam folgende Antwort:<br />
<br />
<i> Vielen Dank für Ihr E-Mail und das Interesse, das Sie unserem Klassik- und Kulturprogramm Österreich 1 entgegenbringen . Gerne haben wir Ihr Lob  den betreffenden  Redaktion  en  zur Kenntnis gebracht.<br />
<br />
Zur Frage der Kosten: Versorgungsauftrag und Programmauftrag für den Österreichischen Rundfunk sind im ORF-Gesetz geregelt. Als Gebührenzahler erhalten Sie demgemäß die dem ORF gesetzlich vorgeschriebenen Leistungen, einschließlich des Onlineangebotes. Unsere Podcast-, Download- und Streaming-Angebote sind jedoch nicht Teil des gesetzlichen Versorgungsauftrags . S ie werden daher auch nicht durch die Rundfunkgebühren gedeckt und dürfen das von Gesetzeswegen auch nicht. Die Erträge aus unserem Zusatzangebot decken nicht nur die daraus folgenden höheren Kosten des ORF für Erstellung und Vertrieb von Downloads und Podcasts ab - wir müssen damit auch die Ansprüche der Rechteinhaber (Autoren, Musikschaffende und -Interpretierende, Verlage etc.) mit den Verwertungsgesellschaften abrechnen. Programmverbreitung via Internet ist nämlich eine eigene Vertriebsform und deswegen in vielen Fällen extra zu honorieren.<br />
<br />
Selbstverständlich haben wir Ihre Stellungnahme bezügli ch d es Downloadabos auch in unser Serviceprotokoll aufgenommen, das täglich alle Redaktionen und Führungskräfte von Ö1 zur Einsichtnahme erhalten.<br />
<br />
Für Ihr Interesse an unserem Klassik- und Kulturprogramm Ö1 bedanken wir uns und verbleiben</i><br />
<br />
Nun frage ich mich: Wie finanziert sich dann TVthek (ORF-Gratisportal mit Streams von TV-Produktionen) oder der Download der Ö3-Sendungen? Eine Willkommen-Österreich-Sendung dürfte komplizierter abzurechnen sein als ein Ö1-Interview, das eine angestellte Redakteurin mit einem Wissenschaftler führt. Wahrscheinlich war ich mit meinem Anliegen an der falschen Adresse; es scheint wohl vor allem an der Wurschtigkeit höherer Entscheidungsträger zu liegen, dass ausgerechnet die qualitätsvollen Eigenproduktionen nicht ohne Hindernisse herunterzuladen sind.<br />
<br />
<hr /><br />
<br />
Jetzt ist noch eine zweite Antwort gekommen, Auszug:<br />
<br />
<i>Alternativ zu den Ö1-Downloads können Sie Sendungskopien von Einzelsendungen - ganz ohne Abonnement-Pflicht - über das Ö1-Audioservice (audioservice@orf.at; 0043-1-50170-374) auf MC oder CD beziehen. Die beiden von Ihnen gelobten Sendungen sind zum Preis von je € 26,- (Ö1-Clubmitglieder € 19,80) zzgl. € 3,- Versandspesen (einmalig) auf MC oder CD erhältlich.</i><br />
<br />
Mit Auf-den-Briefträger-Warten kosten die beiden Sendungen somit 54 Euro statt im Download-Abonnement 39 Euro. <strong>seufz</strong><br />
<br />
<i>Wir ersuchen höflichst um Verständnis dafür, dass Ö1 seine Angebote nicht individuell auf jedes einzelne Clubmitglied zuschneidern kann.</i><br />
<br />
Als Clubmitglied hat mans leider gar nicht viel besser, denn dann legt man ab:<br />
Monatliche Rundfunkgebühr 23 Euro plus Jahres-Clubgebühr 27 Euro plus ermäßigte Jahres-Downloadgebühr 29 Euro.<br />
<br />
Ein Kompromissvorschlag, wie man das Bezahlangebot mit nur drei unterschiedlichen Preisen doch <i>individuell auf jedes einzelne Clubmitglied zuschneidern</i> könnte (abgesehen von der naheliegenden Null-Lösung):<br />
<br />
Einzeldownload von Sendungen: 2 Euro für eine lange, 1 Euro für eine kurze Sendung, oder das Jahresabonnement. Wetten, dass der Umsatz dann deutlich höher ist?<br />
 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/346-Zwangsarbeit-JETZT-abschaffen!.html" rel="alternate" title="Zwangsarbeit JETZT abschaffen!" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-07-14T10:57:52Z</issued>
        <created>2010-07-14T10:57:52Z</created>
        <modified>2010-08-31T09:59:59Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=346</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=346</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/346-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Zwangsarbeit JETZT abschaffen!</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Nun wird endlich die Abschaffung des verpflichtenden allgemeinen Wehrdiensts diskutiert. Ein Schritt, den die meisten westlichen Demokratien und darunter alle direkten EU-Nachbarn schon getan haben (Deutschland hat die Wehrpflicht „ausgesetzt“). Nur Österreich sträubt sich. Die ÖVP: Kommt nicht in Frage. Die SPÖ: Haben wir schon mal überlegt, aber nein. Die FPÖ: Viel zu teuer.<br />
Das Gegenargument ist komischerweise fast immer, dass das Heer dann zu teuer wäre (obwohl viele Militärexperten sich mit gegenteiliger Meinung zu Wort gemeldet haben) oder man nicht weiß, was dann mit dem Zivildienst passieren soll. Offenbar macht sich keiner über die wirklich zentrale Frage Gedanken, nämlich: <b>Ist es okay, wenn der Staat jungen Leuten (mehr oder weniger) ein Lebensjahr wegnimmt?</b> Wobei der Staat ja wir alle sind, und wir alle finden das – aktuellen Umfragen zufolge – mehrheitlich eh nicht okay. Dabei sollten direktdemokratische Befragungen gar keine Rolle spielen; so eine Frage gehört natürlich von den gewählten Volksvertretern ernsthaft behandelt, bestmöglich entschieden und danach umgehend umgesetzt (Volksbefragungen nur behelfsweise). Gehen wir das Thema einmal systematisch an:<br />
<br />
<b>Ist es in Ordnung, wenn der Staat Menschen zu einem Dienst zwangsverpflichtet?</b> Manche sagen <i>generell</i> ja. Damit widersprechen sie der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK), um die wir nicht herumkommen, und die der Meinung ist, dass niemand gegen seinen Willen vom Staat oder sonst irgendwem zu Zwangsarbeit verpflichtet werden darf. Einzige Ausnahme, die seinerzeit zwangsläufig hineingeschrieben wurde (weil man sich sonst wohl kaum geeinigt hätte): Der staatliche Wehrdienst. Und exakt das ist heute bei uns der Status quo, denn der Zivildienst ist nichts anderes als der Wehrersatzdienst und zählt somit zum Wehrdienst. Was aber <i>nicht</i> geht, ist, die Wehrpflicht abzuschaffen und durch einen „verpflichtenden Sozialdienst“, ein „verpflichtendes Sozialjahr“ odgl. zu ersetzen. Warum? Weil das laut EMRK <b>Zwangsarbeit</b> wäre. Aber nicht nur laut EMRK, auch der bürgerlich-demokratische Freiheitsbegriff vertritt natürlich diese Ansicht, oder kurz: der allgemeine Menschenverstand, die heute herrschende Moral. Und was macht denn der Staat mit den Zivildienern? Er verschafft sozialen Organisationen billige, unqualifizierte Zwangsarbeiter und erspart sich so finanzielle Zuwendungen. Da der Staat aber wir alle sind, und wir uns mit diesen Tricks ja letztlich nur selbst anlügen, gehört hier endlich einmal jene Ordnung geschaffen, die die meisten anderen zivilisierten Länder schon haben: Dass auch diese Art von Leistungen qualifiziert erbracht werden muss und daher auch anständig bezahlt sein soll.<br />
<br />
<div style="margin-left: 20px;">Kurzum, der Anlass für die Abschaffung der allgemeinen Wehrpflicht muss in erster Linie die moderne demokratisch-freiheitliche Weltanschauung sein. In den Medien ist aber leider immer nur von Einsparungen und finanziellen Umschichtungen beim Heer die Rede. Auf der Basis solcher Absichten kann man natürlich alles und jedes begründen und widerlegen.</div><br />
<b>Können wir die blöde EMRK dann nicht irgendwie umgehen</b> und trotzdem einen verpflichtenden Sozialdienst einführen? - Nein, die EMRK werden wir nicht so einfach los, auch wenn rein theoretisch mit Zweidrittelmehrheit ein entsprechendes Verfassungsgesetz beschlossen werden könnte. Die EMRK ist politisch ein Fixbestandteil des geeinten Europa, und überdies – ich wiederhole – vernünftig und moralisch ebenso unabdingbar wie unaufweichbar. <b>Die Einführung eines verpflichtenden Sozialdiensts wäre nichts anderes als die (Wieder-)Einführung des allgemeinen Arbeitsdienstes, eine für faschistische Diktaturen der Dreißigerjahre angemessene Einrichtung, die für eine moderne Demokratie hingegen einfach nur eine Schande wäre und demzufolge auch heute in keinem zivilisierten Land mehr existiert.</b><br />
<br />
<b>Wenn ich also keine billigen Zwangsarbeiter mehr habe, wie finanziere ich dann die Sozialdienste</b> wie Rotes Kreuz udgl.? - Natürlich so wie früher oder wie in anderen Ländern auch: Indem ich qualifizierten Arbeitskräften einen entsprechenden Lohn zahle. Woher aber dafür das Geld kommen soll? Hier gibt es leider wirklich ein Dilemma: Da die Europäische Kommission der Ansicht ist, der Markt der Sozialdienste wäre ein „freies“ Marktsegment (weil es in manchen Mitgliedsstaaten so ist), sind staatliche Zuschüsse hier nicht erlaubt. Das heißt, die Freigabe dieses Markts ließe die Preise von einem Tag auf den anderen deutlich steigen. Jeder verhinderte Mitbewerber (zB ein Krankentransportdienst) könnte eine Wettbewerbsbenachteiligung per Gerichtsentscheid zu Fall bringen. Das ist aber sicher kein unlösbares Problem, denn bei entsprechendem Druck kann man auf Europäischer Ebene sicher eine Ausnahmeregelung erzielen – Ausnahmeregelungen gibt es ja auch in weit weniger staatswichtigen Bereichen. Und das Krankentransportwesen (als Beispiel) hat eindeutig Versorgungscharakter, mit dem man argumentieren kann. <b>Wenn man es denn tut.</b> Man (die Regierung) müsste halt irgendwo anfangen, und der erste Schritt wäre, mit Ehrlichkeit und Entschlossenheit endlich die unerträgliche, anachronistische Situation beenden, dass der Staat es sich herausnimmt, aus den Reihen der Bürger Zwangsarbeiter zu rekrutieren. <b>Erzwungene Arbeit ist immer Zwangsarbeit, da kann man nichts schönreden. Und auf Zwangsarbeit kann ein demokratischer Staat einfach nicht seine Sozialdienste aufbauen.</b><br />
<br />
Dazu passendes Zitat eines Juristen:<br />
<br />
<i>Der einzige Unterschied zwischen Zivildienst und Sklaverei ist, dass man als Zivildiener nicht sachenrechtliches Eigentum seines Dienstgebers ist.</i> 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/345-Rauchverbotsgedankenkonstrukt.html" rel="alternate" title="Rauchverbotsgedankenkonstrukt" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-07-07T12:17:10Z</issued>
        <created>2010-07-07T12:17:10Z</created>
        <modified>2010-08-31T10:00:12Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=345</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=345</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/345-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Rauchverbotsgedankenkonstrukt</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Letztens war hier von einem wichtigen ethischen Grundsatz die Rede, nämlich dass <b>die Freiheit des  Einzelnen dort endet, wo die Freiheit des Anderen beginnt.</b> Dieser Grundsatz eignet sich hervorragend zum Abklopfen von gesellschaftlichen Lenkungsmaßnahmen. Ich habe versucht, auf ihm aufbauend eine schlüssige Argumentation zur Frage <b>Rauchverbot in der Gastronomie</b> – ja oder nein – herauszuarbeiten. Das Ganze ist natürlich extrem kopflastig, aber wie ich hoffe, auch endlich einmal vernünftig durchdacht, logisch und nachvollziehbar. Wenn Sie Lust haben, folgen Sie meinem Gedankenexperiment.<br />
<br />
Neben dem obenstehenden Grundsatz verwende ich noch einen Weiteren, nämlich jenen, dass man <b>wenn man im Licht der Gesellschaftsordnung zwei Interessen abwägt, jenes mehr zählt, das der Gesellschaft insgesamt besser dient.</b> Der Zweck der Gesellschaftsordnung wiederum ist, für ein möglichst qualitätsvolles Zusammenleben der Individuen zu sorgen, auf Basis der Lustmaximierung jedes Einzelnen.<br />
<br />
Was gibt es für Gründe gegen das Rauchen; warum will ein Nichtraucher nicht in der Nähe eines Rauchers sein?<br />
<br />
<b>1. Passivrauchen</b> ist erwiesenermaßen ungesund. Nur wenn man es in Grenzen hält, kann man es ohne Schaden zu nehmen ertragen. Servierpersonal aber setzt sich auf jeden Fall gefährlichem Passivrauch aus; folgerichtig dürfte es aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes eigentlich kein Servierpersonal in Raucherlokalen geben.<br />
<b>2. Zigarettenrauch stinkt: Ansichtssache.</b> Babygeschrei stört: auch Ansichtssache. Doch es gibt einen Unterschied: Babygeschrei kommt von Babys, und die sind für unsere Gesellschaft nötig. Beim Rauchen handelt es sich um die Befriedigung einer persönlichen Sucht, das bringt der Gesellschaft rein gar nichts (außer der Steuern auf die Zigaretten).<br />
<b>3. Kleidung stinkt</b> schon nach 5 Minuten im Raucherlokal, und der Nichtraucher trägt den Gestank auch noch zu sich nach Hause. Viele Raucher verstehen das Argument nicht, weil sie Zigarettenrauch nicht als unangenehm empfinden oder ihn kaum mehr selbst wahrnehmen. Man könnte sich jedoch genauso an Flatulenz- oder einen leichten Verwesungsgeruch gewöhnen.<br />
<b>4. Hustenreiz und Augenbrennen:</b> Hier werden die Schleimhäute und Atemwege von Menschen tatsächlich beeinträchtigt. Dabei handelt es sich um keine Paranoia, das ist evident. Wiederum stecken Raucher das weg, weil sie sich daran gewöhnt haben.<br />
<br />
<b>Und die geeigneten Gegenmaßnahmen?</b><br />
<br />
Erst die Frage, <b>wozu überhaupt Gegenmaßnahmen:</b> Wenn einer etwas tut, das andere stört, dann darf er das in Anlehnung an die oben benannten Grundsätze nur dann, wenn es insgesamt für alle („die Gesellschaft“) von Vorteil ist. Aus diesem Grund sind auch harte Drogen verboten (die Gesellschaft will ihre Mitglieder vor Drogensucht und -tod schützen), es gibt Überholverbote (nur weil <i>einer</i> das Risiko in Kauf nimmt, dass ein riskanter Überholvorgang schiefgeht, dürfen noch nicht andere gefährdet werden), und die Gerichte dürfen Sexualmörder einsperren.<br />
<br />
<div style="margin-left: 20px;">Beim Rauchen störe ich andere in einer Weise, die deren Wohlbefinden und teilweise sogar deren Gesundheit beeinträchtigen kann. Eine gesellschaftliche Legitimation dafür kann ich als Raucher nicht vorweisen. Deshalb hat meine Freiheit in diesem Fall dort zu enden, wo die der anderen beginnt, und ich muss dafür sorgen, dass diese von meinem Rauchen verschont bleiben. Natürlich darf ich aber, wenn ich andere nicht störe, weiterhin rauchen, denn ich schade ja nur mir selbst, und auf eine Stufe mit harten Drogen kann das Zigarettenrauchen wohl kaum gestellt werden (es ist weniger schädlich, und man kann relativ leicht damit selbst aufhören).</div><br />
Lösung A wäre, dass der Nichtraucher sich vom Raucher fernhält. Wenn aber beispielsweise der Großteil der interessanten Lokale Raucherlokale sind, muss man abwägen, <b>was moralisch mehr zählt:</b> Das Recht des Rauchers, rauchend in Lokale zu gehen, oder das Recht des Nichtrauchers, belästigungsfrei in <i>dieselben</i> Lokale zu gehen. Auch hier heißt es wieder: Welchen Gemeinnutzen hat das eine, welchen das andere? Eindeutig hat der Nichtraucher das berechtigtere Interesse, und ergo ist Lösung B – der Raucher lässt das Rauchen oder hält sich vom Nichtraucher fern – besser als Lösung A.<br />
<br />
Lösung C gibt es auch noch: Der Raucher raucht, aber stört den Nichtraucher dabei nicht. Das kann funktionieren, wenn man in Lokalen <b>Raucherabteile</b> einrichtet und die Trennung vom Nichtraucherbereich tatsächlich funktioniert. (Nach der Argumentation im letzten Absatz dürfen dabei aber nicht die Nichtraucher in einer unattraktiven Ecke versteckt werden.) Diese Lösung ist vollkommen in Ordnung.<br />
<br />
Will man jedoch auch funktionierende Raucherabteile verbieten, dann ist das nur aus zwei Gründen legitim: Erstens wegen des Dilemmas mit dem Servierpersonal (Arbeitnehmerschutz), und zweitens, wenn man das Argument der Volksgesundheit bringt: Die Gesellschaft muss endlich weniger rauchen, damit die Leute länger leben (ihr eigenes langfristiges Interesse), wegen der Vorbildfunktion gegenüber der Jugend und/oder wegen der Kosten für das Gesundheitswesen. Diese Argumentation ist aber problematisch: Wie weit darf der Staat in die persönliche Freiheit  eingreifen, wie weit darf man die „Freiheit des Anderen“ abstrahieren? Wenn unsere Enkelkinder  auch mit dem Rauchen anfangen, nur weil wir heute keine strengeren Regelungen einführen, überschreiten wir damit die Grenze zu ihrer „Freiheit“? Und welche Gründe wären dabei legitim? Im Zweifelsfall ist mit derart abstrakten Argumenten eher Zurückhaktung angebracht, denn hier besteht tatsächlich die Gefahr der Überregulierung mit schlechtem Vorbild für andere Bereiche des Lebens.<br />
<br />
<b>Zusammenfassend:</b> Ich komme zu dem Schluss, dass nur dann, wenn die Freiheit des Einzelnen durch das Rauchen, das letztlich keinen gesellschaftlichen Interessen dient, die Freiheit des Anderen einschränkt, das Rauchen verboten werden muss. Also in Gaststätten grundsätzlich ja, aber in Bereichen, wo andere nicht beeinträchtigt werden können, unbedingt nein. 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/344-Nichtglauben-und-nichtglauben-lassen.html" rel="alternate" title="Nichtglauben und nichtglauben lassen" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-07-04T10:05:31Z</issued>
        <created>2010-07-04T10:05:31Z</created>
        <modified>2010-08-31T10:00:20Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=344</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=344</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/344-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Nichtglauben und nichtglauben lassen</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Einige Missverständnisse über Religion und Leben, die von Theologen/Kirchenanhängern gerne manipulativ ausgenützt werden:<br />
<br />
<i>„Wer nicht gläubig ist, hat ja gar keine Werte, gar keine Orientierung im Leben. Wie kann man in dieser Leere nur existieren? Was ist denn das für ein Leben, was unterscheidet uns denn dann von den Tieren“ usw.</i><br />
<br />
Diese „Leere“ ist in etwa das Gleiche wie jene Leere, die man empfindet, wenn man zu rauchen aufgehört hat: Man glaubt etwas zu brauchen, dabei ist es nur die Gewohnheit. Die meisten Menschen benötigen lediglich eine Art von Orientierungshilfe. Zeitgemäß wären hier <b>ethische Fundamente</b>. Die beste ethische Grundlage für das tägliche Handeln sind aus einfachen Prinzipien (Gerechtigkeit, friedliches Zusammenleben in Wohlstand als Ziel) und Erfahrungen selbst hergeleitete Prinzipien, sprich: Eigene Denkleistung. Dogmatische Verkürzungen wie echte Religionen (Christentum) oder Ersatzreligionen (Stalinismus) können heutzutage nicht mehr funktionieren.<br />
Wie kommt man als Mensch in die Lage, sich ein brauchbares Leitsystem zu formulieren? Durch Bildung. Geschichte, Ethikunterricht, Philosophie und dergleichen. Aber natürlich nur durch Unterricht, der <i>nicht</i> von Theologen oder Geistlichen gehalten wird.<br />
<br />
<i>„Glauben kann man nur in der Gemeinschaft; man braucht die Gemeinschaft zum Glauben.“</i><br />
<br />
Im Gegenteil, <i>richtigen Glauben</i>, oder besser gesagt: eine taugliche ethische Überzeugung kann man nur <b>alleine für sich, im eigenen Kopf</b>, entwickeln. Bei dieser Entwicklung spielen äußere Einflüsse zweifellos eine Rolle, aber nicht jene, dass man sich in der Gruppe gegenseitig anspornt, die richtigen Einstellungen zu vertreten. So etwas führt leicht wieder zu Verkürzungen – man glaubt etwas zu verstehen, hat den Schluss aber nicht selbst gezogen – und öffnet dogmatischer Verblendung wiederum Tür und Tor.<br />
Dabei soll der Gläubige nicht den Umgang mit anderen Gläubigen meiden, genausowenig wie der liberale Denker den Umgang und die Diskussion mit seinesgleichen meiden soll. Nur <b>auf seinem Weg</b>, gläubig oder liberal zu <i>werden</i>, muss er zu den fixfertigen Meinungen auf Distanz gehen und <b>selbst das Hirn einschalten</b>.<br />
Und eine Gemeinschaft, die mithilfe von mystischen Ritualen, Gehirnwäsche und Strafdrohungen verhindert, dass Mitglieder abfallen, disqualifiziert sich ohnehin von selbst.<br />
<br />
<i>„Du bist ja überhaupt kein Atheist! Du bist ja nur Agnostiker.“</i><br />
<br />
Das ist so ein Religionslehrer-Spezialtrick: Mit diesem „eigentlich bist du ja eh auf unserer Seite“ (siehe auch weiter unten) wird der Rebell gleich wieder an Bord gehievt. Was steckt dahinter?<br />
Atheist ist – kurz gesagt – einer, der meint: <b>Es gibt keinen Gott.</b> Antrieb ist üblicherweise die Feststellung, dass die <i>Kategorie</i> Gott keinen Sinn ergibt. Das heißt aber: Es gibt keinen christlichen Gott, keinen moslemischen, keinen Gott der Tiere, kein „allwissendes Universum“, nicht das fliegende Spaghettimonster und so weiter, weil schon die <b>Frage nach einem Gott falsch ist</b>.<br />
Agnostiker ist einer, der sagt: Ich weiß es nicht, ob es einen Gott gibt. Man kann es nicht beweisen.<br />
Ist jetzt jeder Agnostiker ein Atheist? Natürlich, denn er glaubt ja an keinen Gott und offensichtlich ebensowenig an die Sinnhaftigkeit der „Kategorie Gott“.<br />
Hier dreht ein rhethorisch guter Theologe aber den Spieß um und sagt: Ahaa, dem Agnostiker gehts also ums Beweisen! Kann er aber die Nichtexistenz Gottes beweisen? Die Ablehnung der Kategorie "Gott" durch den Agnostiker wird hiermit elegant überspielt. Folgerichtig kommt nun das Argument, der Agnostiker müsse also <b>dem Glauben neutral gegenüberstehen</b>. Und tatsächlich hört man oft von Agnostikern, die meinen, sie seien keineswegs Atheisten, und die sogar regelmäßig mit Partnern oder Freunden in die Kirche gehen.<br />
Dabei bedeutet „Agnostiker“ aber nicht „Mir ist alles so wurscht, dass ichs genauso gut auch akzeptieren kann“, sondern „Mit einem Begriff 'Gott' fang ich nichts an, lasst mich mit derlei unvernünftigen Dingen in Ruhe.“ Oder einfach so ausgedrückt: <b>Agnostiker ist ein Unterbegriff von Atheist.</b> <a href=“http://de.wikipedia.org/wiki/Atheismus#Begriffsweite_und_-herkunft“ target=“_blank“>Wikipedia</a> sagt dazu diplomatisch, aber hinreichend deutlich: „Agnostiker werden dann zu den Atheisten gezählt, wenn schon das Nichtvorhandensein von Gottesglauben als Atheismus angesehen wird. Agnostische Ansichten, nach welchen auch die Nichtexistenz Gottes nicht gewusst werden kann, sind hierbei nicht benannt.“<br />
<br />
<i>"Du bist Atheist, ich bin Christ, dabei unterscheidet uns doch so wenig. Schließ dich mir an."</i><br />
<br />
Ich erwidere darauf: Offenbar haben wir weitgehend deckungsgleiche ethische Überzeugungen. Du schreibst sie der Religion zu; ich meinen eigenen Erfahrungen und der damit verbundenen Gedankenarbeit. Die <b>gedankliche Zwischenschicht des Religiösen</b> habe ich allerdings nicht benötigt und benötige sie auch in Zukunft nicht. Die Ablehnung derartiger Hilfskonstrukte ist für mich aber essenziell, da sie nach meiner Überzeugung weniger nützen als vom richtigen Weg ablenken. Wenn auch du ohne diese „vorgeschalteten“ Dinge auskommst, dann haben wir tatsächlich die gleiche Anschauung. Deshalb solltest du dich eher mir anschließen. Aber ich werde dich weder zwingen noch sonstwie bedrängen, denn ein weiteres wichtiges Prinzip für mich lautet: Die Freiheit  des einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt - <b>auch von Missionierungsversuchen</b>.<br />
<br />
<i>„Nur weil dir die (katholische) Kirche gegen den Strich geht, musst du dich doch nicht von deinem Glauben lossagen (ie: austreten)!“</i><br />
<br />
Das ist sogar richtig! Austreten sollte man, weil man erkennt, dass man <b>keine Kirche benötigt, um ein guter Mensch zu sein</b> (eigentlich braucht man ja nicht einmal eine Kirche[nmitgliedschaft], um Christ zu sein). Und wer sich bei den Missbrauchsmeldungen der letzten Monate entsetzt fragt, wieso <i>gerade die Kirche</i> so falsch mit den Internatmissbrauchsfällen umgeht, soll sich fragen: Wieso gerade die Kirche <i>nicht</i>? Bis in die 70-er, 80-er Jahre hinein hat wohl jede Institution, die ein Internat betrieben hat, erzieherisch versagt und den Zöglingen Gewalt angetan. Das hat damals zur Erziehung gehört, und zur Massenerziehung in einer Art Kinderkaserne schon überhaupt. Zudem ist die katholische Kirche eine gesellschaftliche Gegenordnung zum demokratischen Staatswesen, mit dem sie sich zwar arrangiert, aber es im Kern ablehnt. Das ergibt sich ganz logisch aus dem Postulat, dass nur die eigene „Wahrheit“ Wahrheit ist. <b>Gerade so eine Organisation wird kaum plötzlich vor der weltlichen Ordnung auf die Knie fallen und in vorauseilendem Gehorsam um Vergebung betteln.</b> Andere Institutionen aber genausowenig: Was war zB in russischen Kinderheimen der 50-er Jahre los, und wie würde wohl die russische Regierung auf die Anzeige von Missbrauchsfällen reagieren?<br />
Diese Geschehnisse sind in vielen Fällen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Aber der Hauptgrund für einen Kirchenaustritt sollte sich meiner Meinung nach schon aus der Infragestellung der Institution Kirche oder der Kategorie Gott ergeben.<br />
<br />
<i>„Wenn du willst, dass dein Kind mitbekommt, was geschieht, dann tauf es nicht als Säugling, sondern erst später, zum Beispiel mit vier Jahren.“</i><br />
<br />
Ein Säugling kriegt von der Taufe gar nichts mit. Wenn man ihn auf diese Weise überrumpelt, ist es noch, sagen wir sarkastisch, auf eine ehrliche Weise unfair. Wenn man den jungen Menschen aber ein paar Jährchen später dem Gruppendruck der katholisch beeinflussten Gesellschaft oder katholischer Einrichtungen aussetzt und ihn auf diese Weise in den Wunsch, getauft zu werden, hineinmanipuliert, ist das <b>sehr hinterhältig</b>. Zumindest bis nach der Pubertät sollte man mit der Idee der Taufe schon warten, wenn man Wert auf eine ehrliche Entscheidung des Betreffenden legt.<br />
<br />
<i>„Wieso soll sich die katholische Kirche jetzt 'auf Zuruf' reformieren, nur weil es vielleicht der Mode / dem Zeitgeist entspricht? Über die Jahrhunderte war die Kirche ein Fels in der Brandung, und das ist gut so.“</i><br />
Siehe <a target=“_blank“ href=“http://www.matto.at/blog/archives/67-Muss-die-Kirche-immer-mit-der-Mode-gehen.html“>diesen älteren Artikel</a>.<br />
<br />
<hr /><br />
In diesem Artikel habe ich viele Dinge, über die große Denker schon seit Jahrtausenden diskutieren, stark verkürzt und im Licht des Alltags dargestellt. Ich empfehle eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema zum Beispiel über <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Portal:Atheismus" target="_blank">das Atheismus-Portal von Wikipedia</a>. 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/343-Vier-Seiten-Fegefeuer.html" rel="alternate" title="Vier Seiten Fegefeuer" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-06-30T07:54:18Z</issued>
        <created>2010-06-30T07:54:18Z</created>
        <modified>2010-08-31T10:00:32Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=343</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=343</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/343-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Vier Seiten Fegefeuer</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Um für seinen Roman einen Verleger zu finden, braucht man einen Text, der bereits auf den ersten vier Seiten packend geschrieben ist und keinen der anfängertypischen Erzählfehler aufweist. Die Geschichte muss leserfreundlich und spannend aufgerollt sein, die Charaktere sollen Interesse erwecken. Alles muss Lust auf mehr machen.<br />
<br />
Hans Peter Roentgen hat in seinen Internetforen Amateurschreiber aufgerufen, ihre Werke zu posten, und diese auf die Vier-Seiten-Tauglichkeit geprüft. Das Ergebnis ist in Form eines schmalen (aber nicht unbedingt wohlfeilen) Ratgebers gedruckt erschienen und heißt „Vier Seiten für ein Halleluja“. Und es funktioniert: Die teilweise wirklich grässlich zu lesenden eingesandten Texte werden mit ein paar Handgriffen zu potenziellen Hits. Roentgen wendet wenige einfache Regeln mit Geschick an und erklärt dem Leser verständlich, was er da tut und warum. Für Leute, die bessere Geschichten schreiben möchten, ist das Buch ein wichtiges Hilfsmittel.<br />
<br />
Doch nun zum großen Aber. Inhaltlich kann „Vier Seiten für ein Hallejuja“ überzeugen, formal aber ist es eine Katastrophe. Eine Katastrophe von solchem Ausmaß, dass ich leider extra warnen muss. Es beginnt schon damit, dass der Name des Autors auf dem hinteren Umschlag zweimal verschieden geschrieben wird. Im Buch bricht dann der Wahnsinn aus: Gleich im Vorwort weist der Autor zwar ausdrücklich darauf hin, dass „Rechtschreibfehler in den eingesandten Texten“, „soweit entdeckt, korrigiert“ worden seien. Zynisch kann daraus gefolgert werden, dass der Autor offenbar große Schwierigkeiten hat, Rechtschreibfehler überhaupt zu entdecken, und dass er sich um die Rechtschreibung in seinen eigenen Texten gleich gar nicht schert.<br />
<br />
Neben klassischen Rechtschreibfehlern wird eine Art Freistil-Interpunktion gepflogen, bei der im Prinzip um jede Gruppe zusammengehöriger Worte herum ganz, teilweise oder auch gar nicht  Beistriche gesetzt werden können; der Strichpunkt ist hingegen weitgehend unbekannt. Dass Dass-Fehler keinen guten Eindruck machen, spielt ebensowenig eine Rolle wie die Getrennt- und Zusammenschreibung von Wörtern. Schließlich sind auch beim Textsatz einige Unsauberkeiten passiert. Kurzum: Ein Lektorat hat dieses Buch nicht genossen – obwohl der Verfasser ironischerweise auf einer der hinteren Seiten sogar noch Lektoratsleistungen anbietet!<br />
<br />
Ein Ratgeber nach dem heute leider häufigen Schema: Inhaltlich genial, billig umgesetzt, formal kaputtgespart.<br />
<br />
<a href="http://www.amazon.de/Vier-Seiten-f%C3%BCr-Halleluja-Schreibratgeber/dp/3940235369/ref=sr_1_1?ie=UTF8&s=books&qid=1277884482&sr=8-1" target="_blank"><i>Vier Seiten für ein Halleluja</i> bei Amazon</a> 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/342-Nie-wieder-Peresse,-Hernandesse,-Souaresse!.html" rel="alternate" title="Nie wieder Peresse, Hernandesse, Souaresse!" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-06-28T09:13:00Z</issued>
        <created>2010-06-28T09:13:00Z</created>
        <modified>2010-08-31T10:00:41Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=342</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=342</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/342-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Nie wieder Peresse, Hernandesse, Souaresse!</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Leider sind die wenigsten Sportkommentatoren imstande, ausländische Namen halbwegs korrekt auszusprechen. Das betrifft jedoch nicht nur exotische Sprachen, sondern auch relativ geläufige wie Italienisch und Spanisch. Vor allem bei Spanisch ist es paradox, denn die spanische Rechtschreibung sorgt dafür, dass man die richtige Aussprache jedes Worts eindeutig aus der schriftlichen Wiedergabe ablesen kann. Hier gibt es keinen Interpretationsspielraum, ein Computerprogramm könnte es 100% korrekt erledigen, und dieses Programm wäre auch noch sehr einfach.<br />
<br />
Dabei bin ich keineswegs ein Verfechter der unbedingt akkuraten Aussprache fremder Wörter im Rundfunk, der wir zum Beispiel Ohrenschmäuse wie „Ah-kschenn“ (action) oder „Bahst-hn“ (Boston) in den Nachrichten zu verdanken haben. Solche überkorrekten Aussprachen geben meist die Lautvariante einer ganz bestimmten Region wieder; meist ist das eine unpassende (ein britischer Regisseur wird keinen „Ah-kschenn“-Film drehen sondern wohl eher einen „Äktsch-n“-Film), und nach meinem Dafürhalten kann es sowieso keinem Deutschsprechenden vorgeworfen werden, wenn er nicht über alle Aussprachedetails aller anderen Sprachen, aus denen Wörter oder Namen in deutsche Sätze kommen, Bescheid weiß.<br />
<br />
Zumindest eines sollte man als Sportkommentator, der das ja beruflich macht, aber anstreben, nämlich dass Wörter aus Sprachen mit fast identischen Lautsystemen wie im Deutschen zumindest auf der richtigen Silbe betont werden. Das ist alleine des Verständnisses wegen erforderlich und keineswegs zuviel verlangt. Sehen Sie selbst: Hier haben wir die überschaubare Regel, auf welcher Silbe spanische Wörter und Namen betont werden:<br />
<br />
(1) Hat das Wort einen Akzent?<br />
<b>Ja:</b> Dann dort betonen. ENDE!<br />
<b>Nein:</b><br />
(2) Endet das Wort auf einen Vokal oder auf N oder auf S?<br />
<b>Ja:</b> Dann auf der vorletzten Silbe betonen. FERTIG!<br />
<b>Nein:</b><br />
(3) Dann auf der letzten Silbe betonen. PASST!<br />
<br />
Das deckt schon einmal 99% aller Wörter ab.<br />
Wer das restliche Prozent auch noch schnupfen will, hier die Ergänzung:<br />
<br />
(4) Richtiges Silbenzählen im Spanischen: Zwei aufeinanderfolgende Vokale gelten im Spanischen als eine Silbe. Soll es nicht so sein, hat einer der Vokale einen Akzent (der Name <i>Ra&uacute;l</i> hat also zwei Silben).<br />
<br />
Besonders bei RTL ist immer von einem pseudofranzösischen Spieler namens <i>Souar<b>esse</b></i> die Rede. Der Mann kommt aber aus Uruguay, schreibt sich <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Luis_Alberto_Su%C3%A1rez" target="_blank">Su&aacute;rez</a> und wird nach Regel (1) auf der vorletzten Silbe betont.<br />
Leider ist der Akzent in der Blockschrift nicht verpflichtend, deshalb sollte man die Spielernamen eher vom Blatt mit einer korrekt geschriebenen Aufstellung lesen als von den Trikots.<br />
<br />
Für jene, die nun den Ehrgeiz haben, die spanische Aussprache gleich ganz zu knacken – und vor allem für alle deutschsprachigen Sportkommentatoren – schließe ich gleich Lektion 2 an: den<br />
<br />
<b>Patent-Kurzüberblick über die spanische Aussprache für Sportkommentatoren</b><br />
<br />
Welche Sprachvariante nehmen? Die komplizierteste? Eher nein! Sondern die einfachste! Und das ist die lateinamerikanische. Hier gibt es keine Laute, die wir im Deutschen nicht kennen, konkret nicht den „zeta“-Laut („z“ klingt wie das englische th im Wort <i>thing</i>). Das Zeta gibts ohnehin nur in Spanien, wo man sich aber auch ohne versteht.<br />
<br />
(1) Alle <b>Vokale</b> sind „mittellang“: Nicht besonders kurz, nicht besonders lang. Deshalb gibts auch keine Doppelkonsonanten, welche die Kürze hervorstreichen wie zB in italienisch <i>rep&ugrave;bblica</i> und auch keine Dehnungsschreibweisen wie das deutsche „ie“.<br />
(2) Es gibt nur zwei <b>Doppelkonsonanten</b>, und die stehen für eigene Laute (weswegen sie auch als Buchstaben gesehen werden): Das LL (sprich: j) und das RR (besonders lang gerolltes R).<br />
(3) Wo wir schon beim R sind: Es wird mit der Zungenspitze gebildet und gerollt. Wer das nicht kann, solls gar nicht erst lange versuchen, sondern ersatzweise das deutsche Gaumen-R besonders deutlich aussprechen. (Für Ehrgeizige: Der Trick besteht darin, dass man bei der Aussprache vorne eine gewisse Menge Luft mit ausstoßen muss. Trotzdem ist das Übungssache.)<br />
(4) N mit Tilde (~), also &Ntilde;, spricht man „nj“.<br />
(5) Y ist immer „i“ (kann sich auch zu j verschleifen wie in <i>ayer</i>) und nie „ü“.<br />
(6) H wird nicht ausgesprochen. <b>Niemals nicht!</b> Auch nicht in <i>Hern&aacute;ndez</i>!<br />
(7) G vor I oder E wird zu „ch“.<br />
(8) J ist immer „ch“.<br />
(9) C vor I oder E wird zu „s“.<br />
(10) Z ist immer „s“.<br />
(11) U nach G wird nicht gesprochen. (Nein, auch nicht in <i>Miguel Herz-Kestranek</i>! Außer natürlich, der Mann hat schon resigniert und wünscht es ausdrücklich.) Soll das U ausnahmsweise trotzdem klingen, ist es mit Punkten bestückt: Ü.<br />
(12) QU wird immer „k“ gesprochen, nicht „kw“.<br />
(13) CH ist „tsch“.<br />
(14) V ist immer (annähernd) „w“ und nie „f“. (Mit „annähernd“ meine ich, dass am Anfang jedes Vs die Lippen geschlossen sind, sodass es mehr wie eine Mischung aus „m“ und „w“ klingt. Ist aber für den Alltagsgebrauch nicht ausschlaggebend.)<br />
(15) Entgegen dem in den Sprachbüchern üblichen Geschreibsel können Zwielaute (Diphtonge) im Spanischen sehr wohl auch verschmelzen, wichtig ist aber, dass man die beiden Vokale trotzdem noch hört. Im spanischen Wort <i>fiel</i> (treu) hört man kein langes I wie im deutschen „viel“, sondern ein I und danach ein E. Beim <i>au</i> von <i>precauci&oacute;n</i> hört man ein A, dann ein U, und dazwischen verschmelzt mans halt; man will sich ja nicht die Zunge brechen.<br />
(16) X ist meistens „gs“, manchmal „s“, im Wort <i>M&eacute;xico</i> aber „ch“. Der Grund ist, dass das ein alter Name ist, der nach neueren Rechtschreibregeln eigentlich <i>M&eacute;jico</i> geschrieben würde.<br />
(17) Spezielle Feinheit, die für Sportkommentare aber nicht sonderlich relevant sein dürfte: Stoßen ein N und ein V zusammen, wird meist das N zu „m“: Also falls die Fußballteams einmal mit der Straßenbahn anreisen sollten: <i>tranv&iacute;a</i> = „tramw<b>i</b>a“.<br />
(18) Faustregel für nichtspanische Namen von Personen aus spanischsprachigen Ländern: In der Regel verspanischt man die Aussprache solcher Namen. Nicht immer, aber wie gesagt in der Regel.<br />
<br />
Und nicht die Betonungsregeln vergessen:<br />
<i>M&aacute;rques</i>: Bitte, bitte, bitte nicht mehr pseudofranzösisch „Marquesse“ sagen! Der Mann heißt „M<b>a</b>rkes“. Analog <i>P&eacute;rez</i> (P<b>e</b>res), <i>Rodr&iacute;guez</i> (Rodr<b>i</b>ges).<br />
<br />
In der Wiener Zeitung gibt es zum selben Thema eine interessante <a href="http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabID=4409&Alias=wzo&cob=500906" target="_blank">Sedlaczek-Glosse</a>.<br />
<br />
<hr /><br />
Anmerkung vom 7.7.10: Nachdem der ORF sich bisher bei der Aussprache spanischer Namen noch recht gut geschlagen hat, war gestern nun von einem Uruguayer namens "Suar<b>esch</b>" die Rede. Man dürfte zur Ansicht gelangt sein, dass das uruguayische Spanisch den portugiesischen Ausspracheregeln folgt. 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/341-BRIGITTE-EDERER-Neue-Crocs.html" rel="alternate" title="BRIGITTE EDERER: Neue Crocs?" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-06-14T08:46:20Z</issued>
        <created>2010-06-14T08:46:20Z</created>
        <modified>2010-08-31T10:00:52Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=341</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=341</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/341-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">BRIGITTE EDERER: Neue Crocs?</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Natürlich wissen Sie es schon, wird ja seit Monaten in den ORF-Nachrichten getrommelt: BRIGITTE EDERER hat soeben ihren neuen Job als Europa-Personalchefin von Siemens angetreten! Und das, nachdem sie für diesen Job zuvor - unter großer Anteilnahme von Rundfunk und Presse - designiert worden war. In ihrem alten Job als Clusterverantwortliche war BRIGITTE EDERER schon lange erfolgreich und beliebt. Irgendwann vor langer, langer Zeit war BRIGITTE EDERER aktive SPÖ-Politikerin. Die Medien haben sie damals lieb gewonnen. Bis zu ihrer Pensionierung werden wir in den ORF-Nachrichten wie bei einem Live-Ticker jede Änderung in ihrer Karriere haut- und zeitnah mitverfolgen können.<br />
<br />
Aber wenn sich irgendwann einmal nix abspielt bei BRIGITTE EDERER, also wenn sie zum Beispiel 1-2 Jahre lang einfach nur Siemens-Europapersonalchefin bleibt, ohne dass Gerüchte über ihre weitere Karriere kursieren? Was kommt dann in den Medien? Meiner Meinung nach gibt es hier zwei Möglichkeiten:<br />
<br />
1. Meldungen wie "BRIGITTE EDERER pflanzt Paradeiser", "BRIGITTE EDERER trägt ihr altes Fahrrad in den Keller" oder "BRIGITTE EDERER hat jetzt eine neue Biber-Bonus-Card bekommen"<br />
oder<br />
2. man stürzt sich auf wen anderen, zB: "HUBERT GORBACH bewirbt sich bei irgendeinem ausländischen Unternehmen" oder "KARL-HEINZ GRASSER wird noch immer nicht gerichtlich belangt" oder "CHRISTINE VRANITZKY äußert sich zu irgendwelchen Sozialthemen" ...<br />
<br />
Oh! Nummer 2 haben wir ja schon. Dann wirds wohl Nummer 1 werden. 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/340-Check-Reality-Goodbye.html" rel="alternate" title="Check Reality Goodbye" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-06-10T11:18:48Z</issued>
        <created>2010-06-10T11:18:48Z</created>
        <modified>2010-08-31T10:01:00Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=340</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=340</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/340-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Check Reality Goodbye</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Sind Sie im Bilde, wie weit sich der ganz alltägliche Politaktionismuswahnsinn in Österreich schon ausgebreitet hat? Dazu ein kleiner Test:<br />
<br />
Eine dieser tollen Politaktionen gibt es nicht, welche?<br />
<br />
<b>1.</b> WUFI - die "Ampel für Wohlfühlen und FAIRgnügen"<br />
<b>2.</b> "KISS AUSGRENZUNG GOODBYE!" - Aktionstag an Wiens Schulen<br />
<b>3.</b> "Initiative für einen besseren Frieden" präsentiert: Das FORUM ZUR FÖRDERUNG MENSCHLICHER WÄRME<br />
<br />
Bitte überlegen und dann runterscrollen!<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
<br />
Auflösung:<br />
<br />
<b>Nr. 1</b> ist ein supertipptoppes Gedankenprodukt der SPÖ Wien, siehe <a href="http://derstandard.at/1271378344199/Wien-Ampel-in-Gastgaerten-soll-fuer-Ruhe-sorgen" target="_blank">hier</a> - dabei gehts um eine Ampel, die in Gastgärten anzeigt, wie anrainerverträglich das Lärmniveau ist.<br />
<b>Nr. 2</b> wurde ebenfalls von der SPÖ Wien ersonnen (deren Denkfabrikanten wurden anscheinend von der Didi-Hallervorden-Show abgeworben). Das Ganze ist so kreuzbescheuert, dass ichs gar nicht beschreiben kann. Hier ein <a href="http://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/06/02013.html" target="_blank">Link</a>.<br />
<b>Nr. 3</b> wurde von Matto und Robert gemeinsam im Jahr 1994 erfunden und als Jux auf der Uni ausgehängt. Die Unterschriftenliste konnte sich sehen lassen. In den folgenden 16 Jahren drehte sich die Wahnsinnsspirale aber fleißig weiter (ein Familienminister plakatierte zB "Mein Chef macht in die Hose"), und die Initiative für einen besseren Frieden schaut im Vergleich zur politischen Praxis schon recht altbacken und fad aus. Das Originalmanifest gibts <a href="http://www.matto.at/blog/archives/204-Initiative-fuer-einen-besseren-Frieden-Deklaration.html" target="_blank">hier</a>. 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/339-Total-daneben-ist-auch-noch-umfahren.html" rel="alternate" title="Total daneben ist auch noch umfahren" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-06-01T08:21:50Z</issued>
        <created>2010-06-01T08:21:50Z</created>
        <modified>2010-08-31T10:01:09Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=339</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=339</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/339-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Total daneben ist auch noch umfahren</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Leider musste ich feststellen, dass das Bauen von Umfahrungsstraßen in Österreich nicht mehr beherrscht wird. Vielleicht gibt es ja an irgendeiner technischen Hochschule im Ausland einen entsprechenden Lehrstuhl, der ein paar Fachleute entsenden könnte, um uns unter die Arme zu greifen. Bis dahin ein paar von mir schnell aufgestellte Grundregeln. Die meisten sind auch auf andere Straßen- oder Bahnprojekte anwendbar.<br />
<br />
1. Wenn ich einen Ort umfahre, dann darf die Umfahrungsstraße natürlich nicht <b>mitten durch den Ort</b> gehen, denn sonst wäre sie ja keine <i>Um</i>fahrungsstraße. Auch darf sie nicht nur einen Block weit der ursprünglichen Straße ausweichen und flugs mit Verkehrserregern besiedelt sowie durch ein Dutzend Kreisverkehre auf 2 Kilometer zerhackt werden. In diesem Fall ist sie einfach nur eine Straße, aber kein Umfahrungsstraße (-> Tulln).<br />
<br />
2. Eine Umfahrungsstraße funktioniert nur dann, wenn man sie auch <b>fertig baut</b>. Das heißt: Man darf nicht eine mehrspurige Autobahn kurz vor dem Ende des zu umfahrenden Gebiets an einer Ampel verenden lassen (siehe früher A23 Breitenlee).<br />
<br />
3. Ist das Ziel der Umfahrungsstraße, den <b>Schwerverkehr</b> aus dem Ortskern zu entfernen, sollte die Straße in jede Richtung zweispurig sein, weil die Autofahrer sonst nicht überholen können und lieber weiterhin durch den Ort fahren („endlich sind wir die LKW los“). Auch sollte eine solche Umfahrung traktor- und fahrradfrei sein. Für diese Verkehrsteilnehmer kann man Begleitstreifen errichten.<br />
<br />
4. Eine Umfahrungsstraße gilt nur dann als solche, wenn man die <b>Nähe des umfahrenen Orts</b> wenigstens noch erahnen kann. Falls man auch ohne Sichtbehinderung durch Erdwälle oder Lärmschutzwände zu beiden Seiten kein einziges Gebäude erkennen kann, wurde über das Ziel hinausgeschossen. Indiz für diesen Fehler sind Wegweiser wie „Zentrum 3 km“. (-> Laa an der Thaya)<br />
<br />
5. Die Umfahrungsstraße muss von Anfang bis Ende einen <b>einheitlichen Namen</b> haben. Richtig: „L 1234 Umfahrung Hasenhausen“. Falsch: „A1/A21/A23/S2/A22/S33“ (-> „Regionenring Wien“)<br />
<br />
6. Nicht nur die lange Strecke zwischen A und B, sondern auch die jeweiligen <b>Anbindungen</b> an A und B sollten möglichst direkt sein. Negativbeispiel ist hier die Nordautobahn, denn die verfehlt unten Wien und oben Mistelbach (um je ca. 15 km). Letzteres ist zudem zwar klarer Endpunkt im Norden, wird aber auf keinem Wegweiser erwähnt. Vielmehr wird man von Wien aus nach Mistelbach auf die rückgebaute B7 geleitet, eine verschnörkelte Berg-und-Tal-Bahn ohne Überholmöglichkeit, auf der sich unsere Kinder mit dem Moped derstessen dürfen.<br />
<br />
7. Ist eine Umfahrungsstraße als Überlandstraße angelegt, soll <b>Tempo 100</b> gelten. Ist sie eine Autobahn, dann Tempo 130. In einem Autobahntunnel ohne Pannenstreifen kann eventuell 100 gerechtfertigt sein, in einem modernen Tunnel mit Pannenstreifen ist aber ebenfalls 130 angebracht. Jedenfalls ist 80/100 auf einer Autobahn wie der S2 zwischen Eibesbrunn und Korneuburg ein Unfug.<br />
<br />
8. Ein <b>Tunnel</b> muss einen Zweck erfüllen. Im Fall einer niveaufreien Kreuzung für andere Verkehrswege oder der Schaffung einer Überquerungsmöglichkeit für Wildtiere ist das gegeben. Hingegen ist es <i>nicht</i> gegeben, wenn sich über dem Tunnel nur die gleichen Felder wie zuvor befinden und jede Ansiedlung über einen Kilometer entfernt ist (-> S2 Stetten). Auch das Argument der Arbeitsbeschaffung für die Bauträger in Krisenzeiten lasse ich nicht gelten.<br />
<br />
9. Ist die Umfahrungsstraße eine Autobahn, muss sie <b>„A irgendwas“</b> heißen. Ist sie eine Freilandstraße, dann „B irgendwas“ oder „L irgendwas“. Ist sie eine Schnellstraße (um etwa 1/3 schmäler als eine Autobahn und weniger aufwändig ausgebaut), dann lautet die korrekte Bezeichnung „S irgendwas“. Die „Wiener Südumfahrung“-Autobahn wollte man ursprünglich B 301 nennen (gehts noch?!); heute heißt sie „S1“. Beides ein Holler.<br />
<br />
10. Zu den Zeiten, als Politiker technokratisch-rücksichtslose Wahnsinnsvorhaben wälzten (v.a. 70-er Jahre), waren <b>Bürgerinitiativen</b> eine ganz gute Sache, um hier <i>überhaupt</i> eine Gegenstimme zu erheben. Heute kommt zumindest eine Gegenstimme sowieso aus der Opposition, und Bürgerinitiativen (pro und kontra) gibt es zusätzlich noch im Überfluss. Jede Seite (privat, aber auch politisch) bildet eine oder mehrere Initiativen und bietet Experten und Expertisen auf, die meist alles und davon das Gegenteil belegen. Das ist dasselbe wie beim politischen Lobbying, das aber zurecht einen miesen Ruf hat, während beim Wort „Bürgerinitiative“ oft die basisdemokratische Schwärmerei ausbricht. Die Zeiten, als solche Initiativen noch eine Berechtigung hatten, sind aber vorbei. Im Endeffekt zählt nur das Prinzip der indirekten Demokratie: Wer uns fähig genug erscheint, die richtigen Entscheidungen zu treffen, wird gewählt. Wenn er versagt, wird er nicht wiedergewählt - trotz aller Risiken die sauberste Vorgangsweise. Bürgerinitiativen und sonstigen Lobbying-Organisationen darf beim Straßenbau wie auch bei anderen Vorhaben keine gesteigerte Bedeutung zugemessen werden. Die Politiker sollen sich im Vorfeld informieren und dann die beste Entscheidung durchziehen.<br />
<br />
 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/338-Ungestuemer-Neustart-in-Madeira.html" rel="alternate" title="Ungestümer Neustart in Madeira" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-05-27T17:25:55Z</issued>
        <created>2010-05-27T17:25:55Z</created>
        <modified>2010-05-27T17:25:55Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=338</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=338</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/338-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Ungestümer Neustart in Madeira</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Einige nette Erinnerungen an meinen Urlaub in Madeira:<br />
<br />
<img  src="http://www.matto.at/blog/uploads/History.jpg" /><br />
In Madeira spielte die Vegetation schon immer eine große Rolle.<br />
<br />
<img  src="http://www.matto.at/blog/uploads/Ungestuem.jpg" /><br />
Schon vor Jahrmillionen waren Bomben keine Lamperln.<br />
<br />
<img  src="http://www.matto.at/blog/uploads/Neustrat.jpg" /><br />
Im "Madeira Story Center" (eigentlich eher ein "History Center") gibt es ein nettes Computerquiz. Hinweis: "Unrecht" soll "falsch" heißen.<br />
<br />
<img  src="http://www.matto.at/blog/uploads/Brief.jpg" /><br />
Short people got no reason ...<br />
<br />
<img  src="http://www.matto.at/blog/uploads/Fixedit.jpg" /><br />
Mamaaaa! Ich hab das Dach repariert! Ganz alleine!! 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/337-Die-Bombe,-die-eine-Spritze-ist.html" rel="alternate" title="Die Bombe, die eine Spritze ist" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-05-27T06:51:41Z</issued>
        <created>2010-05-27T06:51:41Z</created>
        <modified>2010-05-27T17:01:53Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=337</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=337</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/337-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Die Bombe, die eine Spritze ist</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Heute möchte ich zwei aktuelle Leserbriefe zum Thema Europäische Finanzkrise wiedergeben. In welchen Zeitungen sind sie wohl erschienen?<br />
<br />
<div style="font-size: 11pt; margin-left: 20px;"><b>1. Der „Fluch des Euro“</b><br />
Die Tage des Euro, oder besser gesagt, der „Einheitswährung“, sind gezählt, wenn die derzeitige Krise anhält. Natürlich können wir weiterhin „mit ihm leben“: falls die einzelnen Mitgliedsstaaten es zustandebringen, ihre eigene „Wechselgebühr“ oder ihren eigenen nationalen Euro mit Wechselkurs einzuführen und wenn dann die Kurssteigerung oder -senkung die alleinige Entscheidung der Nationalbank des jeweiligen Landes ist.<br />
Die Wechselkurse würden wiedererstehen – zwischen den verschiedenen Euros der EU-Länder. Der Euro würde somit umgewandelt in eine Nationalwährung, und Krisenländer könnten ihn auch abwerten. Gegen die Krise wäre es dann möglich, abzuwerten und dadurch die Exporte zu steigern. Momentan kann dieses Rezept nicht angewandt werden; vorrangiges Ziel ist der Euro als Einheitswährung durch die Neugestaltung der europäischen Wirtschaftsräume.<br />
„Der Euro wurde geschaffen, um die Europäischen Völker in ein Wirtschaftsbündnis zu zwingen, damit sie später auch ein politisches Bündnis schließen. Von der Einheitswährung profitiert nur eine kleine Gruppe von Banken, die ein Oligopol bildet.“<br />
Die wirtschaftlichen Notwendigkeiten der einzelnen Staaten sind sehr verschieden, was natürlich Stabilität und Existenz einer Einheitswährung nicht fördert. Bisher hat die Einheitswährung nur zur wirtschaftlichen Destabilisierung der Eurozone beigetragen, zur Verbreiterung des Grabens zwischen armen und reichen Ländern. In der EU gibt es Wirtschaftsgebiete, deren einziges Interesse darin besteht, andere Länder als „Konsumenten“ zu betrachten, und das läuft in die gänzlich andere Richtung wie eine Dynamisierung der Wirtschaft kleiner Länder wie Portugal. Portugal kann doch nicht ausschließlich aus Dienstleistern und Konsumenten bestehen!<br />
„Glaubt jemand, dass der finanzielle Aufwand zur „Rettung“ von Griechenland es ermöglicht, dass dessen Defizit in vier Jahren von vierzehn auf vier Prozent sinkt? Oder wird es, ganz im Gegenteil, passieren, dass die angekündigten Maßnahmen das Land in eine gesteigerte Rezession führen werden, welche das Land in seinen Schulden untergehen lassen wird? Die Lösung für Griechenland und die anderen Länder, die Schwierigkeiten haben, ist der Ausstieg aus dem Euro. Die Schulden können dann in nationale Währung umgerechnet werden, und diese kann dann in der Folge um etwa 30% abgewertet werden, was es erlauben würde, die Wirtschaft über die Exporte wieder in Schwung zu bringen.“<br />
Das Rezept, das Deutschland bei Griechenland anwendet, schafft zuallererst ein „versklavtes Land“ mit reduzierten Löhnen; es ist ein Vorschlag zur Herstellung billiger Arbeitskräfte.</div><br />
<br />
<div style="font-size: 11pt; margin-left: 20px;"><b>2. Zukunft des Euro steht in den zwölf Sternen der EU-Flagge</b><br />
Wie ein Rudel nervöser Hyänen tanzen die EU-Führer um das schwer verletzte Griechenland.<br />
Auch die Börsianer und Anleger sind verunsichert – die Kurse rasseln in den Keller. Nun spannt Brüssel den Schutzschirm auf. Satte 750 Milliarden Euro.<br />
Es erinnert an die USA vor einem Jahr: Wirtschaftskrise und wie verrückt wird Geld gedruckt und verliehen, um den Totalzusammenbruch hinauszuzögern, von Rettung kann keine Rede sein. Diese innereuropäische Geldbombe ist eine Beruhigungsspritze, die eine im Sterben liegende Wirtschaft, aufgebaut auf purem Kapitalismus nicht wiederbeleben kann.<br />
Die Zukunft des Euro steht in den zwölf Sternen der EU-Flagge.</div><br />
<br />
So weit, so gut. Jetzt die Auflösung:<br />
<br />
Brief Nr. 2 ist, vielleicht entgegen Ihrem Dafürhalten, nicht aus der Krone, sondern aus dem Kurier (25.5.10). Der erste Brief stammt aus dem portugiesischen „Di&aacute;rio de Noticias“ (23.5.10).<br />
<br />
<b>Zwei Erkenntnisse</b> lassen sich aus diesem Vergleich ableiten: <b>Erstens</b> das niedrige Niveau, auf dem in Österreich das Thema EU abgehandelt wird. Das merkt man erst, wenn man die Meldungen in den nationalen Medien vergleicht. Ein Leserbrief wie der mit den nervösen Hyänen, rasselnden Kellerkursen, einer Bombe, die eine Spritze ist usw. hätte tatsächlich einem NS-Organ entnommen sein können. Bitte verstehen Sie dies nicht nur als Floskel oder „Totschlagargument“, sondern lesen Sie wirklich einmal ein paar der „tieferen“ gleichgeschalteten Zeitungen aus der NS-Zeit. In einem demokratischen Medium von heute, noch dazu einem mit dem Anspruch einer „Qualitätszeitung“, hat so ein Machwerk nichts verloren.<br />
<br />
Das ist auch gleich die <b>zweite Erkenntnis</b>: Das niedrige Niveau unserer Presse. Sowohl Kurier wie auch das Di&aacute;rio de Noticias verstehen sich als Qualitätszeitung mit populären Aspekten, wobei das Di&aacute;rio diesen Anspruch erfüllt: Im Lokalteil erfährt man vom Hungerstreik eines Vaters, dessen Kind in der Schule ungerecht behandelt wurde sowie von den täglichen Verkehrsunfällen. Aber der ausgedehnte Politikteil und die Leserbriefseite (Titel: „Leserbriefe“) bieten ein intellektuell anspruchsvolles, aber auch allgemeinverständliches Niveau. Beim Kurier überschlägt man sich nicht mit qualitätsvollen Inhalten, sondern höchstens mit Kalauer- und Sprachbildhäufungen. Die Leserbriefseite trägt den Titel „Forum“, als ob ein Forum per Definition als Sprachrohr für Rabauken und Grobiane dienen müsste. (Auf dem Forum Romanum gab es wohl Auftritte der radikalen Tribunen, aber auch das Senatsgebäude.)<br />
<br />
Inhaltlich stimme ich mit den Schreibern der Briefe nicht überein; meine Ansichten sind weit europafreundlicher. Aber die Ideen des portugiesischen Lesers, J. Edgar Da Silva, sind konstruktiv und stellen ein vielleicht etwas utopisches, aber interessantes Gedankenexperiment dar, das Stoff für intelligente Sachdiskussionen bietet. Das Geschreibsel des österreichischen Lesers (da man in Österreich leider davon ausgehen muss, dass Leserbriefe stark entstellt abgedruckt werden, sei sein Name nicht erwähnt) hingegen macht höchstens Lust aufs Geifern: Jemand mit so einer Ausdrucksweise hat die tieferen Zusammenhänge wohl kaum kapiert und würde sich anderswo damit nicht in die Öffentlichkeit wagen. Bei uns wird er noch mit Seitenüberschrift besonders hervorgehoben.<br />
<br />
In den österreichischen Medien sind auch nur halbwegs intelligente EU-kritische Meinungen leider kaum zu finden. Dass dadurch auch die Pro-EU-Meinungen stetig an Qualität verlieren, ist die Konsequenz. In Ländern wie Portugal ist die Demokratie noch jung, und die staatlichen Einrichtungen dienen noch hauptsächlich direkt dem Volk (und nicht irgendwelchen Interessensvertretern, der Wirtschaft oder einem feschen Finanzminister und seinen Freunden). Dadurch verblüfft es, dass auch Vertreter der unteren Schichten politisch wesentlich besser gebildet sind. Wenn in manchen anderen Ländern Politiker korrupt werden, nehmen sie einen Batzen Geld und verschwinden damit auf Nimmerwiedersehen. Hierzulande hingegen halten und vermehren sie sich in der Politik und richten noch bei unseren Kindeskindern Schaden an. Hoffentlich überspringt Portugal diese bittere Episode. 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
    <entry>
        <link href="http://www.matto.at/blog/archives/93-Eine-Welt-der-gigantischen-Sinnlosigkeit-aus-der-Schulzeit.html" rel="alternate" title="Eine Welt der gigantischen Sinnlosigkeit - aus der Schulzeit" type="text/html" />
        <author>
            <name>Matto</name>
            <email>nospam@example.com</email>
        </author>
    
        <issued>2010-05-06T10:29:31Z</issued>
        <created>2010-05-06T10:29:31Z</created>
        <modified>2010-05-06T15:00:54Z</modified>
        <wfw:comment>http://www.matto.at/blog/wfwcomment.php?cid=93</wfw:comment>
        <slash:comments>0</slash:comments>
        <wfw:commentRss>http://www.matto.at/blog/rss.php?version=atom0.3&amp;type=comments&amp;cid=93</wfw:commentRss>
    
        <id>http://www.matto.at/blog/archives/93-guid.html</id>
        <title mode="escaped" type="text/html">Eine Welt der gigantischen Sinnlosigkeit - aus der Schulzeit</title>
        <content type="application/xhtml+xml" xml:base="http://www.matto.at/blog/">
            <div xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
                Zu Weihnachten habe ich im Blog versprochen, hier meine Anschauungen zum Schulwesen zu veröffentlichen. Seit ich selbst die Schule verlassen konnte, habe ich mir oft Gedanken gemacht, was daran gut oder schlecht war, und wie man den Unzulänglichkeiten begegnen sollte. Ich bin ja als unverbesserlicher Systemanalytiker der Meinung, man müsse das Schulsystem ändern, um, sagen wir so, die Optimierungspotenziale auszuschöpfen. Was meine ich damit? Dass meine Schulzeit orientierungs- und motivationslos war: Ein unmotiviertes Kind mit unmotivierten Lehrern in einem gut gemeinten, aber orientierungslos dahinwurschtelnden Schulsystem. In diesem Teil soll es um das Vergangene gehen, später folgen Abhilfevorschläge.<br />
Wenn ich in meinen Texten Ausdrücke wie „beschränkt“ oder „bösartig“ verwende, dann nicht deshalb, weil ich so ein Rüpel bin, sondern weil ich finde, dass man die Dinge beim Namen nennen muss ohne dummes Herumreden. Jeden dieser Ausdrücke verwende ich vollkommen bewusst.<br />
<br />
Unser Gymnasium (in der Wiener Billrothstraße 73, damals 2. BG 19 genannt) war erst achtzehn Jahre alt und trotzdem schon ein Sanierungsfall. Heutzutage hätte man es vielleicht gleich wieder weggerissen, wie man es mit Bädern und Pensionistenheimen aus den 70-er Jahren zu machen pflegt, aber damals hat man offenbar beherzt und zuversichtlich in die Zukunft geblickt und gemeint: Ein 18 Jahre altes Gebäude kann man doch nicht abreißen! Wir warten erst ab, bis es zwanzig Jahre älter ist, und dann reißen wir es ab. Der Zeitgeist kam dazwischen: In den neunziger Jahren begannen hin und wieder Gelder für Renovierungsarbeiten durchzusickern; dadurch bekam die Schule etwa zeitgemäße Labors und mittlerweile sogar funktionierende Fenster. Die Lehrpläne sind leider immer noch praktisch dieselben.<br />
<br />
Wenn es klingt, als sei dies die Geschichte über eine Jugend im Ostblock, dann liegt das daran, dass es in unserer Schule tatsächlich ostblockartig zugegangen ist. Mit diesem Begriff verbinden wir heute Mangelwirtschaft. Aber ich glaube heraushören zu können, dass das größere Problem der Menschen dort die Perspektivlosigkeit war, die aus einer selbstunzufriedenen, aber unreformierbaren Bürokratie resultierte, welche nur mehr sich selbst erhielt. Als unser Gymnasium neu war, gab es einen berühmten Direktor namens Sames. Warum war der berühmt? Weil er persönlich die schwänzenden Schüler aus dem benachbarten Cafe Amigo zu holen pflegte, hieß es. Das erinnert an diese Witzschilder, welche besagen: „Hier beleidigt der Chef Sie noch persönlich“ Der Nachfolger namens Wanka unterließ diese Dinge dankenswerterweise und wiederum dessen Nachfolger, Cejnek, interessierte sich mutmaßlich (hier wiedergegebene Gerüchte sind mit äußerster Vorsicht zu genießen) ohnehin nur für den Tennisplatz, der in die andere Richtung vom Cafe Amigo lag.<br />
<br />
Worum gehts eigentlich in den Harry-Potter-Romanen? Ich meine: Worum geht es da wirklich? Was ist es, was den Zauber, den Suchtfaktor ausmacht? Serien mit Magiegeplänkel gibt es ja viele, sogar sehr gute, als Buch wie als Film. Die Geschichte von Harry Potter ist auch bei weitem nicht einzigartig: Das Herr-der-Ringe-Schema neu erzählt. Nein, das ist Nebensache. In Wirklichkeit geht es darum, dass Kinder als Erziehungsobjekte ständig nicht ernst genommen werden, obwohl sie recht haben, und von einem eigenartigen „Ministery of Magic“ sowie der Schulorganisation systematisch niedergehalten werden. Vom Minister über den Rektor bis zu den Familienmatronen machen alle den Kindern immer nur Vorschriften, man weist sie zurecht, korrigiert sie und belegt sie mit ungerechten Sanktionen. Obwohl sie aber als einzige klar sehen und das Weltgeschehen kapieren! Gerade die Wahrheit wollen die Erwachsenen nicht wissen. Das erinnert mich sehr an meine Schulzeit, nur dass da kein dramatisches Weltgeschehen gewesen wäre, das man als Kern des Übels ausmachen hätte können. Allerdings habe ich das Offensichtliche gesehen und zwar einiges, aber nicht alles einfach akzeptiert.<br />
<br />
Zum Beispiel: Dass es keinen Sinn ergibt, wenn man Sechzehnjährigen verbietet, freiwillig eine Fremdsprache zu lernen, obwohl im Haus ein nicht ausgebuchter Kurs ohnehin stattfindet, mit der Begründung: Der Kurs ist nur für die Schüler der nachfolgenden Jahrgänge gedacht, und diese – egal wie wenige – haben das Recht auf die volle Beanspruchung des Lehrers.<br />
Oder dass ein ganzes Zimmer voller Schulwarte ein halbes Jahr nicht in der Lage ist, das Erbrochene eines Schülers in der Pausenhalle zu entfernen. Ob es danach einmal entfernt wurde, kann ich nicht sagen; man konnte es jedenfalls irgendwann nicht mehr erkennen. Die Schulwarte vertraten den Standpunkt: Die Schüler haben sich ihren Dreck selbst zu entfernen. Ihre Aufgabe, so vermute ich heute, sahen sie höchstens darin, ihren eigenen Dreck zu entfernen, wenn überhaupt; für anderes fühlten sie sich nicht zuständig. So absurd das heute klingt, damals betrachteten wir, die Schüler wie die Lehrer, es als Naturgesetz.<br />
Das Schulgebäude war wie gesagt sehr heruntergekommen. Wenn wir das zur Sprache brachten, hieß es natürlich, no na, wenn die Schüler alles kaputtmachten, dann müsse es ja so aussehen. Dabei hatten wir ja gar nichts kaputtgemacht. Das begann erst, als uns mit den Jahren bewusst geworden war, dass wir unseren Alltag ohnehin auf einer Müllhalde verbrachten, was keiner ändern konnte. Wir zerlegten halbkaputte Kästen, bekritzelten die Tische und Wände und zerschnitten die Plastikvorhänge. Aber da wir uns nicht mehr darüber beschwerten, störte es auch sonst keinen, und es wurde nie mehr thematisiert. Einmal, in der Abschlussklasse, fragten wir den Zeichenlehrer, ob wir den völlig beschmierten Zeichensaal „künstlerisch gestalten“ durften. Wohlgemerkt, „wir“, das waren die sensationellerweise anwesenden 5-6 Schüler, die überhaupt noch im Zeichenunterricht erschienen. Der Zeichenlehrer hatte eine anarchistische Ader und erlaubte es. Die Schmieragen der anderen Schüler wurden daraufhin mit unseren neuen, etwas bunteren Schmieragen überdeckt. Dann geschah etwas Sensationelles. Ein Schulwart steckte seinen Kopf bei der Tür herein und bemerkte, dass Schüler auf den Wänden malten. Daraufhin eilte er zum Direktor, der zu unserem Erstaunen da war, die Gelegenheit witterte, einmal einen Auftritt zu machen, und im Zeichensaal erschien. Die wenigen verbliebenen Schüler, die eben noch nicht im Cafe saßen, wurden daraufhin zusammengeschimpft. Dieses Publikum genügte dem Direktor jedoch nicht, und so erschien er am nächsten Morgen in der Klasse und schimpfte weiter, nun auch auf jene, die nicht einmal im Zeichenunterricht anwesend waren und also auch keine Schuld haben konnten. Die Schüler verpflichteten sich, den Zeichensaal neu auszumalen und danach „ordentlich“ zu bemalen, denn prinzipiell, hieß es, hatte ja niemand etwas gegen eine künstlerische Ausgestaltung. Am Ende sah der Raum aus wie zuvor – mit „Schüttbildern“ und Grafitti –, aber der Direktor konnte zufrieden eine Rede über die wiederhergestellte Ordnung halten. Er hatte sich energisch durchgesetzt. Übrigens war die letzte TV-Wiederholung von „Kottan ermittelt“ mit dem ebenso durchsetzungsfähigen Polizeipräsidenten Pilch damals erst fünf Jahre her.<br />
<br />
Oder Schikurse: Damals gab es jährlich irgendeine Art Klassenfahrt, was heute mitunter als Luxus erscheint. Allerdings wurde damals alles noch nicht so luxuriös gehandhabt und gestaltet wie heute. Besonders beim Pädagogischen wurde deutlich gespart. Wenn da irgendwo am Gang ein Kandelaberglas zerbrochen war, wurde zur Denunziation aufgefordert (wobei ich bis heute meine Zweifel habe, dass jemand von uns daran überhaupt Schuld war; ich denke vielmehr, der Pensionsbesitzer wollte dem Schikursleiter auf die Schnelle fünfzig Schilling für die Reparatur rauswürgen), und als das nicht klappte, wurden alle vier Klassen interniert, das heißt, bis auf die Schistunden in der Pension eingesperrt. Heute würde man diese Bagage von Turnlehrern als mit der Situation überfordert bezeichnen, damals spielten sie sich in ihrer grenzenlosen Selbstüberschätzung und Blödheit dermaßen auf, dass selbst mitfahrende junge Sprachlehrer angewidert waren. Das verflixte Kandelaberglasproblem wurde dann so gelöst, dass ein Schüler vergattert wurde, von jedem zwanzig Schilling einzusammeln. Wenn ich mich recht erinnere, nahmen damals vier Klassen mit je 25 Schülern teil, somit kostete das dämliche Glas (Größe ca. 15x20 cm) zweitausend Schilling (145 Euro)! Transparenz war damals natürlich kein Thema. Vorsicht, bösartige Mutmaßung: Wenn der Pensionswirt vielleicht 200 Schilling bekommen hat, blieb noch Geld für 72 Viertel Wein über.<br />
<br />
Ich glaube, immer wenn ich auf das Schul-„Turnen“ zu sprechen komme (die offizelle Bezeichnung des Fachs lautete „Leibesübungen“, und so viel Spaß machte es auch), verdrehe ich die Augen, mache verzweifelte Gutturallaute und weiß nicht, wo ich mit dem Lästern anfangen soll. Hier habe ich meine größten Harry-Potter-Momente. Unser Unterstufenturnlehrer war Alkoholiker und in jeder Hinsicht vollkommen daneben. Immerhin zwang er uns nicht mit militärischem Drill und penetrantem Übereifer zu unseren Leistungen. Nein, wie fast alle Lehrer war auch er eine gescheiterte Existenz, und es war ihm alles einfach wurscht. Er versuchte seine Rolle als Turn- und Deutschlehrer einigermaßen zu spielen, aber es dürfte ihn sehr angewidert haben. Nach kürzester Zeit hatte er die Schüler fachmännisch-subjektiv in drei Gruppen unterteilt: Die, die ihm egal waren, dann zwei Maxeln, die Sportasse waren, und schließlich zwei Jammergestalten: die Unsportlichen. Seine Stundengestaltung war dementsprechend: Die Sportasse loben, die Jammergestalten traktieren und den Rest irgendwie unter Vermeidung populärer Sportarten beschäftigen. In einem Semester hatte er den Geistesblitz, Punkte für Leichtathletikleistungen zu notieren, als ob die sportliche Leistung im Schulturnen ein Notenbestandteil sein sollte (doch dazu später). Nach welchem System die Punkte vergeben wurden (Stichwort Transparenz), ging uns nichts an, und hin und wieder konnten wir dann Zwischenstände vernehmen wie „Sportass: 120 Punkte. Normalo: 87 Punkte. Jammergestalt: 12 Punkte“. Selbstverständlich wurde von Lehrerseite nicht im Geringsten daran gearbeitet, diese „Leistungen“ zu verbessern. Wer beim Kugelstoßen nicht über 15 Meter kam, war halt nicht dafür geboren und musste mit einer schlechten Note leben. Gerechter gehts ja eh nicht.<br />
Erst in der Oberstufe wurde das besser. Der neue Lehrer – welcher übrigens auch nie auf Schikurse mitfuhr – war sympathisch, pflegte die Marotte, sich halbnackt auf der Wiese vor den Klassenzimmern zu sonnen und ließ uns tatsächlich unbehelligt. Wer noch immer sportinteressiert war, konnte sich einen Basketball schnappen und mit seinen Freunden spielen gehen. Wem der Sport schon ausgetrieben war, der durfte ins Kaffeehaus.<br />
<br />
Das ist heute achtzehn Jahre her, und bei aller Fairness: Die Schuld an meiner Unsportlichkeit gebe ich nach wie vor der Schule. Es ist keineswegs so, dass ich mich aus Faul- oder Sturheit vom Sport abgewandt hätte (und wenn schon – dagegen gibt es pädagogische Mittel). Wir haben in der Schule niemals etwas davon gehört, wozu man Sport überhaupt betreibt. Warum man eine Ausdauersportart betreibt, und wozu Muskeltraining, oder wie die richtige begleitende Ernährung aussieht. Wir haben nie in etwas reingeschnuppert, sind nie für etwas interessiert worden, was wir nicht kannten. Die Ideen, geeignetere Sportarten zu probieren, kamen von den Schülern (Basketball, Fußball, Laufen), nicht vom Lehrer (Kugelstoßen, Völkerball, Stangenklettern). Wenn eines der Sportasse so eine Idee hatte, wurde sie eventuell auch einmal umgesetzt. Dann spielten eben ein paar Schüler Fußball, und die Jammergestalten waren „Verteidiger“ und durften sich zwei Stunden lang abseits des Geschehens Witze erzählen, wofür sie aber natürlich auch keinen Einser erwarten durften. Bis mit vierzehn war ich übergewichtig und wollte unbedingt ein Sportler sein. Mit fünfzehn hatte ich einen Wachstumsschub, fand von selbst zu einer etwas besseren Ernährung, war das Übergewicht los und hatte mit dem Thema Sport abgeschlossen. Immer wenn ich heute dennoch welchen betreibe, bin ich stolz darauf, dass ich es trotz des entsprechenden „Unterrichts“ zehn Jahre nach der Matura geschafft habe, mich zu überwinden und damit anzufangen. Nur für Kugelstoßen, Leichtathletik und Teamsportarten bin ich noch immer nicht zu haben, das ist wohl ein für allemal vom Tisch.<br />
<br />
Gescheiterte Existenzen, die im System Unheil anrichten, und kein Korrektiv. Man möchte meinen, von Schülerseite wäre etwas unternommen worden. Leider gibt es da ein Dilemma, damals wie heute: Dass Schüler auf positive Noten angewiesen sind und die Matura bestehen müssen. Ansonsten wären wir natürlich auf die Barrikaden gestiegen (Sperrmüll hätte es in unserer Schule ja genügend gegeben), schließlich waren wir ja stürmische, leidenschaftliche Teenager. Nur es war so sinnlos! Gegen wen sollten wir denn überhaupt „kämpfen“? Gegen die Lehrer, die uns teilweise sogar leid taten? Der alkoholkranke Turnlehrer: So eine jämmerliche Erscheinung anzugreifen, wäre ja unsportlich gewesen. Manche meiner Kollegen meinten später, Personen wie die Chemielehrerin, die die halbe Zeit mit uns Kaffee trank, trügen die Schuld an der Misere. Aber keineswegs, meine ich. Natürlich hätten manche in unserer Klasse später im Studium ordentliche Chemiekenntnisse brauchen können. Aber eben nur ganz wenige, und dass den anderen das Ganze erspart wurde, ist finde ich kein Nachteil. Als alte Sozialistin brachte sie uns beim Kaffee im Chemiekammerl wenigstens politische Grundbildung bei, die zu vermitteln der eigentlich zuständige Lehrer, ein Hexen- und Freimaurerjäger sowie Bundesheerverehrer verabsäumt hatte. Nur wenige Lehrer waren wirklich Sadisten, aber nicht ständig, nicht zu allen und auf eine unterschwellige, sogar charmant-ironische Art, in etwa wie der Hauptmann Landa in „Inglourious Basterds“. Das bekamen nur jene zu spüren, die (oder deren Eltern?) irgendwie aufmuckten oder die tatsächlich nicht in der Lage waren, das zu lernen, was verlangt wurde. Nachhilfe gab es schon damals, aber wenn die auch nicht ausreichte, war es bei den sadistischeren Lehrern (die Minderzahl) schwer, durchzukommen. Dass ein Lehrer einmal bei seinen Methoden nachgebessert hätte (und unleserliche Kopien von Zeitschriftenartikeln waren damals bei uns schon der Gipfel der modernen Lehrmethoden) kam nie vor.<br />
<br />
Manche Lehrer suchten ihre persönliche Lösung darin, dass sie auf den Lehrplan pfiffen und einfach nur diskutierten. Als Gesprächspartner wählten sie dann die Handvoll politisch und philosophisch bereits extern gebildeter Schüler, die es in der Klasse gab, und der Rest wurde ignoriert, selbst bei Versuchen, konstruktiv mitzumachen. Viele von uns wären dafür zu gewinnen gewesen, sich einzubringen, dazu hätte es nur eines kleinen Bisschens pädagogischer Fähigkeit bedurft. Aber diese Lehrer hatten uns als nicht mehr zu retten eingestuft und wollten uns nicht mehr. Wieder ein Punkt fürs Cafe Amigo.<br />
<br />
Sich einbringen als Schüler, das wäre nötig gewesen. Aber nicht nur war es nicht gewünscht, es wurde auch aktiv verhindert. Dazu ein plakatives Beispiel: Als Erstklassler sollte ich im Lehrerzimmer etwas holen. Ich ging mit dem Lehrer mit. Aus der Klasse hinaus, über den Gang, in den Verwaltungstrakt, und hinter ihm ins Lehrerzimmer hinein. Sofort erhob sich ein Aufschrei: Ja, der geht ja gleich hinein! Sofort raus mit dir! Schüler dürfen nicht ins Lehrerzimmer! An dem Tag hatte ich gelernt: Egal wie unzweckmäßig oder blödsinnig, da durfte ein Schüler keinen Fuß hineinsetzen. Das Resultat war dementsprechend auch, dass immer Trauben von Schülern an der Lehrerzimmertür warteten und jene Lehrer, die zu ihrem Unglück die Tür passieren mussten, die Aufgabe hatten, ständig den Boten für im Zimmer befindliche Kollegen spielen zu müssen. Dabei fiel die Lehrerzimmertür ins Schloss und konnte ohnehin nur von Lehrern aufgesperrt werden, also hätten Schüler auch nie alleine drinnen sein können. Wie ernst genommen darf man sich als Schüler fühlen, wenn man nicht einmal auf normale Art und Weise mit den Lehrpersonen interagieren kann? Wenn nicht die fruchtbare Zusammenarbeit im Vordergrund steht, sondern irgendwelche Apartheidvorschriften?<br />
<br />
Es gab aber auch Formen einer „Schülervertretung“. Ich kann mich an zahnlose, sofort nach „Wahl“ ins System absorbierte Schulsprecher erinnern, die hin und wieder den Unterricht für irgendeine Verkündung unterbrechen durften und die man auch beschimpfen oder verspotten durfte, weshalb sie einigermaßen beliebt waren. Dann trat hin und wieder eine sozialistische Schülerorganisation in Erscheinung (AKS, Aktion kritischer Schüler), die wirklich total kritisch war und auch sehr sozialistisch, und dabei kein Anliegen vertrat, das an unserer Situation etwas verändert hätte. Einmal, in der siebenten oder achten Klasse, kamen auch Studenten in die Musikstunde, um uns Studienberatung zu geben. Diese Nieten predigten eine Viertelstunde lang, wie schwer es auf der Uni sei, wie „hart“ und dass man besser erst gar nicht hinginge, weil da müsse man aus einem gewissen Holz geschnitzt sein usw. Auf einmal hatte ich einen Harry-Potter-Anfall, stand auf und stellte die Frage, was denn der Zweck dieser Anti-Studienberatung sei und dass ich mich verarscht fühlte und angesichts dieser Frechheit ebensogut gleich ins Kaffeehaus gehen könnte, was ich daraufhin in die Tat umsetzte. Wurschtigkeit, Demotivation, Vermeidung jeglicher konstruktiver Aktion. Einmal gingen wir auf den Minoritenplatz vor dem Unterrichtsministerium demonstrieren. Wofür oder wogegen war egal, mangels irgendeiner politischer Vorbildung ging es natürlich nur um den freien Vormittag. (Dementsprechend fällt es mir heute noch schwer, demonstrierende Schüler ernst zu nehmen.) Als wir angehalten wurden zu skandieren: „Frau Minister, wir wollen unsere Zeugnisse!“, verweigerte ich.<br />
<br />
Glücklicherweise war ich kein schlechter Schüler. Deswegen konnte ich, sobald ich erkannt hatte, dass die Schule völlig sinnlos war, es mir leisten, nur mehr selektiv hinzugehen. Die übrige Zeit verbrachte ich im Kaffeehaus oder mit der Freundin, was ich beides noch heute grundvernünftig finde. Ein Notendurchschnitt von zwei komma irgendwas war schon Plansollübererfüllung, und man wurde gottlob in Ruhe gelassen. In Deutsch hatte ich heraußen, was der Lehrer lesen wollte, und die Sprache beherrschte ich hinreichend, womit ich ein Einser-Abo hatte. Praktischerweise gab es immer ein freies Thema zur Wahl, und so war ich nicht einmal angehalten, mich mit der Literatur zu befassen. Wenn ich meine Schularbeiten von damals heute lese, graut mir angesichts der Plattitüden und formalargumentativen Pflichtübungen (sozialkritisch sein! rhetorische Fragen stellen! Aufbau beachten! mit „...“ schließen!), die damals jedoch bewundert und beklatscht wurden. Vielleicht veröffentliche ich einmal so einen Text im Web, im Fall einer sadomasochistischen Anwandlung.<br />
Jedenfalls wurde ich im Großen und Ganzen in Ruhe gelassen, nur in Latein hatten wir einen Sadisten, der aber glücklicherweise soziointellektuell ziemlich beschränkt war und bei aller Bosheit zu dumm, um die einfachsten Finten seiner Schüler zu durchschauen – nein, da war die geistige Arbeit gegen die kommunistisch-freimaurerisch-hexerische Weltverschwörung und die dazugehörigen konspirativen Treffen mit Bundesheeroffizieren (leider vormittags im Cafe Amigo!) viel wichtiger.<br />
<br />
Die Englischlehrerin konnte ziemlich boshaft sein, wenn jemand nicht nach ihrer Pfeife tanzte, und bei ihr musste man auch immer Angst vor der Stundenwiederholung haben, aber immerhin hatte man bei ihr die Möglichkeit, tatsächlich etwas zu lernen. In Mathematik war das leider nicht der Fall, denn Mathematik zu lernen war auf Grundlage des gebotenen Unterrichts selbst bei Interesse und Talent praktisch unmöglich. Die Aufgaben in den Schularbeiten hatten kaum je etwas mit dem zu tun, was in den Schulstunden geübt worden war, und das völlig veraltete Lehrbuch diente nur als Aufgabensammlung. Selbst die Aufgaben aus dem Mathematikbuch unterschieden sich deutlich von jenen, die wir in der Stunde rechneten. Wenn man nicht zu den Mathematik-Naturtalenten gehörte (davon hatten wir in der Klasse zwei), hatte man ergo keine Chance auf eine positive Note, und deshalb wurden die positiven Noten auch freihändig vergeben. Ich war der Lehrerin aus irgendeinem Grund sympathisch, vermutlich weil meine Eltern sich auf dem Sprechtag immer verständnisvoll und dem Unterricht gegenüber unkritisch zeigten. Ein beliebter Spruch der Mathematiklehrerin war „Anzahl der Schüler halbe plus eins, das ist meine Formel für die [Anzahl der positiven] Schularbeiten“, denn eine Schularbeit zu wiederholen kam nicht in Frage, und das wäre erforderlich gewesen, wenn mehr als die Hälfte negativ gewesen wäre. Dabei war die Lehrerin menschlich nicht übel, ihr Charme war wienerisch-herb, und sie war weder so beschränkt wie der Lateinlehrer noch so feige wie die Französischlehrerin, die die Klassenfahrt platzen ließ, weil sie sich mit uns nicht zu verreisen traute. Die Mathelehrerin hatte nur keinerlei Ahnung von Didaktik und Pädagogik (das war auch nicht Bestandteil ihres Studiums gewesen, und ein Korrektiv gab es im System ja nicht) und im Übrigen ihren persönlichen Weg des geringsten Widerstands gefunden.<br />
Die mutlose Französischlehrerin, die wir zugegebenermaßen am Anfang auch ziemlich böse verhöhnt haben (Darstellung mit übertrieben großem behaartem Kinn), obwohl sie zu Beginn nicht unmotiviert war und sogar als sexy galt, hat sich dann bei der mündlichen Matura bei mir revanchiert, als sie mir aufgrund meiner schlechten Aussprache eine unnötig schlechte Note gegeben hat. Weder hatte sie mit mir je an der Aussprache gearbeitet noch hat sie bei der Prüfung in Betracht gezogen, dass ohnehin kein einziges Mitglied der Maturakommission Französisch beherrschte. Hemmungen, Französisch zu sprechen (obwohl ich es flüssig könnte) habe ich noch heute.<br />
<br />
Heute ist eine Bekannte von mir Lehrerin an dieser Schule, und es hat sich ihr zufolge „alles verändert“. Weder das Apartheid-Lehrerzimmer, die Schulwartsituation noch die meisten anderen exemplarisch angeführten Missstände bestehen noch. Natürlich gibt es andere Probleme, aber in diese habe ich wenig Einblick. Ich habe den Eindruck, eine extreme Schulzeit, nicht ganz so gestrig wie bei Schüler Gerber, sondern eher wie eine Mischung aus Laissez-faire und Selbstaufgabe der Beteiligten, also eine Art psychologisches Experiment, erlebt zu haben. Bei uns gab es zumindest in der Oberstufe kein Mobbing, und auch mit dem System konnte man sich arrangieren. Aber die immer wieder erlebte gigantische Sinnlosigkeit hat in mir eine Abscheu vor sämtlichen ineffizienten und unveränderbaren bürokratischen Systemen erzeugt. Wenn einer von mir verlangt, dass ich etwas besser mache, tu ich das mit dem größten Vergnügen. Das unterscheidet meine Welt von heute von der während der Schulzeit: Man hat hin und wieder auch die Gelegenheit, etwas zum Besseren zu verändern. Selten, aber doch.<br />
<br />
Im Übrigen bin ich der Meinung, eine Gesamtschule in der Qualität, wie sie zB in Finnland besteht, wäre die allerbeste Kur für unser Bildungssystem. Dass es hier wieder nur zu halbgaren Kompromissen kommen wird (wie in Deutschland), ist leider zu erwarten. Trotzdem wäre die Gesamtschule allemal besser als das aktuelle System aus dem 19. Jahrhundert.<br />
<br />
Im nächsten Beitrag gehts um die Universität. Auch keine angenehme Kost, aber mit gutem Ausgang. 
            </div>
        </content>

        
    </entry>
</feed>